Bedrohung nimmt zu: Spione haben es auf den Aargau abgesehen
Acht der zwölf Vorfälle wurden Aktivitäten von Nachrichtendiensten zugeschrieben, wie Michael Leupold, Kommandant der Kantonspolizei Aargau, zu RTS sagt. Dabei soll es sich vorwiegend um russische und chinesische Dienste handeln.
Der Aargau ist für sie interessant, da sich im Kanton vier von fünf Kernkraftwerken und das grösste Treibstofflager befinden. In Laufenburg gibt es zudem den Stern von Laufenburg, die Schaltanlage, die die Stromnetze von Deutschland, der Schweiz und Frankreich verbindet. Bis 2028 soll ebenfalls in Laufenburg die grösste Speicherbatterie der Welt entstehen.
Es sind Infrastrukturen, die für ganz Europa von Bedeutung sind. Und genau deshalb sind sie für ausländische Geheimdienste interessant. Das weiss auch der Nachrichtendienst des Bundes (NDB): «Russland könnte kritische Infrastrukturen in der Schweiz sabotieren, die auch auf europäischer Ebene von grosser Bedeutung sind, um Mitgliedstaaten der EU und der Nato zu schaden», heisst es dort gegenüber RTS. Auch die Aargauer Polizei warnte kürzlich vor Spionageaktivitäten im Aargau.
Drohnen und Cyberangriffe
Die Bedrohung scheint real: Laut dem Bundesamt für Zivilluftfahrt hat sich die Zahl der Meldungen zu Drohnen im Vergleich zu 2024 fast verdoppelt. Im Oktober 2025 wurden einige Drohnen über strategischen Standorten im Aargau gesichtet. Ob es sich dabei um militärische oder zivile Fluggeräte handelte, ist schwer einzuschätzen.
Es sind aber nicht nur Drohnen, die als Bedrohung wahrgenommen werden können. Mittlerweile werden Konflikte und Kriege auch online ausgetragen. Das Bundesamt für Cybersicherheit registrierte in den letzten neun Monaten über 260 Angriffe auf kritische Infrastrukturen wie Behörden, Medien, Transportunternehmen, Finanzinstitutionen oder Spitäler.
«Die Schweiz erlebt eine beispiellose Häufung an Bedrohungen», heisst es beim NDB. Dort spricht man von den Folgen eines hybriden Krieges. «Die Operationen auf Schweizer Territorium sind zahlreich.» Gemäss früheren Berichten geht der NDB von rund 80 russischen Nachrichtendienstmitarbeitenden in der Schweiz aus.
Kritik am Bundesrat
Obwohl sich der Bund der Gefahr bewusst scheint, ist von Massnahmen derzeit kaum etwas zu spüren. Und das ruft die Politik auf den Plan. Die Waadtländer Mitte-Nationalrätin Isabelle Chappuis beispielsweise kritisiert den Bundesrat für sein Zögern, die Bevölkerung zu informieren.
Und auch die Geschäftsprüfungsdelegation kritisierte kürzlich, dass es bei steigendem Risiko einen erheblichen Handlungsbedarf gebe. Es gebe zu wenig konkrete Abwehrmassnahmen und ausländische Spione würden nur in Einzelfällen ausgewiesen. (vro)
