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Die SVP kann mit ihrem Willi, die FDP mit ihrem Philipp punkten – CVP und Grüne brauchen einen neuen Kampagnen-Strategen

Die Zürcher Parlamentswahlen galten als Stimmungstest für die kommenden Nationalratswahlen. Die Zürcher Resultate bestätigen den Trend aus vorgehenden kantonalen Wahlen. Wer zu den Gewinnern gehört – und wer nicht.
14.04.2015, 11:1314.04.2015, 17:40

Politologen und Parteistrategen blickten am Wochenende mit grosser Spannung auf die Wahlresultate im Kanton Zürich. Der Wahlsonntag im bevölkerungsmässig grössten Kanton der Schweiz gilt gemeinhin als Stimmungstest für die Nationalratswahlen im Oktober 2015.

Welche Partei kann zulegen, welche wird abschiffen? Ein Blick auf die Entwicklung der Parteien in den kantonalen Wahlen gibt Aufschluss. 

  • Die SVP hat noch Luft nach oben. Die Partei konnte sich nach dem Tief im Jahr 2012, als sie in den konservativen Kantonen St.Gallen, Schwyz, Uri und Thurgau bis zu 6,4 Prozentpunkte verlor, gut erholen. Sie konnte bei den jüngsten kantonalen Wahlen in Basel-Land, Luzern und Zürich wieder zulegen.
  • Der neue FDP-Chef Philipp Müller schafft es offenbar, mit seinen Botschaften zur aktuellen politischen Grosswetterlage zu punkten. Seine Antworten zur Frankenkrise scheinen zu überzeugen: Seit den Baselbieter Wahlen im Februar 2015 zeigt das FDP-Barometer nach oben: Die Partei konnte sich von der Krise gut erholen.
<b>Entwicklung der Wähleranteile der Parteien in den kantonalen Parlamenten.</b>&nbsp;Die gestrichelte Linie dient zum Darstellung des ursprünglichen Wähleranteils.
Entwicklung der Wähleranteile der Parteien in den kantonalen Parlamenten. Die gestrichelte Linie dient zum Darstellung des ursprünglichen Wähleranteils.grafik: watson/daten: bfs, eigene berechnungen
Welche Partei wirst du bei den Nationalratswahlen im Oktober wählen?
  • Die SP startete gut in die Legislatur. Sie konnte in fast allen Kantonen zulegen. Grosse Verluste kassierten die Sozialdemokraten dagegen in Solothurn, Neuenburg und im Wallis. Ob sie auch bei den Nationalratswahlen profitieren, ist ungewiss: Die jüngsten Gewinne in Basel-Land, Luzern und Zürich sind verhalten und deuten nicht auf einen klaren Trend.
  • Das Formtief der CVP lässt sich fast schon als chronisch bezeichnen: Sie musste sich 2012 von der SP überholen lassen und Verluste von bis zu -6,7 Prozentpunkten (in St.Gallen) verzeichnen. Bei den letzten kantonalen Wahlen gewann und verlor sie mal – der Trend gegen unten dürfte sich wohl auch bei den Nationalratswahlen zeigen.

Auch die kleineren Parteien mussten sich in den meisten Kantonen einer Wiederwahl stellen. Hier lassen sich folgende Trends erkennen:

  • Die Grünen konnten Anfang Legislatur vom «Fukushima-Effekt» profitieren. Bis auf wenige, aber wichtige Gewinne zeigte der Trend allerdings nach unten: Die Verluste in Basel-Land, Luzern und Zürich sind erheblich und dürften sich als Trend bei den nationalen Wahlen fortsetzen. 
  • Die BDP als Partei der «neuen Mitte» konnte bis zur Mitte der Legislatur an Boden zulegen. Seit den Berner Wahlen 2014, als die Partei um Bundesrätin Widmer-Schlumpf 4,8 Prozentpunkte verlor, zeigt der Trend wieder gegen unten. Diesen Trend bestätigte jüngst auch das gfs-Wahlbarometer zu den nationalen Wahlen.
  • Die GLP konnte in der laufenden Legislatur ihren Höhenflug fortsetzen. Die Frankenstärke, aber auch das katastrophale Resultat ihrer Energiesteuer-Initiative scheinen das Image und das Vertrauen in die Neuen indes beschädigt zu haben. Das gfs-Wahlbarometer sagt zwar der glp weitere Gewinne voraus. Wegen fehlenden Partnern für Listenverbindungen dürfte die Partei der «neuen Mitte» im Nationalrat kaum an Sitzen zulegen können.
<b>Entwicklung der Wähleranteile der Parteien in den kantonalen Parlamenten. </b>Die gestrichelte Linie dient zum Darstellung des ursprünglichen Wähleranteils.
Entwicklung der Wähleranteile der Parteien in den kantonalen Parlamenten. Die gestrichelte Linie dient zum Darstellung des ursprünglichen Wähleranteils.grafik: Watson/daten: Bfs, eigene berechnungen
Methodik
Für die Berechnung der kantonalen Wähleranteile über alle Parlamente gibt es verschiedene Ansätze. Wir wählten die Sitzverteilung in den kantonalen Parlamenten zum Stand der Nationalratswahlen 2011 als Basis. Die Wähleranteil-Veränderungen bei den kantonalen Wahlen wurden auf diese Basis gewichtet nach Einwohnerzahl des Kantons angewendet. Nicht einberechnet wurden die Wahlen in den Kantonen Graubünden und Appenzell Ausserrhoden, da die Wahlsysteme (Majorz/Stellvertreter) bzw. Parteitraditionen (grosser Anteil von Parteilosen) nicht vergleichbar mit derjenigen der Schweiz bzw. in der Mehrheit aller Kantone ist. (pma)
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2 Kommentare
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