Was ist wann passiert? Die Timeline zum Hantavirus-Ausbruch auf der «Hondius»
114 Passagiere gingen am 1. April auf dem Kreuzfahrtschiff «Hondius» an Bord – nicht wissend, dass unter ihnen das potenziell tödliche Hantavirus grassiert.
Stand jetzt sind drei Personen am Virus gestorben, fünf weitere Erkrankungs-Fälle sind bestätigt, dazu gibt es drei Verdachtsfälle. Die Passagiere kamen aus der ganzen Welt, aus Europa, Asien, Amerika. Doch was ist wann genau passiert?
Eine Übersicht zum Ablauf von den Anfängen des Ausbruchs bis zur Pressekonferenz der WHO am 7. Mai.
Vor dem 1. April: Ehepaar bereist Südamerika
Die WHO nimmt an, dass sich ein Ehepaar aus den Niederlanden, das mittlerweile verstorben ist, vor Betreten des Schiffs mit dem Hantavirus infiziert hat – und zwar während eines Vogelbeobachtungstrips. Die beiden sind nach jetzigem Wissensstand die Patienten Null.
Das Ehepaar war am 27. November in Argentinien angekommen und bereiste in den folgenden Wochen auch Chile und Uruguay. Am 27. März kehrten sie wieder nach Argentinien zurück, wo sie am 1. April auf der «Hondius» an Bord gingen.
1. April: «Hondius» sticht in See
114 Passagiere aus zahlreichen Nationen gingen am 1. April in der Stadt Ushuaia im Süden Argentiniens an Bord der «Hondius». Das Schiff verliess Ushuaia noch am selben Tag. Die Tour sollte die Passagiere zu abgelegenen Inseln vom Südatlantik bis nach Kap Verde führen. Geplant war eine sechswöchige Reise, wobei Passagiere bei jedem Halt von Bord gehen konnten.
11. April: Erster Todesfall
Nach fünf Tagen machte die «Hondius» einen ersten Stopp bei der südatlantischen Insel Südgeorgien. Passagiere konnten von Bord gehen, um Pinguine, Robben und Seelefanten zu beobachten.
Einige Tage später brach das Virus aus. Ein niederländischer Passagier erkrankte am 6. April und starb am 11. April. Auch seine Frau wird später dem Virus erliegen.
Über den Todesfall informiert wurden die weiteren Passagiere einen Tag darauf. Der Kapitän versuchte gemäss Videos auf Social Media zu diesem Zeitpunkt noch, eine Panik zu verhindern:
Die Worte des Kapitäns haben gewirkt. Ein Passagier sagt gegenüber dem «Wall Street Journal»: «Wir haben dem Kapitän geglaubt. Im Nachhinein wünschte ich, man hätte das von Anfang an ernster genommen.»
13. - 15. April: Ankunft auf Tristan da Cunha
Am 13. April lief die «Hondius» die Inselgruppe Tristan da Cunha an. Die Inselgruppe bildet zusammen mit St.Helena und der Insel Ascension das britische Überseegebiet St.Helena, Ascension und Tristan da Cunha.
Etliche Passagiere verliessen in den Tagen bis zum 15. April das Schiff, erkundeten die Insel und machten verschiedene Aktivitäten. Eine Gruppe, ein Passagier und zwei Crewmitglieder, hielten gemäss einem lokalen Medienbericht vor Schulkindern eine Präsentation. Andere speisten und tranken in einer lokalen Bar. Sechs neue Passagiere stiegen vor der Weiterfahrt zur Kreuzfahrt hinzu.
24. April: Ankunft auf St. Helena – 29 Personen verlassen das Schiff
Am 24. April kam die «Hondius» in St.Helena an. 29 Personen verliessen das Schiff, für sie war es die finale Destination ihrer Reise. Sie kamen in Hotels unter, einige von ihnen verliessen die Insel in Flügen Richtung Heimat.
Unter ihnen war auch die niederländische Frau, deren Mann am 11. April verstorben war. Sie flog per Flugzeug nach Johannesburg in Südafrika, wo sie später verstarb. Die WHO befürchtet nun, dass es dabei zu weiteren Ansteckungen gekommen sein könnte. Sie versucht nun deshalb, die 82 Passagiere aufzuspüren.
Auch ein Schweizer hat in St.Helena das Schiff verlassen. Er ist jetzt ebenfalls mit dem Virus infiziert und befindet sich in einer Klinik in Zürich. Sein Zustand ist gemäss dem USZ stabil.
27. April: Ein erkrankter Passagier wird evakuiert
Nach zwei Tagen bei St.Helena verliess die «Hondius» die Atlantik-Insel wieder mit Ziel Kap Verde. Dann wurde es hektisch.
Am 27. April musste ein Mann, der sich mit dem Virus infiziert hatte, evakuiert werden. Daraufhin wurde auf dem Schiff Stufe drei eines Notfallplans eingeleitet. Dieser umfasste Isolationsmassnahmen, Hygienevorschriften sowie medizinische Überwachung. Zu diesem Zeitpunkt fing ein Medizinteam auf dem Schiff an, Tests durchzuführen.
2. Mai: Der nächste Todesfall
Am Sonntag wurde der nächste Todesfall publik. Ein deutscher Passagier starb am 2. Mai wegen des Virus. Zu diesem Zeitpunkt war die «Hondius» vor der Küste von Kap Verde.
6. Mai: Abfahrt Richtung Teneriffa
Eigentlich sollten die Passagiere in Kap Verde von Bord gehen können. Doch wegen des Ausbruchs war dies nicht möglich. Stattdessen macht sich die «Hondius» in Richtung Teneriffa auf. Am Sonntag, 10. Mai, soll das Schiff bei der Kanareninsel ankommen.
Auf der Urlaubsinsel gibt es eine auf Epidemien spezialisierte Klinik. Dort sollen Besatzung und Passagiere untersucht und gegebenenfalls medizinisch versorgt werden.
Ebenfalls am Mittwoch wurden drei Menschen von Bord des Schiffes evakuiert: zwei kranke Besatzungsmitglieder, ein Brite (56) und ein Niederländer (41), sowie eine deutsche Frau (65).
Die deutsche Frau kam am späten Mittwochabend mit einem speziellen Transportkonvoi zur vorsorglichen Untersuchung im Uniklinikum Düsseldorf (UKD) an.
7. Mai: WHO informiert an einer Pressekonferenz
Am Donnerstag informierte die WHO zum Hantavirus-Ausbruch auf der «Hondius». WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus bestätigt acht Fälle und drei Todesfälle. Bei drei der acht Fälle handle es sich allerdings um Verdachtsfälle.
WHO-Expertin Maria Van Kerkhove sagte, dass weitere Fälle folgen könnten. Die WHO und verschiedene Länder seien daran, weitere Personen ausfindig zu machen und auf das Virus zu testen.
Bei der Pressekonferenz wurde immer wieder betont, dass das Virus nicht mit Corona vergleichbar sei. Obwohl es sich um eine «ernste» Angelegenheit handle, stufe die WHO das Risiko für die öffentliche Gesundheit als «gering» ein:
Die WHO sagte auch, dass momentan niemand an Bord der «Hondius» Syptome zeige. Die Passagiere werden nun getestet. Unklar ist bislang, wie danach die Heimreise organisiert wird.
