Rekordjagd der US-Börse: Dieser Krisen-Indikator war nur 1 Mal in 150 Jahren höher
An der US-Börse zeigt sich schon seit Jahren eine seltsame Parallelität der Ereignisse. Einerseits sind da die Indizes zu den Börsenkursen, die von Rekord zu Rekord eilen. Trotz aller Zölle von Trump. Trotz Iran-Krieg. Trotz steigender Energiepreise. Trotz wieder steigender Inflation. Nichts kann sie aufhalten. So hat der S&P ein neues Allzeithoch erreicht.
Andererseits steigen auch jene Indikatoren immer höher, die eine Übertreibung signalisieren, ein baldiges Ende des Booms oder gar einen Crash. Der gruseligste Indikator aus diesem Kabinett des Grauens war bisher jener des Nobelpreisträgers Robert Shiller. Dessen KGV-Indikator setzt Kurse und Gewinne in ein Verhältnis: Je höher die Aktienkurse im Verhältnis zu den Gewinnen, desto schauriger ist das Bild.
Dieser Indikator liegt aktuell nur noch zwei Punkte tiefer als um die Jahrtausendwende herum, als die Investoren während des Internet-Hypes den Sinn für die Relationen verloren. Sonst lag dieser Index nie höher. Nie in den letzten 150 Jahren. Nicht einmal im Boom der 1920er-Jahre. Nie.
Eine Zugabe ins Kabinett des Grauens kam diese Woche von der UBS, wie die «Financial Times» berichtet. Laut UBS haben noch nie so wenige Unternehmen in bedeutendem Ausmass zum S&P500 beigetragen wie jetzt. In normalen Zeiten sind es ungefähr 100 – zurzeit 42. Nur gerade fünf Unternehmen haben die Hälfte zum jüngsten Höhenflug beigetragen – allesamt Tech- und KI-Konzerne.
«Der S&P 500 wird von einer kleinen Anzahl ausserordentlich profitabler Technologieunternehmen dominiert», beschreibt Torsten Slok das gleiche Problem auf andere Weise. Der Chefökonom beim Vermögensverwalter Apollo sagt deshalb gar:
Die «grosse Verengung» nennt das die «Royal Bank of Canada» und zeigt zur Illustration dies: Einen schmalen Pfad in den Bergen, auf beiden Seiten steil abfallende Hänge.
So weit, so schaurig. Doch der Börsenboom hat bisher nicht nur Trumps Zölle überstanden, seinen Krieg im Iran, steigende Energiepreise und Inflation. Er hat auch alle Warner regelrecht überfahren. Sich gegen diesen Boom zu stellen, war in den vergangenen Jahren genauso gruselig wie alle Warnsignale aus dem Horrorkabinett der Krisen-Indikatoren. (aargauerzeitung.ch)

