Schweiz
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Jonny Fischer ist ein Teil des Schweizer Comedy-Duos Divertimento. bild: Patrick Mettraux/Mannschaft Magazin

Comedian Jonny Fischer: «Es ist mir egal, wenn Fussballfans ‹Du schwule Sau› singen»

Jonny Fischer ist die eine Hälfte des Schweizer Komikerduos «Divertimento». Fischer steht offen zu seiner Homosexualität. Im Interview spricht er über Heiratsanträge, seine freikirchliche Erziehung und schwule Männer im Fussball. 

greg zwygart / mannschaft.com



Ein Artikel von

Jonny, 277 Shows sind durch. Die letzten zwei im ausverkauften Hallenstadion. Was ziehst du für ein Fazit? 
Jonny Fischer:
 Für uns ist es «huere geil», so in die Bühnenpause zu starten. Es ist nicht selbstverständlich, dass man das Hallenstadion mit einem dreijährigen Programm füllen kann. Trotzdem bin ich froh, ist es jetzt durch. Das letzte halbe Jahr war ziemlich anstrengend. 

2015 wird euer Pausenjahr. Dein Bühnenpartner Manu Burkart geht als Förster in den Wald. Welche persönlichen Projekte hast du?
Im Sommer werde ich in Zug Tixi-Taxi fahren und bei Cablecom ein neues Comedyformat moderieren. Zuerst geht's aber mit meinem Verlobten Michi für einen Monat nach Thailand in die Ferien. Zudem habe ich wieder damit begonnen, Sprachen zu lernen. Mittwochs stehen Italienisch und Französisch auf dem Programm, freitags Englisch und Spanisch. 

Cabaret DivertiMento

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bild: DivertiMento

Jonny Fischer (35, links) und Manu Burkart (37) bilden das Komikerduo Divertimento. Ihre Programme beinhalten Stand-up, Posse wie auch Wortspiele, Musik und Gesang.
Während Manu den unterhaltenden, clownesken Part mit Hilfe von Grimassen, Pantomimen sowie seiner extremen Beweglichkeit darstellt, übernimmt Jonny den souveränen, überlegten Part aufgrund seiner Schlagfertigkeit und Redegewandtheit.
Seit 2002 sind die beiden fast nonstop mit verschiedenen Programmen auf Schweizer Tournee. Das Duo wurde mehrfach ausgezeichnet, darunter viermal mit dem Prix Walo. 2014 erhielten Jonny und Manu achtmal Platin für ihre DVD «Gate 10», die sich über 52'000 Mal verkauft hat. Seit acht Jahren ist jede Comedyshow von Divertimento ausverkauft. 

Gegenüber den Medien hast du gesagt, dass dein Partner Michi deine erste grosse Liebe sei. Wieso hat es vorher nie geklappt?
In Beziehungen hatte ich jeweils zu wenig Geduld. Wenn es schwierig wurde, verlor ich das Interesse und setzte mich darüber hinweg. Ausserdem ist Michi ein ganz anderes Beuteschema. Ich hatte immer nach diesen hypermännlichen Typen gesucht. Mein Partner ist männlich, hat aber auch viele weibliche Züge. Er mag Champagner, Shoppen und Ferien planen. Ich bin zuständig fürs Auto und liebe Fussball und Bier (lacht)

«Mein Partner ist männlich, hat aber auch viele weibliche Züge. Er mag Champagner, Shoppen und Ferien planen. Ich bin zuständig fürs Auto und liebe Fussball und Bier.»

Jonny Fischer

Haben schwule Männer mehr Mühe, eine feste Beziehung zu finden?  
Nein, überhaupt nicht. Nicht mehr als Heterosexuelle. 

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bild: DivertiMento

Auf dem politischen Parkett wird die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare diskutiert. Verfolgst du diese Entwicklung?
Nein, aber in letzter Zeit war die Diskussion medial sehr präsent. Mir persönlich reicht es, wenn ich vor meinen Freunden und meinem Partner ja sagen kann. Ob da auch noch die Kirche mitzieht oder nicht, ist mir egal. 

«Mir persönlich reicht es, wenn ich vor meinen Freunden und meinem Partner ja sagen kann. Ob da auch noch die Kirche mitzieht oder nicht, ist mir egal.»

Jonny Fischer

Würden Michi und du auf die Ehe warten oder ist euch die eingetragene Partnerschaft «gut» genug? 
Wir lassen unsere Partnerschaft bereits in einem Jahr eintragen, auf die Ehe zu warten wäre also zu knapp. Wir werden es aber bestimmt nachholen. 

Möchtet ihr Kinder
Ich denke, wir würden uns gegenseitig auf den Geist gehen, da wir eine ganz andere Vorstellung von Erziehung haben. Das holen wir aber mit Göttisein nach und mit all unseren Freunden, die bereits Kinder haben. Montags bin ich übrigens Babysitter, das ist ein weiterer Job von mir (lacht). 

Auf eurer Website steht, du habest als Jugendlicher eine «Riesenfresse» gehabt. Hattest du viel Unsinn im Kopf? 
Ich war nicht derjenige, der überall Autos verkratzen musste. Ich war aber oft zur falschen Zeit am falschen Ort und hatte eine grosse Fresse dabei. So bin ich halt immer aufgefallen und habe ab und zu auf den «Grind» bekommen. Das ist heute noch so. Ich habe ein grosses Maul, das oft deplatziert ist. Das bin einfach ich. Mittlerweile ist es nicht mehr so schlimm. Man sagt, ich sei halt Komiker. Als ich noch Lehrer war, hatte man nicht so Freude.

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Das vollständige Interview mit Jonny Fischer erscheint in der April-Ausgabe von Mannschaft Magazin. bild: zvg

«Ich habe ein grosses Maul, das oft deplatziert ist. Das bin einfach ich. Mittlerweile ist es nicht mehr so schlimm. Man sagt, ich sei halt Komiker. Als ich noch Lehrer war, hatte man nicht so Freude.»

Jonny Fischer

Hast du mit deinem Coming-out geschockt? 
Ich war damals im katholischen Lehrerseminar, wo es 120 Männer hatte und keine Frauen. Für mich war das nicht so einfach. Aber alle nahmen es easy. Für meine Eltern ist es bis heute schwierig. 

Deinen Partner haben sie mittlerweile kennengelernt?
Nein. 

Bist du sehr katholisch erzogen worden? 
Viel Schlimmer. Ich bin freikirchlich erzogen worden. Zu meinen Eltern habe ich keinen Kontakt mehr. 

Haben sie aufgrund deiner Sexualität den Kontakt abgebrochen? 
Wir haben lange geübt. Sie dachten, es wäre eine Phase. Ich habe alte Eltern, die in einer ganz anderen Welt aufgewachsen sind. Ich habe ein gewisses Verständnis, wenn es ein Schock ist. Jedoch bin ich der Meinung, dass die Liebe zu den Kindern über dem Glauben stehen sollte. Mit meinen Geschwistern pflege ich jedoch guten Kontakt. 

«Ich bin freikirchlich erzogen worden. Zu meinen Eltern habe ich keinen Kontakt mehr.»

Jonny Fischer

Du spielst gerne Fussball und hast in deiner Jugend beim SV Sissach gespielt. Hast du das Coming-out von Thomas Hitzlsperger verfolgt?
Natürlich. Ich kenne viele Fussballer und weiss, wie es in den Kabinen zu und her geht. Es ist ein schwieriges Thema und der nächste Schritt muss das Coming-out eines aktiven Spielers in Europa sein. Die Amerikaner haben ja bereits einen offen schwulen Profispieler. Ich bin überzeugt, dass in jeder Mannschaft mindestens zwei Fussballer schwul sind. Es muss mal jemand hinstehen und das Outing wagen. Noch schlimmer muss es beim Eishockey sein. 

«Ich kenne viele Fussballer und weiss, wie es in den Kabinen zu und her geht. Es ist ein schwieriges Thema und der nächste Schritt muss das Coming-out eines aktiven Spielers in Europa sein.»

Wieso? 
Im Fussball ist es doch so, dass mindestens die Hälfte der Mannschaftskollegen auch mit Gucci-Taschen herumläuft (lacht)

Du hast beim EVZ als Sicherheitskraft gearbeitet. Musstest du dir homophobe Fangesänge anhören? 
Das stört mich nicht, auch heute nicht. Nebst Fangesängen wie «deine Mutter ist eine Schlampe» gibt's halt auch «Du schwule Sau». Tant pis, das ist mir egal. 

War deine Sexualität für dich als Fussballer jemals ein Thema?
Nein, im Gegenteil. Kürzlich hatten wir einen Freundschaftsmatch gegen einen ehemaligen Fussballer und seine Freunde. Das sind alles Männer über 50 und sie fanden es alle lustig, das Shampoo in der Dusche fallen zu lassen. So im Stil von: «Höhö, ich konnte mal mit einem Schwulen duschen.» Solche plumpen Scherze stören mich aber keineswegs. 

Das Militär ist ja auch so eine Männerdomäne. 
Ich war bei der Militärmusik, und das ist ja keine richtige RS. Es wäre sicherlich kein Thema gewesen, aber es war noch zu neu für mich. Ich hatte mich erst in meinem Umfeld geoutet und war noch auf der Suche nach mir selbst. So selbstsicher, dass es mir am Arsch vorbeigegangen wäre, was die anderen sagen, war ich damals noch nicht. 

«Das Hallenstadion war schon der Hammer, aber ich kann mir nicht vorstellen, auf Hallentour zu gehen. Da ist man einfach zu weit vom Publikum entfernt.»

Zurück zu Divertimento: Was habt ihr nächstes Jahr vor? 
Wir gehen neue Projekte an. Vielleicht kommt etwas mit dem Fernsehen zustande oder ein Film, das wäre ein Bubentraum von uns. 13 Jahre auf der Bühne haben uns gezeigt, dass es gegenseitig befruchtend ist, wenn man nebenbei andere Projekte am laufen hat. Ganz sicher ist, dass wir zurück ins Theater gehen. Das Hallenstadion war schon der Hammer, aber ich kann mir nicht vorstellen, auf Hallentour zu gehen. Da ist man einfach zu weit vom Publikum entfernt.  

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
4Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Michael Mettler 08.04.2015 21:22
    Highlight Highlight Ihr werdet es kaum glauben: Es gibt in der Freikirche Menschen die nichts gegen Homosexuelle haben. Es gibt sogar Atheisten die Homosexuelle nicht mögen.
    • Anded 08.04.2015 21:52
      Highlight Highlight Es gibt halt nicht nur "die Freikirche". Da gibt es extreme Unterschiede. Von denen welche alle Mitmenschen über alles lieben und akzeptieren, bis zu denen, die sich von allem Bösen distanzieren wollen. Aber das gibt es auch in der katholischen Kirche und auch in anderen Weltreligionen, welche schon in genug anderen Artikeln beim Namen genannt werden.
    • Lasagne 08.04.2015 22:41
      Highlight Highlight Es gibt sogar Atheisten die Fussballer nicht mögen. Es gibt sogar Atheisten die Ausländer nicht mögen. Der Punkt ist der: den Atheisten wird es nicht von einer Religion "vorgeschrieben" Homosexuelle nicht zu mögen.
      Natürlich sind die jeweiligen anderen Gründe ebenso zu verachten (;
    • smoe 09.04.2015 10:21
      Highlight Highlight Atheismus ist streng genommen ausschliesslich die Geisteshaltung, die die Existenz eines Gottes verneint. In dem Sinne ist der einzige Unterschied von Atheisten zu Freikirchlern, dass Erstere an einen Gott weniger glauben als Letztere. Sagt also nichts über eine Meinung zu Homosexualität aus.

      Wenn Atheismus weiter gefasst wird und eigentlich Gruppen wie Skeptiker, Freidenker, säkulare Humanisten, Materialisten, etc. also Menschen, die sich selbst zum Folgen wissenschaftlicher Erkenntnisse "zwingen", gemeint sind, besteht der Unterschied darin, dass es heutzutage kein logisches Argument gegen Homosexualität gibt, welches nicht der eigenen Weltanschauung widerspricht. Religiöse hingegen können (müssen nicht) Homosexualität für schlecht halten und sich dafür auf gewisse Buchstellen berufen, ohne mit ihrer Weltanschauung – in der dieses Buch eine besondere Stellung einnimmt – im argen Widerspruch zu stehen.

      Allerdings fällen alle Menschen jedweder Glaubens- und Unglaubensrichtung ab und an Entscheidungen oder bilden sich Meinungen, die eigentlich ihrem Weltbild bzw. der Welt widersprechen. Das liegt in unserer Natur.

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