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Bund fordert Cola und Co. zu Zucker-Reduktion auf – sonst drohen wohl Konsequenzen

Zehn Prozent weniger Zucker bis 2024: Der Bund will vorwärtsmachen und weitet die Erklärung von Mailand unter anderem auf Getränke aus. Doch die Pläne des zuständigen Bundesamtes sind umstritten.
25.05.2022, 05:2925.05.2022, 06:31
Chiara Stäheli / ch media

Eine Flasche Cola enthält 53 Gramm Zucker. Sie deckt damit den gemäss Weltgesundheitsorganisation (WHO) pro Tag empfohlenen Maximalkonsum an Zucker von rund 50 Gramm. Auf diesen Wert kommt auch, wer drei kleine Becher Erdbeerquark verspeist oder eine grosse Flasche Ovomaltine-Milch trinkt.

Süssgetränke sollen künftig zehn Prozent weniger Zucker enthalten.
Süssgetränke sollen künftig zehn Prozent weniger Zucker enthalten.Bild: AP/AP

Den Herstellern solcher Produkte will der Bund nun Regeln auferlegen. Nachdem sich mit der Erklärung von Mailand 2015 bereits grosse Schweizer Firmen - darunter Nestlé, Emmi, Migros, Coop und Wander - verpflichteten, den Zuckergehalt in Joghurts und Müesli schrittweise zu reduzieren, soll die Erklärung nun ausgeweitet werden. Künftig sollen auch Hersteller von Milchdrinks, Süssgetränken und Quark verpflichtet werden, den Zuckergehalt in ihren Produkten zu senken. Zudem sollen Salatsaucen und Suppen in Zukunft weniger Salz enthalten.

Risiko für Diabetes und Übergewicht steigt

Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) hat in diesem Zusammenhang bereits im vergangenen November die betroffenen Unternehmen zu einer Anhörung eingeladen. Diese Woche nun fand der zweite Runde Tisch mit allen Beteiligten statt.

Dabei legte der Bund den Getränkeherstellern, Suppenproduzenten und Detailhändlerinnen eine Vereinbarung auf den Tisch: Je nach Lebensmittelkategorie soll der Zuckergehalt beziehungsweise der Salzgehalt in den Produkten unterschiedlich stark reduziert werden. So sollen beispielsweise die Getränkehersteller dafür sorgen, dass in ihren Produkten in zwei Jahren im Mittel 10 Prozent weniger Zucker enthalten ist. Basis bildet das Jahr 2021.

Studie stellt Süssgetränken schlechtes Zeugnis aus
Die nationale Verzehrserhebung (menuCH) zeigt, dass fast 40 Prozent des zugesetzten Zuckers in unserer Ernährung aus Getränken stammen. Um herauszufinden, wie der Zucker in dieser Lebensmittelkategorie gesenkt werden kann, hat der Bund eine Standortbestimmung in Auftrag gegeben, in welcher der Schweizer Getränkemarkt untersucht wurde. Die am Montag veröffentlichten Resultate zeigen: Nicht einmal zehn Prozent der Getränke sind komplett ungesüsst, viele enthalten über 10 Gramm Zucker pro Deziliter, einige gar 20 Gramm. Zudem weisen Getränke, die sich an Kinder richten, im Durchschnitt einen höheren Zuckergehalt auf als vergleichbare Getränke für Erwachsene. Am meisten Zucker enthalten Energy-Drinks und alkoholfreie Sektalternativen wie beispielsweise Rimuss.

Begründet wird die Forderung mit Verweis auf die negativen Auswirkungen eines übermässigen Zuckerkonsums auf die Gesundheit. Studien zufolge erhöht eine stark zuckerhaltige Ernährung das Risiko, an einer nicht übertragbaren Krankheit wie Diabetes, Übergewicht oder Herz-Kreislauf-Erkrankung zu erkranken.

Die Vereinbarung ist freiwillig: Coca-Cola Schweiz, Rivella, Coop, Migros und Co. müssen sich bis am 6. Juni entscheiden, ob sie unterschreiben oder nicht. Die Zeit drängt also. Und schon jetzt ist klar: Wer sich nicht verpflichtet, dürfte an öffentlichem Zuspruch einbüssen und als Sündenbock abgestempelt werden, dem die Gesundheit der Schweizerinnen und Schweizer egal ist.

Doch ganz so einfach ist die Zuckerreduktion nicht. Bei den Getränkeherstellern steht ein ganzes Geschäftsmodell auf dem Spiel. Eine Cola mit weniger Zucker schmeckt nun mal nicht gleich wie eine nach Originalrezeptur - und wird wohl auch schlechter verkauft. Und weil der reduzierte Zucker gemäss Vorgaben des BLV nicht durch Süssstoffe ersetzt werden darf, sind den Herstellern zusätzlich die Hände gebunden. Mit dieser Vorgabe will das BLV die Konsumenten «an einen weniger süssen Geschmack gewöhnen», damit diese auch bei anderen Lebensmitteln zur gesünderen Variante greifen.

Coca-Cola und Rivella haben noch nicht entschieden

Mit über 40 Prozent Marktanteil bei den Erfrischungsgetränken ist Coca-Cola Schweiz besonders stark betroffen von der geplanten Zuckerreduktion - sofern das Unternehmen die Vereinbarung denn unterschreibt. Auf Basis der aktuellen Lage könne das noch nicht entschieden werden, sagt Natasja Sommer, Sprecherin bei Coca-Cola Schweiz. Das Unternehmen kritisiert das Vorgehen des BLV in mehreren Punkten: «Einerseits finden wir es schade, dass unsere Bestrebungen der vergangenen Jahre zur kontinuierlichen Zuckerreduktion nicht berücksichtigt wurden.» Sommer betont an dieser Stelle, dass Coca-Cola sein Angebot stets an die Bedürfnisse der Konsumenten anpasse und deshalb in den letzten zehn Jahren den Zuckergehalt vieler Getränke reduziert oder durch Süssstoffe ersetzt habe.

In einem halben Liter Cola stecken über 50 Gramm Zucker, das entspricht etwa 14 Stück Würfelzucker.
In einem halben Liter Cola stecken über 50 Gramm Zucker, das entspricht etwa 14 Stück Würfelzucker.Bild: keystone

Andererseits sei es als international tätiges Unternehmen mit langen Planungshorizonten faktisch unmöglich, eine einzig auf die Schweiz abgestimmte Anpassung der Rezepturen in so kurzer Zeit vorzunehmen. Hinzu kommt: Das klassische Coca-Cola soll auf der ganzen Welt genau gleich schmecken und enthält deshalb überall gleich viel Zucker. Für die geplante Zuckerreduktion müssten also andere Produkte aus dem Portfolio - beispielsweise das Fanta oder das Sprite - angepasst respektive neue Getränke lanciert werden. Aktuell seien die Experten bei Coca-Cola daran, Berechnungen zu erstellen, ob und wie eine Reduktion des Zuckergehalts bis 2024 überhaupt möglich sei, so Sommer, und betont, das dass Unternehmen an einer gemeinsamen Lösung weiterhin interessiert ist.

Auch Rivella hat noch nicht entschieden, ob die Firma die Vereinbarung unterzeichnen wird. Der Getränkehersteller aus Rothrist bekräftigt allerdings, dass «die Reduktion von Zucker in unseren Getränken und die Einführung natürlich gesüsster Produkte» ein Weg sei, den Rivella schon länger beschreite.

Droht bei Nicht-Unterzeichnen die Zuckersteuer?

Was, wenn die Hersteller die Vereinbarung nicht unterzeichnen? Dem Vernehmen nach hat das BLV angedeutet, die Einführung einer Zuckersteuer zu prüfen, sollten die betroffenen Unternehmen nicht auf freiwilliger Basis den Zuckergehalt ihrer Produkte reduzieren. So direkt bestätigt dies das BLV auf Anfrage nicht. Es teilt jedoch mit, dass «andere Massnahmen wie beispielsweise regulatorische Ansätze geprüft werden, wenn zu wenige Unternehmen die Erklärung unterzeichnen».

Das Bundesamt zeigt sich aber zuversichtlich: «Wir sind guter Dinge, dass die Lebensmittelwirtschaft den gemeinsamen Weg der freiwilligen Rezepturverbesserungen weiterhin mit uns gehen will.» (aargauerzeitung.ch)

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Der fiese Cola-Mentos-Streich

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Der fiese Cola-Mentos-Streich
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Liebe Schweiz, Rohzucker ist nicht gleich «brown sugar»!

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143 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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carlos zapato
25.05.2022 06:37registriert Mai 2017
Und gleichzeitig die Agrarzuschüsse erhöhen, damit die Zuckerrüben-Bauern nicht verhungern müssen, weil sie dann weniger Absatz haben. Ich höre sie schon jammern!
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Geralt von Riva
25.05.2022 06:46registriert Mai 2021
Wenn die da oben mein Cola verbieten, gehe ich mit einer Treichel nach Bern :D
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Tilman Fliegel
25.05.2022 06:47registriert Februar 2014
Den Joghurts hat die Zuckerreduktion gut getan. Ein etwas herberes Cola würde mir wahrscheinlich auch schmecken. Als Konsument hat man leider fast keine Wahl, weil die Hersteller offenbar mit dem Zucker immer an die Grenze des guten Geschmacks oder gesetzlich erlaubten gehen.
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