Schweiz
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ZUR MK VON INTERPHARMA UEBER DIE MEDIKAMENTENPREISE  STELLEN WIR IHNEN AM DONNERSTAG, 13. FEBRUAR 2014, FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG –  Sicht auf ein Medikamentenregal in einer Apotheke, am Donnerstag 24. Januar 2013, in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Preisüberwacher kritisieren hohe Medikamentenpreise in der Schweiz (Symbolbild). Bild: KEYSTONE

Ländervergleich zu Medikamentenpreisen

Generika kosten in der Schweiz mehr als doppelt soviel wie im Ausland

In der Schweiz sind Herz-Kreislauf-Medikamente teilweise nach wie vor massiv teurer als im Ausland. Für Generika muss sogar gut doppelt soviel bezahlt werden. 



Der Preisüberwacher hat im Mai 2014 die Publikumspreise der zehn umsatzstärksten patentgeschützten Originalpräparate sowie der zehn umsatzstärksten patentabgelaufenen Wirkstoffe der Herz-Kreislauf-Medikamente mit 15 wichtigen westeuropäischen Ländern verglichen. Darunter befanden sich auch jene sechs Länder, die vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) für den Auslandpreisvergleich herangezogen werden.

Die Resultate sind eindeutig, wie dem am Freitag veröffentlichten Newsletter des Preisüberwachers zu entnehmen ist. Die Schweiz gehöre bei den Herz-Kreislauf-Medikamenten in allen Kategorien zu den teuersten Ländern.

So seien patentabgelaufene Originalpräparate in den sechs aktuellen BAG-Ländern durchschnittlich 19 Prozent günstiger als in der Schweiz. Mit dem Einbezug weiterer Länder steige diese Differenz sogar noch weiter an. Dies bedeute, dass die aktuellen BAG-Länder im Durchschnitt zu den teuersten Ländern gehörten, schreibt der Preisüberwacher.

ZUR MK VON INTERPHARMA UEBER DIE MEDIKAMENTENPREISE  STELLEN WIR IHNEN AM DONNERSTAG, 13. FEBRUAR 2014, FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG –   Eine Maschine verteilt Arzneikapseln in Blisterpackungen, aufgenommen am 1. Februar 2010 im Fabrikations- und Logistikgebaeude des Pharma-Unternehmens Acino in Aesch im Kanton Basel-Landschaft. Acino entwickelt und produziert Arzneimittel und Generika fuer Dritte. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Eine Maschine verteilt Arzneikapseln in Blisterpackungen (Symbolbild) – Generika sind in der Schweiz doppelt so teuer wie im Ausland. Bild: KEYSTONE

Generika zu einem Drittel des Schweizer Preises

Ein ähnliches Bild präsentiere sich bei den patentgeschützten Medikamenten. Der Durchschnitt der BAG-Länder liege elf Prozent unter dem Preisniveau der Schweiz. 

Am massivsten sei der Preisunterschied jedoch bei den Generika. Diese seien im Vergleich zum Durchschnitt aller Länder in der Schweiz gut doppelt so teuer. In den aktuellen BAG-Ländern kosteten sie sogar nur rund ein Drittel des Schweizer Preises.

Der Preisüberwacher weist darauf hin, dass anders als bei den Originalmedikamenten die Preise der Generika vom BAG nicht mittels Auslandpreisvergleich festgesetzt werden, sondern aufgrund der sogenannten Abstandsregel. Diese bestimme, wie viel günstiger als das wirkstoffgleiche Original ein Generikum mindestens sein müsse.

Robert Wyss, proprietor of Pharmacy Wyss in Baden in the Canton of Aargau talks to one of his customers, pictured on July 13, 2013. (KEYSTONE/Gaetan Bally) 

Roland Wyss, Inhaber der Apotheke Wyss in Baden, im Gespraech mit einer Kundin, aufgenommen am 13. Juli 2012. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Apotheker im Gespräch mit einer Kundin (Symbolbild) – Preisüberwacher fordert jährliche Prüfung der Medikamentenpreise. Bild: KEYSTONE

Diese Regel behindert nach Einschätzung des Preisüberwachers den Preiswettbewerb, da sie als implizite Preisempfehlung betrachtet werden könne. Zudem sorge die Vergütungspraxis der Medikamente – Generika und Originale werden von der Krankenversicherung abzüglich Selbstbehalt bezahlt – dazu, dass der Anreiz der Patienten zum Bezug günstiger Präparate zu gering sei. Daraus resultierten die im europäischen Vergleich sehr hohen Schweizer Generikapreise.

Preisdifferenz «besorgniserregend»

Die festgestellte Preisdifferenz zum Ausland ist in den Augen des Preisüberwachers besorgniserregend. Trotz verschiedener Massnahmen in den letzten Jahren seien die Schweizer Preise immer noch überhöht. Der Preisvergleich bestätige deshalb die langjährigen Forderungen der Preisüberwachung.

So verlangt er eine Erweiterung des Länderkorbs, weil die aktuellen BAG-Länder im Durchschnitt sowohl bei den patentabgelaufenen als auch bei den patentgeschützten Originalpräparaten relativ teuer sind. Weiter sei eine jährliche Preisüberprüfung aller Medikamente notwendig.

Ein Drittel der Medikamente sei immer noch mit einem Wechselkurs von 1.58 Euro/Franken bewertet, obwohl der Kurs seit mehr als fünf Jahren nicht mehr so hoch gewesen sei. Zudem müssten die effektiv im Ausland gewährten Rabatte einbezogen werden. Erfreulicherweise prüfe das BAG derzeit den Einbezug dieser Vergünstigungen sowie den Einbezug weiterer Länder.

Gefaelschte Medikamente sind in einem Schaukasten am Flughafen Zuerich Kloten ausgestellt, am Mittwoch, 23. April 2014. Der Verein STOP PIRACY betreibt vom 23. April bis 2. Mai 2014 gemeinsam mit der Zollstelle Zuerich-Flughafen einen Informationsstand unter dem Motto

Die Preisberechnung basiert auf einem überholten Wechselkurs des Franken. Dies müsse korrigiert werden, so der Preisüberwacher (Symbolbild). Bild: KEYSTONE

Einführung von Festbetragssystem gefordert

Als notwendig erachtet der Preisüberwacher die Einführung eines Referenzpreis- beziehungsweise Festbetragssystems, wie dies bereits über 20 europäische Länder kennen und dessen Einführung auch für die Schweiz angezeigt wäre. Für alle patentabgelaufenen Originalmedikamente und Generika mit demselben Wirkstoff werde nur noch ein fixer Maximalbetrag, der sogenannte Festbetrag, durch die Krankenkasse vergütet, der sich an den günstigen Generika orientiere.

Damit werde der Preiswettbewerb gestärkt, da Hersteller von teuren Originalpräparaten und Generika den Anreiz hätten, ihre Preise dem Festbetrag anzunähern, um nicht Marktanteile zu verlieren. Ausserdem hätten Patienten verstärkt Anreize, günstige Präparate zu beziehen, die ihnen vollständig vergütet würden. (wst/sda)

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