Die Pauke fand wenig Widerhall: 900 SRG-Stellen weg – na und?
Es war eine Ankündigung für die Galerie: Die SRG müsse bis in vier Jahren bis zu 900 Stellen abbauen, kommunizierte deren Generaldirektorin Susanne Wille diese Woche. Auch wenn nicht allgemein bekannt, so war die Meldung für aufmerksame Zeitgenossen doch ohne Newswert. Das Sparvolumen von 270 Millionen Franken steht seit zwei Jahren fest, ebenso die approximative Umrechnung in Stellen. Weshalb also die Ankündigung?
Weil der Abstimmungskampf um die SRG-Gebühren in die heisse Phase kommt. Es gilt die Zustimmung zur «Halbierungsinitiative» zu verhindern, die so heisst, weil sie den Erlös für die SRG faktisch halbiert. Und es gilt zu antizipieren, was bedeutet, wenn die Gebühr nach dem Vorschlag des Bundesrates auf 300 Franken jährlich reduziert wird.
Die Zahl «900» ist ein Paukenschlag, eigentlich. Ein Stellenverlust dieser Grössenordnung ist in jeder Branche einschneidend. Für ein Medienunternehmen bedeutet er einen Abbau von publizistischer Leistung, der jedem durchschnittlichen Nutzer auffallen wird. Es scheint nicht sonderlich zu kümmern; die Pauke fand wenig Widerhall.
Wenn es Willes Kalkül war, einen Aufschrei der Solidarität zu provozieren, ist dies nicht gelungen. Ihre Kommunikation droht vielmehr zur Steilvorlage für jene Kritiker zu werden, die schon immer zu wissen glaubten, dass die SRG zu viele Mitarbeitende beschäftigt und dass Programm ohne Not gekappt werden kann.
Das ist kein gutes Omen für die SRG. (aargauerzeitung.ch)
