Virologe erwartet keine grosse Epidemie: Die neusten Entwicklungen zum Hantavirus-Ausbruch
Drei Menschen sind bis jetzt am Hantavirus gestorben und auch die Schweiz ist betroffen: Am Mittwoch wurde bekannt, dass ein Patient im Universitätsspital Zürich behandelt wird.
Viele Fragen zum Ausbruch auf der «Hondius» sind aber noch unklar. Das sind die neusten Entwicklungen.
Genfer Virologe erwartet keine grosse Epidemie
Manuel Schibler, verantwortlicher Arzt am Labor für Virologie der Genfer Universitätsspitäer (HUG), schätzt das Risiko einer weitreichenden Epidemie als gering ein.
Er verwies auf einen Ausbruch in Argentinien zwischen Ende 2018 und Anfang 2019. «Wir haben ein ziemlich aussagekräftiges Beispiel einer Epidemie [...], die zu 34 dokumentierten Fällen führte, darunter 11 Todesfälle.» Man gehe davon aus, dass die Ausbreitung nicht über einige Dutzend Fälle hinausgehe.
29 Passagiere verliessen Schiff bei Zwischenstopp
Das Kreuzfahrtschiff «Hondius» hat noch vor der Entdeckung des Hantavirus einen Zwischenstopp gemacht, auf dem nach Angaben des Veranstalters Oceanwide Expeditions 29 Passagiere von Bord gingen.
Diese Passagiere hätten am 24. April auf der britischen Insel St. Helena im Süden des Atlantischen Ozeans das Schiff verlassen. Das war den Angaben zufolge gut zehn Tage vor der Bestätigung des ersten Hantavirus-Falles.
Auch die niederländische Frau, die wenig später in Johannesburg an dem Virus starb, verliess auf der Insel das Schiff. Etwa zwei Wochen zuvor war bereits ihr Mann an Bord gestorben. Zum Zeitpunkt des Zwischenstopps war aber unklar, dass das Hantavirus möglicherweise die Ursache war. Auch ein Schweizer hatte in St. Helena das Schiff verlassen. Er ist jetzt ebenfalls mit dem Virus infiziert und befindet sich in einer Klinik in Zürich.
Stewardess mit Symptomen in Spital
Eine Stewardess, die im direkten Kontakt zu einer mit dem Hantavirus infizierten Frau stand, ist mit Krankheitssymptomen in ein Spital in Amsterdam eingeliefert worden. Das teilte das Gesundheitsministerium in Den Haag mit. Die Flugbegleiterin habe leichte Symptome und befinde sich in Isolation. Sie werde nun auf das Hantavirus getestet.
Sie war in Johannesburg an Bord des KLM-Flugzeuges, auf dem für kurze Zeit auch eine Niederländerin war, die kurze Zeit später an dem Virus starb. Die niederländischen Behörden haben Kontakt zu allen Passagieren an Bord der KLM-Maschine aufgenommen. Sie werden den Angaben zufolge regelmässig kontrolliert.
Flug mit krankem Crew-Mitglied der «Hondius» gelandet
Das zweite Evakuierungsflugzeug mit einem kranken Crew-Mitglied des vom Hantavirus getroffenen Kreuzfahrtschiffes ist auf dem Amsterdamer Flughafen Schiphol gelandet. Der Patient wurde nach Angaben der Behörden in ein Spital eingeliefert.
Insgesamt waren am Mittwoch drei Menschen von Bord des Schiffes, das zu dem Zeitpunkt vor Kap Verde lag, evakuiert worden. Zwei kranke Besatzungsmitglieder, ein Brite (56) und ein Niederländer (41), sowie eine deutsche Frau (65).
Eines der beiden Crew-Mitglieder sowie die deutsche Frau waren mit dem ersten Evakuierungsflugzeug am Abend am Flughafen Schiphol gelandet. Der zweite Flug musste wegen technischer Probleme auf Gran Canaria zwischenlanden und konnte erst am frühen Morgen seine Reise nach Amsterdam fortsetzen.
Hantavirus-Kontaktperson in Düsseldorfer Klinik
Die oben erwähnte deutsche Frau (65) kam am späten Mittwochabend mit einem speziellen Transportkonvoi zur vorsorglichen Untersuchung im Uniklinikum Düsseldorf (UKD) an. Einsatzkräfte der Feuerwehr Düsseldorf hatten die Person am Flughafen in Amsterdam übernommen.
Nach Infektionen mit dem Hantavirus auf der «Hondius» hatte es auch drei Todesfälle gegeben – ein älteres niederländisches Ehepaar und eine deutsche Frau starben. Drei Menschen wurden unter medizinischer Begleitung von Bord des Schiffes geholt, wie die WHO und das niederländische Aussenministerium mitteilten.
Darunter war laut des niederländischen Aussenministeriums eine 65 Jahre alte Deutsche. Sie werde nun in Düsseldorf untersucht. Aktuell sei der Zustand der Person stabil und sie zeige keine Symptome einer Infektion, teilte die Feuerwehr Düsseldorf nach der Übernahme der Kontaktperson am Flughafen Amsterdam Schiphol mit.
«Es handelt sich um eine Kontaktperson ohne bestätigten Nachweis einer Hantavirus-Infektion», hatte das Klinikum bereits am Mittag vor der Ankunft mitgeteilt. Die Aufnahme der Person aus Deutschland erfolge vorsorglich zur medizinischen Abklärung. Weitere Angaben wurden nicht gemacht. Auf der Infektionsstation stehen demnach eine klinische Ersteinschätzung sowie infektiologische Untersuchungen an.
Die Suche nach dem Ursprung
Momentan läuft die Suche nach Patient Null. In Argentinien, von wo das Kreuzfahrtschiff auslief, laufen Untersuchungen dazu.
Gemäss der Nachrichtenagentur AP hat sich ein niederländisches Ehepaar bei einer Vogeltour in der Stadt Ushuaia im Süden Argentiniens mit dem Virus infiziert. Zudem gibt es auch Berichte, dass sich das Paar bei einer Besichtigung einer Mülldeponie angesteckt hat. Eine offizielle Bestätigung gibt es allerdings nicht.
Spezialisierte Klinik auf Teneriffa
Immerhin gibt es nach tagelanger Unsicherheit eine klare Perspektive für die knapp 150 Menschen an Bord des Kreuzfahrtschiffs. Spanien erteilte dem unter niederländischer Flagge fahrenden Schiff die Erlaubnis, einen Hafen auf den Kanarischen Inseln anzulaufen, und zwar auf Teneriffa.
Auf der Urlaubsinsel gibt es eine auf Epidemien spezialisierte Klinik. Dort sollen Besatzung und Passagiere untersucht und gegebenenfalls medizinisch versorgt werden. Später könnten sie in ihre jeweiligen Heimatländer zurückkehren.
Die «Hondius» fuhr am Mittwochabend vor Kap Verde los Richtung Kanarische Inseln. Die Strecke werde voraussichtlich drei bis vier Tage in Anspruch nehmen, erklärte der Betreiber Oceanwide Expeditions. In Kap Verde seien zusätzlich drei medizinisch geschulte Personen zugestiegen, um für die Strecke eine optimale gesundheitliche Versorgung zu gewähren.
(ome mit Material der sda)
