Schweiz
Geheimdienste

Spionage in der Schweiz nimmt zu

Runder Reaktorblock, Kuehlturm und Dampf des Kernkraftwerks Leibstadt, aufgenommen am Montag, 10. Juni 2024 in Leibstadt, Kanton Aargau. (KEYSTONE/Gaetan Bally)
Das Kernkraftwerk Leibstadt gehört zu den kritischen Infrastrukturen im Aargau.Bild: KEYSTONE

Bedrohung nimmt zu: Spione haben es auf den Aargau abgesehen

Bedrohungen durch ausländische Geheimdienste nehmen in der Schweiz zu. Allein im Aargau wurden in den letzten zwei Jahren zwölf Vorfälle registriert. Mehrheitlich ging es dabei um Personen im Auftrag von Russland oder China.
27.03.2026, 10:2227.03.2026, 10:22

Acht der zwölf Vorfälle wurden Aktivitäten von Nachrichtendiensten zugeschrieben, wie Michael Leupold, Kommandant der Kantonspolizei Aargau, zu RTS sagt. Dabei soll es sich vorwiegend um russische und chinesische Dienste handeln.

Der Aargau ist für sie interessant, da sich im Kanton vier von fünf Kernkraftwerken und das grösste Treibstofflager befinden. In Laufenburg gibt es zudem den Stern von Laufenburg, die Schaltanlage, die die Stromnetze von Deutschland, der Schweiz und Frankreich verbindet. Bis 2028 soll ebenfalls in Laufenburg die grösste Speicherbatterie der Welt entstehen.

Es sind Infrastrukturen, die für ganz Europa von Bedeutung sind. Und genau deshalb sind sie für ausländische Geheimdienste interessant. Das weiss auch der Nachrichtendienst des Bundes (NDB): «Russland könnte kritische Infrastrukturen in der Schweiz sabotieren, die auch auf europäischer Ebene von grosser Bedeutung sind, um Mitgliedstaaten der EU und der Nato zu schaden», heisst es dort gegenüber RTS. Auch die Aargauer Polizei warnte kürzlich vor Spionageaktivitäten im Aargau.

Drohnen und Cyberangriffe

Die Bedrohung scheint real: Laut dem Bundesamt für Zivilluftfahrt hat sich die Zahl der Meldungen zu Drohnen im Vergleich zu 2024 fast verdoppelt. Im Oktober 2025 wurden einige Drohnen über strategischen Standorten im Aargau gesichtet. Ob es sich dabei um militärische oder zivile Fluggeräte handelte, ist schwer einzuschätzen.

Es sind aber nicht nur Drohnen, die als Bedrohung wahrgenommen werden können. Mittlerweile werden Konflikte und Kriege auch online ausgetragen. Das Bundesamt für Cybersicherheit registrierte in den letzten neun Monaten über 260 Angriffe auf kritische Infrastrukturen wie Behörden, Medien, Transportunternehmen, Finanzinstitutionen oder Spitäler.

«Die Schweiz erlebt eine beispiellose Häufung an Bedrohungen», heisst es beim NDB. Dort spricht man von den Folgen eines hybriden Krieges. «Die Operationen auf Schweizer Territorium sind zahlreich.» Gemäss früheren Berichten geht der NDB von rund 80 russischen Nachrichtendienstmitarbeitenden in der Schweiz aus.

Kritik am Bundesrat

Obwohl sich der Bund der Gefahr bewusst scheint, ist von Massnahmen derzeit kaum etwas zu spüren. Und das ruft die Politik auf den Plan. Die Waadtländer Mitte-Nationalrätin Isabelle Chappuis beispielsweise kritisiert den Bundesrat für sein Zögern, die Bevölkerung zu informieren.

Und auch die Geschäftsprüfungsdelegation kritisierte kürzlich, dass es bei steigendem Risiko einen erheblichen Handlungsbedarf gebe. Es gebe zu wenig konkrete Abwehrmassnahmen und ausländische Spione würden nur in Einzelfällen ausgewiesen. (vro)

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Die beliebtesten Kommentare
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stronghelga
27.03.2026 10:45registriert März 2021
Der Bundesrat betont, man beobachte die Lage genau. Doch darin liegt das Problem. Beobachten reicht nicht, wenn andere längst handeln. Wer nur registriert, dass Einflussnahme und Spionage zunehmen, läuft Gefahr, zum Zuschauer im eigenen Land zu werden.

Neutralität, lieber Bundesrat, schützt nicht vor Spionage.
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mrmikech
27.03.2026 11:27registriert Juni 2016
Aber gerne mehr Freihandel mit China – und vielleicht sollten wir noch mehr russische Botschafter einladen, zu den vielen, die wir schon haben. Das wird Köppel bestimmt gefallen… 🤔
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Eckhardt
27.03.2026 11:32registriert Juni 2024
Es zeigt einmal mehr: Die Schweiz muss die Naivität ablegen.
Russland kann kein Freund/Partner sein.
China kann kein Freund/Partner sein.
Die USA hat es sich grad zünftig verspielt.
Als Schweiz orientieren wir uns besser an weiterhin demokratischen Ländern wie Bündnisse für CH-Partnerschaften: mit EU, UK, Australien, Kanada etc.
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