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Zu viel am Handy: Oberster Schweizer Bademeister rüffelt Eltern

ARCHIV --- ZUM SDA-ARTIKEL ZUM ENDE DER BADESAISON STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILD ZUR VERFUEGUNG --- Leute erfrischen sich in der Badeanstalt in Mendrisio, am Dienstag, 14. Juli 2015. (KEYSTONE/Ti-P ...
Der Schweizer Bademeister-Präsident macht sich Sorgen, weil Eltern zu viel Zeit am Smartphone oder am Tablet verbringen in der Badi.Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Zu viel am Handy: Oberster Schweizer Bademeister rüffelt Eltern

Wegen Smartphones und Tablets werde die Aufsichtspflicht stark vernachlässigt – dabei können nur 20 Sekunden Unachtsamkeit bereits tödlich sein für Kleinkinder, sagt der Schweizer Bademeister-Präsident.
03.06.2017, 22:2404.06.2017, 08:38
Sacha Ercolani / Schweiz am Wochenende

Kaum ist die Badi-Saison 2017 lanciert, muss der oberste Schweizer Bademeister schon massenhaft Verwarnungen aussprechen: Es werde immer schlimmer und er mache sich grosse Sorgen, klagt Michel Kunz, Präsident des Schweizerischen Bademeister-Verbandes. «Viele Mütter oder Väter sind in der Badi derart in ihr Handy vertieft, dass sie ihre Aufsichtspflicht nicht mehr wahrnehmen können. Sie sitzen zwar in der Nähe ihrer badenden Kleinkinder, bekommen aber kaum etwas mit», ärgert sich Kunz. Das sei extrem gefährlich:

«Beinahe täglich muss ich Mütter oder auch Väter darauf aufmerksam machen und ab und zu Kinder aus dem Wasser ziehen.»

Erst kürzlich rettete Kunz ein kleines Mädchen aus dem Kinderbecken – die Mutter war währenddessen mit dem Handy beschäftigt. Das sei in vielen anderen Badis nicht anders. «Eigentlich müsste man ein Handyverbot zumindest prüfen, denn es geht um Kinderleben.» Schwimmbecken können für Kinder schnell zur Todesfalle werden, so der Bademeister von Bolligen BE.

Jetzt auf

Philipp Binaghi von der SLRG, der grössten Organisation für Wassersicherheit der Schweiz, kennt das Problem und warnt: «Kinder dürfen nur begleitet ans Wasser, und kleine Kinder müssen sogar stets in Griffnähe beaufsichtigt werden. Die Bademeister, selbst wenn es mehrere pro Badi hat, können unmöglich Kindergärtner sein.» Hier seien die Eltern gefordert, denn die Kinder könnten sich unmöglich selber schützen.

Innert 20 Sekunden ertrinken

«In der Badi zu sein, hat nichts mit Erholen oder so zu tun, das ist harte Knochenarbeit, denn Ertrinken ist bei Kindern die zweithäufigste Todesunfallursache nach Verkehrsunfällen», sagt Philipp Binaghi.

Für Eltern, die ihre Kleinkinder baden lassen und dabei am Handy oder Tablet sind, hat der Experte absolut kein Verständnis: «Kinder fallen meistens auf den Vorderkopf und können innerhalb von 20 Sekunden ertrinken. Da verstehe ich, dass Bademeister ungehalten sind und am liebsten ein Handyverbot in der Badi hätten.»

So berichtet Tele Züri

BFU bestätigt Problematik

Die stark zunehmende Problematik, dass Aufsichtspersonen von Kindern am Wasser mit dem Handy abgelenkt sind, ist auch bei der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) ein Thema. «Dazu gibt es von uns Aktionen, bei denen wir die Leute in den Badis darauf sensibilisieren», sagt Sprecher Marc Bächler. «Dies passiert unter anderem mit Plakaten aber auch T-Shirts, welche die Bademeister tragen können und damit die Besucher in der Badi auf die Problematik aufmerksam machen.» Auch wenn einige Eltern wegen ihrem Handy nicht hundertprozentig auf ihren Nachwuchs aufpassen, ein Handyverbot in Badis fordert die BFU trotzdem nicht.

(aargauerzeitung.ch)

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