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Das Publikum ist begeister am Konzert der Rap Band

Für Werbung bei jungen Leuten setzen Tabakhersteller äusserst effektiv auf Partyzelte bei Festivals. Bild: KEYSTONE

Musik, Party, Nikotin

So effektiv ist Tabaksponsoring an Open Airs

Eine interne Umfrage des grössten Schweizer Festivals zeigt, wie stark Jugendliche auf Zigarettenwerbung ansprechen. Geht es nach Gesundheitsminister Berset, können die Hersteller noch lange mit ihren Partyzelten neue Raucher werben.

Lorenz Honegger / Die Nordwestschweiz

Die täglich 50'000 Besucher am grössten Deutschschweizer Open-Air-Festival in Frauenfeld sind jung, sogar sehr jung. In der Besucherumfrage 2013 gaben 21,4 Prozent an, unter 18 Jahre alt zu sein, weitere 60,1 Prozent waren zwischen 18 und 24 Jahren alt. Der Veranstalter fragte auch, welche Sponsoren den Besuchern am besten gefallen haben. Das Resultat lässt Gesundheitsexperten leer schlucken.

Am zweithäufigsten nannten die Befragten die Zigarettenmarke Marlboro. Der Auftritt des Zigarettenherstellers Philip Morris war rund 81 Prozent der Besucher aufgefallen – ein absoluter Spitzenwert. Der Hauptsponsor Migros erzielte nur 10 Prozent mehr.

Besonders das Partyzelt «Marlboro Beat Platform» hatte es den Besuchern angetan: 36,2 Prozent bezeichneten es als das Beste überhaupt. Wer einen Blick auf Bilder aus der «Beat Platform» wirft, sieht ein sehr junges Publikum.

Partys locken auch Nichtraucher an

Die Besucherumfrage des Open Airs Frauenfeld, die der «Nordwestschweiz» vorliegt, ist zwar nicht repräsentativ. Dennoch bestätigt sie, was unter Fachleuten längst bekannt ist: Die Werbung der Tabakriesen ist an Schweizer Open-Air-Festivals nicht nur omnipräsent, sie spricht auch sehr effektiv junge Menschen und damit potenzielle Neuraucher an.

Neben Philip Morris werben auch die zwei anderen grossen Zigarettenhersteller an Festivals landauf, landab für ihre Produkte. Ihr bevorzugtes Mittel sind Partyzelte, die neben dem musikalischen Programm die Hauptattraktion bilden. Der Tabakmulti Japan Tobacco International ist mit seiner Marke Winston am Zürich Open Air und am Open Air Val Lumnezia im Kanton Graubünden präsent. Die Konkurrenz von British American Tobacco hat sich mit Parisienne am Gurten Festival auf dem Berner Hausberg mit einem blockförmigen Zelt installiert.

Kein Sponsoring-Verbot

Geht es nach Gesundheitsminister Alain Berset (SP), können die Zigarettenhersteller noch lange mit ihren Partyzelten an Open Airs um neue Jungraucher werben. Sein Entwurf für das neue Tabakproduktegesetz will zwar Werbung auf Plakaten, im Kino, in Zeitungen und in elektronischen Medien verbieten. Doch beim Sponsoring von Anlässen macht der Westschweizer Magistrat eine grosse Ausnahme. 

Nur Veranstaltungen mit «internationalem Charakter» und «grenzüberschreitender Wirkung» sollen kein Geld mehr von Tabakfirmen akzeptieren dürfen. Die Schweizer Open Airs mit ihrem jungen Publikum fallen laut Recherchen der «Neuen Zürcher Zeitung» nicht unter diese Kategorie.

Der Gesamtbundesrat berät den Gesetzesentwurf vor der Sommerpause und schickt ihn dann in die Vernehmlassung. Es gilt als eher unwahrscheinlich, dass er Bersets Vorschläge noch stark verschärft. Wenn nicht im Bundesrat, dürfte ein allfälliges Tabaksponsoring-Verbot für Anlässe mit nationalem Charakter daher erst im Parlament zum Thema werden, sagt Gesundheitspolitiker und FDP-Ständerat Felix Gutzwiller (ZH): «Bei Festivals mit vielen jugendlichen Besuchern ist grösste Zurückhaltung angebracht. Sonst wird der Jugendschutz unterlaufen.»

Das Open Air Frauenfeld will auf Anfrage nicht zum Tabakproduktegesetz Stellung nehmen, da man noch keine Kenntnis davon habe. Mediensprecher Joachim Bodmer betont aber, dass das Sicherheitspersonal keine unter 18-Jährigen ins Marlboro-Zelt lasse. Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren kämen mit dem Sponsoring nicht in Kontakt. Noch jüngere Gäste seien auf dem Festivalgelände nicht zugelassen. «Unter dem Strich kann man sagen, dass unser Tabak-Partner betreffend Jugendschutz weiter geht als das Gesetz.» (Die Nordwestschweiz)

Lesen Sie hierzu auch:

Wir haben Hunderte von Openairs in der Schweiz, wieso gehen wir immer an die gleichen? – Zehn Alternativen >>



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