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Russland-Expat in der Schweiz wehrt sich gegen Spionage-Verdacht

«Ich war auch im AKW Gösgen»: Russischer Expat wehrt sich gegen Spionage-Verdacht

Russische Freizeitgruppen sind wegen Besuchen kritischer Infrastruktur unter Verdacht. Ein Mitglied widerspricht vehement: Man wolle sich integrieren – nicht spionieren.
11.04.2026, 08:3411.04.2026, 08:34
Henry Habegger
Henry Habegger

Dimitry* meldete sich am Freitag bei CH Media. Per Mail, unterzeichnet offensichtlich in einem Anflug von Sarkasmus: «Russischer Spion Dima».

ZUR EIDGENOESSISCHEN ABSTIMMUNG UEBER DIE VOLKSINITIATIVE "FUER DEN GEORDNETEN AUSSTIEG AUS DER ATOMENERGIE (ATOMAUSSTIEGSINITIATIVE)" VOM SONNTAG, 27. NOVEMBER 2016, STELLEN WIR IHNEN FOLGE ...
Kernkraftwerk Gösgen: Russische Gruppen nur wegen Interesse an Technik immer wieder vor Ort?Bild: KEYSTONE

Der Mann gehört, wie er sagt, zu einer russischsprachigen Gruppe von Expats, die zuletzt immer wieder kritische Infrastrukturen wie Atomkraftwerke besucht hat. Der Russe ist verärgert: «Über so eine einseitige Berichterstattung kann ich nur den Kopf schütteln.» Hier werde billige Stimmungsmache gegen «russische Gruppen» betrieben – durch die Medien oder durch den Nachrichtendienst des Bundes (NDB).

Der Ärger bezieht sich auf einen Artikel von CH Media vom Dienstag. Recherchen zeigten, dass einige russischsprachige Expat-Gruppen in letzter Zeit besonders häufig kritische Infrastrukturen besuchen, die für fremde Nachrichtendienste von grossem Interesse sind: Kernkraftwerke, Flughäfen, Bahnanlagen, Logistikzentren und so weiter. Der NDB bestätigte, er habe «Kenntnis über Gruppenbesuche in Anlagen, die den kritischen Infrastrukturen der Schweiz zuzuordnen sind».

Dimitry fühlt sich mit seiner Community direkt angesprochen. Die beschriebenen Aktivitäten entsprächen genau ihren eigenen: «Und ich war bei fast allen selbst dabei. Auch im AKW Gösgen.»

Diese Gruppen seien jedoch keine «russischen Gruppen» im engeren Sinn, sondern international zusammengesetzte Communities von «Expats, Deutschen, Schweizern, Ukrainern etc., in denen Russisch gesprochen wird». Viele seien nach Beginn des Ukraine-Kriegs aus beruflichen Gründen in die Schweiz gekommen und würden sich hier integrieren, etwa durch gemeinsame Aktivitäten und Bildungsbesuche. «Man kocht zusammen, macht Ausflüge, lernt Deutsch.»

Um sich zu integrieren, und nicht, um zu spionieren, wolle man mehr darüber erfahren, wie hier alles funktioniere, sagt er. Das Interesse an technischen Einrichtungen erklärt er mit dem naturwissenschaftlichen Hintergrund vieler Mitglieder: «Für sie sind solche Besuche wie beim AKW Gösgen besonders interessant und ein absolutes Highlight.» Bitter fügt Dimitry hinzu: «Aber wenn man das macht, ist man direkt ein Spion. Nur weil man sich für Technik interessiert und Russisch spricht.»

Am CERN in Genf sei die Gruppe «übrigens auch mehrmals» gewesen. «Und die Führungen werden dort von Russen gemacht, die dort arbeiten. Vielleicht sind das auch alles Spione?» Wegen dieser «billigen Stimmungsmache» bekomme die Gruppe nun Absagen für Führungen. Das grenze an billigen Rassismus.

Keine Putinversteher in der Gruppe

Putinversteher gebe es in seiner Gruppe keine, behauptet Dimitry. Was ihm Beobachter allerdings nicht abnehmen. Aber er gibt an: «Sie können an drei Fingern abzählen, warum die Leute in der Schweiz leben und nicht mehr in Russland oder der Ukraine.»

Mit solcher Berichterstattung spiele man der russischen Propaganda in die Hände. «Keiner, den ich hier kenne, heisst den Krieg gut. Ich selbst bin seit 2021 nicht mehr in Russland gewesen. Mir wurde sozusagen meine Heimat gestohlen. Können Sie sich so etwas vorstellen?»

Auch am NDB übt der zornige Expat Kritik. Er frage sich, wofür hier Steuergelder ausgegeben würden. Der Nachrichtendienst solle besser «Banken überprüfen, die Geld waschen – Stichwort MBaer – oder Firmen, die Elektronikkomponenten über Umwege in Kriegsgebiete liefern». Aber das sei wohl zu viel Arbeit – lieber jage der NDB Leute, die ganz legal in der Schweiz lebten.

Eine weitere Heuchelei ist für ihn der Umstand, dass beispielsweise Axpo ihre Brennstäbe in Russland einkaufe. «Aber die Spione sind natürlich einfache Leute, die hier leben und sich zu öffentlichen Führungen anmelden».

*Voller Name der Redaktion bekannt (aargauerzeitung.ch)

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109 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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SommerSönnchen
11.04.2026 11:38registriert Oktober 2021
Eine internationale Gruppe in denen Russisch gesprochen wird die Ausflüge machen um Deutsch zu lernen. LoL
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Rethinking
11.04.2026 12:04registriert Oktober 2018
Integration wäre eben genau nicht, mit seinesgleichen abzuhängen und die Muttersprache zu sprechen..
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001243.3e08972a@apple
11.04.2026 11:40registriert Juli 2024
Tönt nicht sehr glaubwürdig.
<Das «Z» auf einer Tracht am Umzug des Eidgenössischen Schwingfests (2022) sei ein Missverständnis. Das behauptete der Verein «Russkij Basel». Recherchen>
Bei Russen ist es immer ein Missberständnis…
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