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Die Hausagentur der FDP macht jetzt Wahlkampf für die GLP

Die Hausagentur der FDP macht jetzt Wahlkampf für die GLP

Am Puls der Zeit will die PR-Agentur Farner sein. Das GLP-Mandat für die Zürcher Wahlen ist deshalb auch eine Prestigesache. Und es steht symbolisch dafür, wie sich die politischen Gewichte im Land verschieben.
01.09.2022, 08:42
Doris Kleck / ch media
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Als Thierry Burkart zum Präsidenten der FDP Schweiz gewählt wurde, erschienen viele Porträts. Und in keinem blieb unerwähnt, dass Burkart einen hervorragenden Draht zu Daniel Heller hat, einem der einflussreichsten Spindoktoren in Bundesbern. Heller, seit über 30 Jahren bei Farner Consulting tätig, gilt als Lobbyist der alten Schule. Der freisinnigen Schule. Ein Kenner sagt es so: Wer vor 30, 40 Jahren Einfluss nehmen wollte auf politische Geschäfte, lobbyierte über die FDP, nutzte seine Beziehungen zu dieser Partei. Heller funktioniere noch immer so. Und Heller, der einst im Aargauer grossen Rat politisierte, ist einer der Gründe, weshalb Farner als Hausagentur der FDP gilt.

So warb die GLP 2019 um die Gunst der Wähler.
So warb die GLP 2019 um die Gunst der Wähler.Bild: christian beutler/keystone

Ein zweiter ist Roman Geiser, Mehrheitsaktionär und CEO. Auch er ist Mitglied der FDP.

Ein dritter ist die Geschichte der ältesten PR-Agentur des Landes. Gegründet 1951 nach amerikanischem Vorbild prägte sie das Bild des politischen Lobbyings in der Schweiz. Und ihre Nähe zu FDP, zur Rüstungsindustrie und zur Atomkraft prägte das Image der Agentur. Geblieben ist das Bonmot des Firmengründers Rudolf Farner: Er könne für eine Million Franken aus jedem Kartoffelsack einen Bundesrat machen.

In der Wirtschaft verankert

Michel Grunder ist seit kurzem Co-CEO von Farner in der Schweiz. Die Firma will international expandieren und hat sich deshalb neu aufgestellt. Der bisherige CEO Geiser kümmert sich als Executive Chairman um das internationale Geschäft. Grunder hat dank FDP-Nationalrätin Doris Fiala Zutritt zum Bundeshaus. Von Farner als Hausagentur der FDP zu sprechen, hält er aber für verfehlt: «Wir gehen nicht ein und aus im Generalsekretariat in der FDP wie in den Gründerjahren», sagt Grunder. Geblieben ist aber, dass Farner stark in der Wirtschaft verankert ist, überdurchschnittlich viele Mandate in diesem Bereich hat. Das prägt auch das politische Profil. Auch wenn Grunder sagt: «Wir haben gute Beziehungen mit Politikern aus FDP, SVP, Mitte, aber auch der SP». Schliesslich gehöre Mehrheiten schaffen zum Tagesgeschäft.

Agenturen mischen auch in Wahlkämpfen mit, wenn auch diese ökonomisch weniger interessant sind als etwa Abstimmungskämpfe. Denn dort kommt das Geld zumeist von den Verbänden. Die Parteien in der Schweiz hingegen gelten als notorisch unterfinanziert.

Wahlkämpfe für Parteien sind deshalb vor allem eine Prestigesache. Und eine Investition in Beziehungen – eine wichtige Währung im Bereich des Lobbyings.

Im Rennen bei der GLP Schweiz

Und so ist es bemerkenswert, dass Farner im bevölkerungsstärksten Kanton der Schweiz für die Wahlen im Frühling 2023 für die GLP Zürich arbeitet. Und sich auch um das Mandat der GLP Schweiz beworben, das in den nächsten Wochen vergeben werden soll. Die Grünliberalen, mit einem Wähleranteil von 7.8 Prozent, sind die kleinste unter den grossen Parteien im Bundesparlament. Doch bei Farner glaubt man offensichtlich an ihr Potenzial. Grunder sagt, Wahlkampf für die GLP zu machen seispannend. «Die GLP ist nahe am Zeitgeist. Der ökologische Liberalismus ist das Thema der Stunde.» Auch wenn Grunder es nicht explizit sagt: Die GLP ist das attraktivere Produkt als die FDP. Einen Herausforderer zu bewerben attraktiver, als den Status quo zu bewahren. Und Farner will gemäss Selbstbeschrieb näher dran sein als die Konkurrenz bei gesellschaftlichen und politisch relevanten Entwicklungen.

Der neue Polit-Chef ist GLP-nahe

In diesem Kontext ist auch eine Personalie interessant. David Schärer leitet neu die Abteilung Public Affairs bei Farner. Er ist zwar parteilos, steht aber der GLP nahe. Schärer war einst im Vorstand von Operation Libero, einer politischen Bewegung, die im Nachgang zum Ja zur Zuwanderungs-Initiative der SVP 2014 gegründet worden ist. Und mittlerweile als pro-europäischste Kraft im Land auffällt. Ihr Pendant in der Parteienlandschaft ist die GLP, die als einzige Partei hinter dem gescheiterten Rahmenabkommen mit der EU stand.

Die Europapolitik ist eine der grossen Konfliktlinien in diesem Land. Ein Dossier, das in den nächsten Jahren prägend sein wird. Und just hier tun sich die Gräben auch bei Farner auf. Schweiz-Co-Chef Michel Grunder betreut die Allianz Kompass/Europa, die gegründet wurde, um das Rahmenabkommen zu versenken.

Grunder sagt, der Wechsel in der Leitung Public Affairs von ihm zu Schärer werde nichts an der politischen Ausrichtung von Farner ändern. Über alle Mandate entscheide ohnehin immer die Geschäftsleitung. Entscheidend sei, dass es keine direkten Interessenkonflikte zwischen den verschiedenen Aufträgen gebe. «In den 70er-Jahren war Farner eine politische Stimme, heute sind wir ein Kommunikationsdienstleister mit vielen engagierten Köpfen im ganzen politischen Spektrum», sagt Grunder. Farner wolle die Schweiz bewegen. Eine offizielle politische Haltung braucht es dazu nicht. (aargauerzeitung.ch)

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2 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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LURCH
01.09.2022 11:17registriert November 2019
Da wächst wieder zusammen was ja nie getrennt war, denn die glp ist ja nur der grün angestrichene Seitenwagen der liberalen.
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