Schweiz
International

Iran-Krieg: Was Reisende jetzt wissen müssen

Fliegen trotz Krise: Nicht alle Länder und Gesellschaften sind betroffen.
Fliegen trotz Krise: Nicht alle Länder und Gesellschaften sind betroffen.Bild: Getty Images

Fliegen in der Krise – 8 wichtige Fragen vor deinen Ferien

Die Iran-Krise macht vielen Reiseplänen einen Strich durch die Rechnung. Das müssen Sie jetzt wissen.
24.03.2026, 05:0124.03.2026, 05:01

Die Frühlingsferien stehen an, die Sommerferien wollen gebucht werden. Doch die Iran-Krise sorgt für Verunsicherung: Welche Länder sind noch sicher? Und wie sieht es mit bereits gebuchten Ferien aus? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Kann ich meine Reise umbuchen?

Beim Reiseveranstalter Tui bietet man derzeit keine Reisen in Länder mit einer Reisewarnung des Aussendepartements (EDA) an. Das betreffe die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar, Bahrain, Saudi-Arabien, Jordanien, Kuwait und Oman mit Reisebeginn bis 7. April. Betroffene Gäste könnten gebührenfrei zum aktuellen Preis umbuchen oder gebührenfrei stornieren. Ähnliche Regeln gibt es beim Veranstalter Dertour, der derzeit ein «deutlich erhöhtes Anfragevolumen» seitens der Kundschaft verzeichnet.

Die Nachfrage verlagere sich in der Regel auf andere Reiseziele, sagt Tui-Sprecherin Sonja Ptassek – aktuell beispielsweise auf die Kanaren oder in die Karibik. Andere würden ihre bereits geplanten Ferien in der Golfregion in den Herbst verschieben. Einen Zuwachs sieht Tui auch bei Pauschalreisen, weil diese zusätzliche Absicherung bieten. Gefragt sind dabei besonders klassische Mittelmeerziele wie Griechenland und Spanien. Beim Konkurrenten Dertour, der hierzulande die Kuoni- und Hotelplan-Reisebüros betreibt, sind Spanien, Italien oder Frankreich sowie die Kanaren hoch im Kurs, neben weiter entfernten Destinationen wie der Karibik oder Mauritius. Bei Reisen nach Asien würden viele an ihren Plänen festhalten, aber vermehrt alternative Routen oder Direktverbindungen wählen.

Was wird jetzt gerade nachgefragt?

Das Vergleichsportal Skyscanner hat die Suchabfragen aus der Schweiz für die bevorstehenden Osterferien ausgewertet. In den Top-10-Destinationen sind – wenig überraschend – keine Ziele im Nahen Osten zu finden. Hoch im Kurs sind derweil Barcelona, Amsterdam, London, Istanbul, Lissabon, Malaga, Madrid, Marrakesch und Neapel.

Wieso können Airlines nicht einfach neue Routen fliegen?

Um neue Routen aufnehmen zu können, müssen drei Voraussetzungen gegeben sein.

Erstens braucht es an beiden Flughäfen Zeitfenster für Start und Landung, sogenannte Slots. Diese müssen mit einer gewissen Vorlaufzeit bei den jeweiligen Behörden beantragt werden. Bei stark ausgelasteten Flughäfen sind diese nicht immer verfügbar – oder nur zu ungünstigen Zeiten, was sich negativ auf die Nachfrage auswirkt.

Zweitens regeln Luftverkehrsabkommen, wie viele Flüge zwischen zwei Ländern durchgeführt und welche Orte angeflogen werden dürfen. Mit der EU hat die Schweiz ein Abkommen abgeschlossen, das den freien Zugang vorsieht. Mit anderen Ländern wurden kompliziertere Verträge verhandelt: So dürfen Schweizer Airlines etwa nur drei Städte in China bedienen. Wenn diese Abkommen ausgereizt sind, müssten sie von der Politik neu verhandelt werden – ein langwieriger Prozess.

Drittens fordert die Inbetriebnahme einer neuen Strecke viel Vorbereitung: Es braucht Flug- und Einsatzpläne, neue Routen müssen beworben und Verträge mit den Dienstleistern vor Ort, etwa für die Betankung, abgeschlossen werden. Innert weniger Wochen eine neue Langstrecken-Route aufzulegen, ist deshalb fast unmöglich. Verstärkungsflüge auf bestehenden Routen sind einfacher umzusetzen.

Wohin geht es ohne Probleme in die Ferien?

Airlines sind sich gewohnt, auf Krisen zu reagieren. Abgesehen von Flügen in die Krisenregion bieten sie weiterhin fast alle Direktflüge an, auch nach Asien. Teilweise müssen allerdings Umwege geflogen werden, was sich auf die Flugdauer und den Preis auswirkt. Die Swiss fliegt etwa von Tokio nach Zürich manchmal über den Nordpol. Flüge innerhalb Europas, nach Nord- und Südamerika oder Afrika wiederum finden wie gewohnt statt.

Andere Verkehrsmittel wie die Eisenbahn sind ohnehin nicht von der Krise betroffen. Die SBB bauen ihr internationales Angebot stark aus. Im Sommer gibt es etwa einen Direktzug von Zürich nach Rimini an der italienischen Adria, und auch nach Deutschland fahren mehr Direktzüge. Dieses Jahr fahren beispielsweise erstmals ICE-Züge aus dem Wallis nach Köln und Hamburg.

Das auf Frühwarnungen spezialisierte Portal Safe Airspace liefert auf seiner Risiko-Karte eine Einschätzung zur Sicherheitssituation in allen Ländern. Nach den Angriffen auf Ziele im Iran wurde Israel etwa auf die Risikostufe 1 (Rot) angehoben. Oder in anderen Worten: Dorthin sollten Airlines «nicht fliegen».

Wer profitiert vom Chaos?

In den vergangenen Jahren gehörten die Golfairlines zu den Krisen-Gewinnern: Sie sahen sich nicht an Russland-Sanktionen gebunden und bauten ihr Geschäft mit dem Land zum Teil stark aus. Auf Flügen etwa an die US-Westküste profitierten sie davon, den russischen Luftraum weiterhin nutzen zu können – genauso wie chinesische Airlines auf ihren Flügen nach Europa. Das ermöglicht oft kürzere Routen und einen günstigeren Betrieb im Vergleich zu den europäischen Gesellschaften.

Von der Krise der Golfairlines könnten nun die europäischen Fluggesellschaften profitieren, wie jene des Lufthansa-Konzerns, zu dem auch Swiss und Edelweiss gehören. Lufthansa-Chef Carsten Spohr vermeldete jüngst einen deutlichen Buchungsanstieg von Direktflügen nach Asien. Weil die Alternativen – also Flüge mit Golfairlines mit Umstieg etwa in Dubai oder Abu Dhabi – wegfallen, konnte er zudem die Preise erhöhen. Der Konzern hat diverse Zusatzflüge nach Asien aufgelegt. Auch die Swiss fliegt – vorerst während einer Woche – häufiger nach Indien.

Ein Flugzeug steigt nach dem Start vom Flughafen Zuerich in den bewoelkten Himmel, fotografiert am Dienstag, 3. Maerz 2026 in Kloten. (KEYSTONE/Gaetan Bally)
Wegen der Iran-Krise müssen viele Flüge abgesagt oder umgeleitet werden.Bild: KEYSTONE

Wie dauerhaft diese Effekte sind, bleibt abzuwarten. Aviatik-Fachmann Heinrich Grossbongardt sagt dem «Spiegel», dass die Lufthansa stark profitieren werde, sollte die Krise noch länger andauern. Das liege auch daran, dass das Image der Golfstaaten als sichere Länder Risse bekommen habe.

Welches sind die beliebtesten Flug-Destinationen?

Langstrecken-Destinationen machen an den meisten Flughäfen den kleineren Teil der Passagierzahlen aus. Flüge innerhalb Europas werden deutlich häufiger gebucht. Am Flughafen Zürich waren vergangenes Jahr die Flüge nach London, Berlin und Istanbul jene mit dem höchsten Aufkommen. Daran dürfte sich nichts geändert haben.

Die Zürcher Langstrecken-Hitliste führten 2025 New York, Dubai und Bangkok an. Während der Markt nach Dubai derzeit fast komplett eingebrochen ist, dürften Reisen in die US-Metropole und nach Thailand weiterhin stark gefragt sein.

Auch diesen Sommer ist das Langstrecken-Angebot ab der Schweiz in kein anderes Land so gross wie jenes in die USA. Swiss, Edelweiss, American Airlines, Delta und United führen teilweise über 20 Flüge pro Tag aus der Schweiz in die Vereinigten Staaten durch – Donald Trump hin oder her.

Wird Fliegen nun teurer? Oder billiger?

Tendenziell teurer. Die Airlines schlugen wegen der steigenden Kerosinpreise Alarm und warnten vor zusätzlichen Kosten in Höhe von Hunderten Millionen Dollar. Delta und American Airlines allein sprachen von Mehrkosten von je rund 400 Millionen Dollar im ersten Quartal.

Das wird Folgen haben, ist doch der Treibstoff nach den Personalkosten der zweitgrösste Ausgabenposten der Branche. Die Folgen dürften Preisanstiege sein, wie sie etwa Air France schon angekündigt hat.

Nicht alle Airlines werden von den Preisschocks gleichermassen getroffen. Laut Luftfahrt-Fachmann Heinrich Grossbongardt ist ein Teil des Kerosinbedarfs der Lufthansa für die nächsten Monate zu tieferen Preisen abgesichert. Der Konzern sei dadurch besser vorbereitet als die Konkurrenz.

Die Lufthansa, zu der auch die Schweizer Airline Swiss gehört, könnte zu den Gewinnern der Krise gehören.
Die Lufthansa, zu der auch die Schweizer Airline Swiss gehört, könnte zu den Gewinnern der Krise gehören.Bild: Imago

Droht noch weiteres Ungemach?

Ja. Die Fluggesellschaften könnten den Flugplan zusammenstreichen. Die skandinavische Airline SAS etwa hat laut einer schwedischen Wirtschaftszeitung wegen des «starken und plötzlichen Anstiegs» bei den Treibstoffpreisen nach ersten Annullationen im März für den April bereits 1000 Flugstreichungen bekannt gegeben.

Kerosin ist nicht nur teurer geworden, sondern droht auch knapp zu werden. Deshalb erarbeiten die Fluggesellschaften derzeit Notfallpläne, um auf mögliche Engpässe bei Kerosin zu reagieren, wie die «Financial Times» berichtet. Diese könnten sich bereits in den kommenden Wochen abzeichnen. (aargauerzeitung.ch)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Längster und kürzester Flug
1 / 4
Längster und kürzester Flug

Der kürzeste Flug dauert etwa 2 Minuten.

Auf Facebook teilenAuf X teilen
Stundenlange Wartezeiten an US-Flughäfen wegen Shutdown
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
9 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Turicensis
24.03.2026 06:43registriert Januar 2021
Gibt in Europa ganz schöne Ecken, die bequem mit dem Zug zu erreichen sind.
253
Melden
Zum Kommentar
9
Blackrock-Fink und Roche-Hoffmann bleiben: Kein Führungswechsel beim WEF
An der Spitze des Weltwirtschaftsforums (WEF) soll es keine weiteren personellen Änderungen geben.
WEF-Co-Chef André Hoffmann sagte der «Süddeutschen Zeitung», das Entscheidungsgremium habe bei Larry Fink und ihm den Zusatz «interimistisch» gestrichen:
Zur Story