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Nach Corso-Aus: Wie sich die Schweizer Kinolandschaft verändert hat

Voller Kinosaal bei der Vorstellung von Mystere, Franz
Die Schweizer Kinos müssen um ihr Publikum kämpfen.Bild: www.imago-images.de

Zur Blütezeit gab es 634 Kinos in der Schweiz – so viele sind davon noch übrig

Mit dem Corso stirbt in Zürich das nächste Traditionskino. Ein weiteres Anzeichen dafür, dass die Schweizer Kinolandschaft extrem unter Druck steht. Seit 1966 ist über die Hälfte der Schweizer Kinos von der Bildfläche verschwunden.
31.01.2026, 09:5331.01.2026, 10:17

Es war einer der prestigeträchtigsten Standorte der Schweizer Kinolandschaft – nun ist auch das Corso am Zürcher Bellevue bald Geschichte. Unter der Woche hat die Stadt Zürich bekannt gegeben, dass die Kinobetreiberin Blue Entertainment den bestehenden Mietvertrag mit der Stadt im historischen Geschäftshaus am Bellevue aufgelöst hat. Der Kinobetrieb läuft noch bis 2029, dann ist Schluss. Grund für die Schliessung ist eine umfassende Sanierung des gleichnamigen Geschäftshauses, in dem es sich befindet.

Ein Frau in leichter Bekleidung wirbt mit Cabriolet vor dem Kino Corso am Bellevue in Zuerich fuer den Film "Something Wild", aufgenommen im Jahr 1987. (KEYSTONE/Str)
Das Corso wurde 1947 zum Kino umgebaut, die obige Aufnahme stammt aus dem Jahr 1987.Bild: KEYSTONE

Das Corso ist nicht das erste Traditionskino in Zürich, das seine Pforten schliessen muss. In den letzten rund 10 Jahren erwischte es bereits das ABC beim Hauptbahnhof, das Frosch im Niederdorf sowie diverse Arthouse-Kinos. Das Kinosterben ist aber längst kein reines Zürcher Phänomen. In der ganzen Schweiz sinkt die Anzahl der Kinos – zuletzt langsam, trotzdem stetig.

Mitte der 1960er-Jahre – kurz bevor der Fernseher die Schweizer Wohnzimmer eroberte – erlebte das Kino hierzulande seine Blütezeit. 634 Kinos und fast gleich viele Säle mit rund 230'000 Sitzplätzen gab es im Jahr 1966 in der Schweiz. Doch dann setzte das erste grosse Kinosterben ein. Beschleunigt wurde dieses in den 1980er-Jahren zusätzlich mit dem Aufkommen von Video-Rekordern und der Privatisierung des Fernsehens.

Zu Beginn der 1990er-Jahre konnte sich die Schweizer Kinolandschaft schliesslich wieder etwas stabilisieren. Sitzplätze und Anzahl der Kinos konnten mehr oder weniger konstant gehalten werden, während die Saalzahl gleichzeitig steil nach oben schoss.

Die Eintrittszahlen gingen nach einem Zwischenhoch zu Beginn der 2000er-Jahre aber ebenfalls zurück – und das trotz stark ansteigender Bevölkerungszahl. Seit 1980 wuchs die Bevölkerung in der Schweiz um 35 Prozent, die Kinoeintritte nahmen in der gleichen Zeitspanne um rund 40 Prozent ab. Gingen Schweizerinnen und Schweizer im Jahr 1980 noch über dreimal pro Jahr ins Kino, waren es 2024 nur noch 1,2 Mal.

Eine Folge davon: die Erhöhung der Eintrittspreise. Kostete ein Kinobillet vor 46 Jahren noch 6.90 Franken waren es 2024 mit 16.10 Franken bereits fast das Zweieinhalbfache. Die Inflation im gleichen Zeitraum betrug laut dem LIK-Rechner des Bundes plus 94,5 Prozent. Mit dem Aufkommen von Streaming-Plattformen wie Netflix in der Mitte der 2010er-Jahre begann ein Wandel in der Kinoindustrie. Traditionelle Kinos, die über Jahrzehnte hinweg das Bild der Branche prägten, wurden zunehmend durch moderne Multiplex-Kinos in den Agglomerationen ersetzt.

Diese neuen Kinos bieten weit mehr als nur Filmerlebnisse – sie kombinieren Unterhaltung mit kulinarischen und sozialen Erlebnissen. Neben den klassischen Kinosälen finden Besucher hier auch Food-Courts, Bars und sogar Bowlingbahnen, die das Kinoerlebnis zu einem umfassenden Freizeitvergnügen erweitern.

Kinos pro Gemeinde

Zu sehen ist diese Transformation auch auf der Schweizer-Kinolandkarte. Von 1966 bis 1990 verschwinden grösstenteils die kleinen Landkinos, ab dann geht auch die Anzahl Kinos in den grossen Innenstädten leicht zurück. In den Agglomerationen entstehen dafür die Multiplexkinos.

Von den einst über 630 Schweizer Kinos waren 2024 nur noch 255 übrig. Die Tendenz zeigt weiter nach unten. Ganz verschwinden werden die Kinos aber trotz Netflix und Co. nicht. Denn die grossen Leinwände sowie innovative Bild- und Tontechniken werden wohl noch länger ein ganz anderes Filmerlebnis bieten, als es in den eigenen vier Wänden möglich ist.

Die Entwicklung der Schweizer Kinolandschaft – 1966 bis 2024

Schweizer Kinolandschaft 1966
1966
1970
1980
1990
2000
2010
2020
2024