Schweiz
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Natalia Koza

Natalia «Koza» Sokol und ihr Ehemann Oleg «Wor» Worotnikow. Bild: watson/Petar Marjanovic

«Die Schweiz war das einzige Land, das mir helfen wollte»

Der russischen Künstlerin Natalia Sokol droht eine Gefängnisstrafe, wenn sie in das Land zurückkehrt, für dessen Freiheit sie mit Kunst und Aktionen kämpft. Im Interview erklärt sie, was Russland für sie ist und was sie den Schweizer Frauen rät. 



Natalia, du widmest deinen Kampf der «Freiheit Russlands». Wie beschreibst du dein Land?
In Russland haben wir viele innenpolitische Probleme. Sie werden entweder gar nicht oder nur sehr langsam gelöst. Die Polizei überschreitet etwa ihre Rechte gegenüber dem Volk. Grundlegende politische Rechte wie die Rede- und Versammlungsfreiheit werden stark beschränkt. Die Rechtspflege ist nicht unabhängig.

Führst du deinen Kampf deshalb auf kulturellem und nicht auf parlamentarischem Weg?
Unsere Aufgabe ist es, die Bevölkerung zu wecken, die bis jetzt wegen der Innenpolitik unzufrieden war, jedoch nichts dagegen unternahm. Mit unseren Aktionen zeigten wir, dass das System veränderbar ist. Wir veränderten mit unserem Engagement die politische Sprache und schafften in der Bevölkerung ein Bewusstsein dafür, dass man etwas sagen und auf die Strasse gehen kann. Mit Erfolg.

Du willst Russland jetzt verlassen. Gibt es noch etwas, dass du an Russland liebst? War Russland für dich einmal in Ordnung?
Ich war immer glücklich, wenn ich in Russland war. Ich vermisse die kulturelle Seite von Russland. Nach der Verfolgung und der Repression meines Landes sehne ich mich jedoch nicht. 

Natalia Koza

Koza bei einer Verhaftung in St.Petersburg. Bild: natalia Koza/zvg

Natalia Koza

Auf der Flucht gebar sie ohne ärztliche Hilfe ein Kind. bild: koza/zvg

Die Reaktion Russlands auf deinen Aktivismus im Zusammenhang mit Voina war Repression. Du wirst in Russland von der Polizei gesucht und dir drohen Gefängnisstrafen. Nun suchst du Asyl in der Schweiz. Wie bist du hierher gekommen?
Wir haben viele Freunde in ganz Europa angeschrieben. Die Schweiz war das einzige Land, das uns helfen wollte. Unsere Freunde vom Dada-Haus Cabaret Voltaire antworteten auf unsere Anfrage mit «Komm her, wir werden dir helfen». Sie luden mich als Künstlerin ein und ermöglichten mir so einen vorläufig legalen Aufenthalt und den Schutz vor der Strafverfolgung. 

Mann von Natalia Koza

bild: natalia koza/zvg

Du wirst dein drittes Kind wahrscheinlich in der Schweiz zur Welt bringen, in einem Spital, nicht als Hausgeburt. Freust du dich darüber?
Ja sicher. Und ich hoffe sehr, dass ich dann mit meiner ganzen Familie zusammen sein kann. Es ist jedoch zu früh, um zu entscheiden, ob ich mir längerfristig hier ein neues Leben aufbauen möchte. So was muss man Schritt für Schritt klären.

Du willst hier das politische Asyl beantragen. Wie sind die Chancen?
Ich will in erster Linie meine Freiheit und die Zukunft meiner Kinder sichern. Weil der Asylstatus mich in meinen politischen Aktivitäten einschränken würde, möchte ich in erster Linie in der Schweiz eine Aufenthaltsbewilligung beantragen. Ob mir dies gelingt, weiss ich nicht. Ich werde dies mit einem Anwalt klären müssen. Dass ich politisch verfolgt werde, liegt jedoch auf der Hand. Deswegen hoffe ich, dass die Schweiz mein Gesuch individuell prüft.

Das Leben der Natalia Sokol in Bildern

Einige politische Kreise würden sagen, dass ein positiver Entscheid auf ein Asylgesuch einer Kreml-kritischen Künstlerin nicht mit der Neutralität vereinbar wäre. 
Ich würde ihnen sagen: Ich werde politisch verfolgt. Seid auch in meinem Fall neutral und stellt euch zumindest auf die Seite derjenigen Menschen, die verfolgt werden.

Wenn man sich politischen Protest von Künstlern aus Russland oder der Ukraine anschaut, da sind die Frauen sehr stark. Wir haben dich, wir haben Pussy Riot und Femen. Wie kommt es, dass vor allem Frauen Anführerinnen des Protests sind?
Die Frauen sind mutiger. Um ihre Kinder zu schützen, können sie persönlich auch mehr opfern. Ich empfehle auch den Frauen in der Schweiz, dass sie für ihre Rechte kämpfen. Wenn nicht sie selbst für ihre Anliegen einstehen, wer wird es sonst tun?

Korrigendum: In einer ursprünglichen Version des Textes stand, dass Natalia Sokol international gesucht wird. Das stimmt nicht. Die russische Polizei sucht lediglich in Russland nach ihr. (pma)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Angelo C. 29.04.2015 16:51
    Highlight Highlight Marjanovic : Statt deine herzige Knigge-Beratung einfliessen zu lassen: Viel besser wäre es gewesen, meinen Text nicht zu zerstückeln und so aus dem Zusammenhang zu reissen. Wenn du, oder andere, meine Vormeldungen hier nochmals durchlesen (Bemerkungen über Altkanzler Schmidt und seine Aussagen zum Verhalten der EU etc), dann sieht man auch ohne Brille, dass ihr offenbar zuletzt zwei Postings von mir textlich versehentlich oder technisch bedingt vermischt habt. Das meiner letzte meiner vorangehenden Postings macht mir jedenfalls keinen zusammenhängenden Eindruck, was ich euch ja auch im direkten Anschreiben kommuniziert habe.
    Zudem hätte es unten an Philippe Meiers letztes Statement angehängt gehört (und nicht zuoberst als Neumeldung), denn ihm galt ja auch diese nun zerhackt präsentierte Antwort. Aber sei's drum, ich habe meiner generellen Meinung zu diesen russischen Paradiesvögeln - im Ganzen betrachtet - nichts mehr hinzuzufügen. Und halte die Klappe :-)!
    • philipp meier 29.04.2015 17:29
      Highlight Highlight sorry, habe deine nachricht (scheinbar) zu spät gesehen. peace!
  • Angelo C. 29.04.2015 15:25
    Highlight Highlight Nichts gegen eure Plattform, über deren Inhalte ihr auch naturgemäss in eigener Regie entscheidet :-)! Ich habe lediglich meine ganz persönliche Meinung zu all den zum Teil doch fragwürdigen Auswanderern aus Russland berufen, deren stereotyper Grund stets die "schrecklichen Zustände im Lande" sind. Manchmal wäre es für sie hilfreicher, die Klappe zu halten, zumal wenn es Das Werben der EU um die Ukraine mit «idiotischen Angeboten» etwa nannte er «geopolitische Kinderei.» Und zur Frage, ob Putin gefährlich sei, fiel ihm ein, dass er sich nicht so sicher sei, ob die USA wirklich ungefährlicher seien als Russland. Ein Kriegstreiber sei Putin jedenfalls nicht. um ganz persönliche Straftaten geht, die man dann halt überall zu verantworten hat. Bei deinem letzten Satz stimme ich dir aber doch zu, sehr grosszügig ist man in Russland mit abweichenden Meinungen unbestritten nicht...
    • Petar Marjanović 29.04.2015 16:10
      Highlight Highlight Genau so, wie du hier Dampf ablässt, sollst du den Exilrussen die Freiheit geben, zu reden. Aussagen wie «Klappe zu halten» sind nicht so die feine Art, mein Liebster.
    • Bowell 29.04.2015 16:19
      Highlight Highlight Genau, mein liebster Angelo C. Was fällt Dir denn eigentlich ein hier deine Meinung mit Worten kundzutun? Da gibts andere Möglichkeiten, wie z.Bsp. Sachbeschädigung oder gewalttätiger Protest. Das ist viel, viel besser und mit ein wenig Glück landest Du per Push auf meinem Startbildschirm. Viel Erfolg!
    • Angelo C. 29.04.2015 18:21
      Highlight Highlight Bowell : ich sehe, du hast mich rundum verstanden ;-)!

      Philippe Meier : Kein nationales Unglück, lassen wir es dabei bewenden. War offenbar ein Versehen bei WATSON, auch der unzusammenhängend zusammengewürfelte Text, bestehend aus zwei verschiedenen Meldungen meines letzten Posting an dich. Wir werden es aber alle überleben und ich danke dir für deine Bemühungen.

      Fall abgeschlossen....
  • Angelo C. 29.04.2015 12:42
    Highlight Highlight Solche Leute, die mutwillig und gegen ihre Eigenverantwortung handeln, haben kein Anrecht auf Aufnahme. Sie hat mehrfach auch gegen klar strafrechtlich relevante Gesetze verstossen, dies in einem Land wo bekanntlich 85% der Bevölkerung nun auch in schlechteren Zeiten hinter ihrem Präsidenten stehen. Die Opposition ist derzeit also eine quantité négligable, auch wenn uns die westlich orientierte Presse gerne vom Gegenteil überzeugen möchte und alles hochspielt, womit sie ihr vorgegebenes Feindbild alimentieren will. Dass "die Schweiz das einzige Land sei, das sie aufnehmen wolle" spricht weder für sie noch für die Schweiz, zumal ihre Auswanderung nebenbei überdies auch wirtschaftliche Gründe haben mag. All diese russischen Berufsrevoluzzer wie Pussy Riots oder Femen wirken eher unsympathisch und gesucht provokativ , sie sind mehrheitlich reine Selbstdarstellerinnen und sollen demzufolge die Konsequenzen für ihr handeln auch selbst tragen.
    • philipp meier 29.04.2015 13:40
      Highlight Highlight dann ist es halt ein total unglücklicher zufall, dass in russland immer wieder kritische journalisten und oppositionspolitiker ermordet werden oder im gefängnis landen und dass jeglichen kundgebungen im keim erstickt werden. sind ja eh alle selber schuld. sie wissen ja, was ihnen blüht. weshalb wehren sie sich dann? *ironie aus*
    • Angelo C. 29.04.2015 13:57
      Highlight Highlight Meier : Soviel man weiss, wurde SIE keineswegs mit dem Tod bedroht, sondern sollte für reguläre Vergehen zur Verantwortung gezogen werden. Und wenn man euren ersten Artikel von euch gestern genauer las, die Fotos dieser Familie betrachtete, so war dem unvoreingenommenen Leser schon einiges klarer. Und wenn du dich schon in bekannter linker Pressemanier zur Ermordung russischer Intellektueller äusserst, so konnte bisher in keinem Falle eine eindeutig und DIREKTE Verantwortung der Regierung nachgewiesen werden. Tatsache dagegen ist, dass solche "Künstler" wie diese Dame, aber auch tanzende Halbnackte in orthodoxen Kirchen wie Pussy Riot oder diese unsäglichen Femen, die sich überall wohllüstig produzieren, auch bei weiten Kreisen der Bevölkerung und regierungstreuen Schichten nicht unbedingt beliebt sind. Allerdings bleibt die berechtigte Frage, dass wenn man Steuerhinterzieher, Betrüger und Geldwäscher wie einen Chodorkowski hierzulande willig aufnimmt (weil er noch einige hundert Mio. auf CH-Konten abgestellt hat), ob man dann solche "Künstler" abweisen sollte. Dennoch votiere ich klar dafür, zumal es nicht von ungefähr kommen mag, dass "niemand sonst sie aufnehmen wolle" , wie sie treuherzig und offen selbst bekundet.
    • philipp meier 29.04.2015 14:12
      Highlight Highlight finde den fehler: institutionen einer regierung (staatsanwaltschaft, polizei, etc.) sollen nachweisen, dass die regierung menschen umbringt.

      ich habe nirgends geschrieben, dass diese künstlerInnen und aktivistInnen in russland bei allen beliebt seien. es stimmt aber auch nicht, dass sie bei allen unbeliebt sind.
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