Schweiz
International

Die neusten Entwicklungen zum Hantavirus: Deutsche weiter in Klinik

epa12937796 A general view of the University Hospital Duesseldorf in Duesseldorf, Germany, 07 May 2026. According to Prof. Torsten Feldt, Head of the Division of Tropical Medicine at the Department of ...
Nach Angaben eines Düsseldorfer Kliniksprechers gibt es keine Hinweise auf eine Infektion bei der Person aus Deutschland.Bild: keystone

Deutsche Kontaktperson weiter in Klinik: Die neusten Entwicklungen zum Hantavirus-Ausbruch

08.05.2026, 11:1608.05.2026, 15:43

Der Hantavirus-Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff «Hondius» mit drei Todesfällen beschäftigt Gesundheitsbehörden und Mediziner in mehreren Ländern. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurden inzwischen fünf Hantavirus-Infektionen nachgewiesen, hinzu kommen Verdachtsfälle.

In Deutschland wird an der Uniklinik Düsseldorf (UKD) eine Passagierin untersucht, die neben zwei kranken Crew-Mitgliedern ausgeflogen worden war. Laut niederländischen Behörden ist es eine 65-jährige Frau.

Das sind die neusten Entwicklungen.

Medizinische Abklärung in Klinik hält an

Das Hantavirus konnte in den Laboruntersuchungen bei der Kontaktperson nicht nachgewiesen werden, teilte die Uniklinik Düsseldorf mit. Die Ergebnisse der umfangreichen virologischen Untersuchungen deuteten bisher nicht auf eine Infektion hin. Die Person sei in einer stabilen klinischen Verfassung.

Weil die Inkubationszeit des Erregers aber sehr variabel sei und das Auftreten von Symptomen mehrere Wochen dauern könne, seien weitere Kontrollen und eine klinische Beobachtung erforderlich, hiess es weiter. Die Schutzmassnahmen an der Uniklinik Düsseldorf würden deshalb weiterhin aufrechterhalten.

Drei Tote auf dem Schiff

Bei dem Ausbruch starben bislang drei Menschen, ein älteres Ehepaar aus den Niederlanden sowie eine Frau aus Deutschland. Nach Angaben des niederländischen Aussenministeriums soll die 65-jährige Deutsche, die nun in der Uniklinik ist, in engem Kontakt mit der deutschen Frau gestanden haben, die laut Reederei am 2. Mai an Bord starb. Die Uniklinik äusserte sich bisher nicht genauer zu der Kontaktperson, die am späten Mittwochabend aufgenommen worden war.

WHO sieht eine «ernste Lage»

«Dies ist eine ernste Lage, aber die WHO betrachtet das Risiko für die öffentliche Gesundheit als gering», sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Donnerstag in Genf. «Dies ist nicht der Beginn einer Pandemie», betonte die amtierende Nothilfekoordinatorin, Maria van Kerkhove. Ein Vergleich mit dem Start der Corona-Pandemie vor sechs Jahren sei nicht angebracht.

Unterdessen teilten die niederländischen Gesundheitsbehörden mit, dass eine Stewardess, die engen Kontakt mit der am Virus gestorbenen älteren Frau hatte, nicht infiziert sei. Ein Test sei negativ. Das bestätigte auch die WHO.

Die Flugbegleiterin hatte sich in Johannesburg in Südafrika um die niederländische Frau gekümmert, die nach ihrem Aufenthalt auf der «Hondius» mit einem KLM-Flug zurück nach Amsterdam fliegen wollte. Die Crew hatte sie aber wegen ihres Gesundheitszustandes aber nicht mitgenommen. Einen Tag später starb sie im Krankenhaus.

Zuvor war bereits ihr Mann auf dem Schiff an dem Virus gestorben. Die Stewardess war am Mittwoch mit Symptomen in ein Krankenhaus in Amsterdam eingeliefert worden.

«Der Mensch ist ein Fehlwirt»

Der Experte Martin Eiden vom Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) erläuterte im «Morgenecho» auf WDR5, beim Hantavirus sei ausschliesslich im Fall des sogenannten Andes-Typs eine Übertragung von Mensch zu Mensch möglich. Und auch bei diesem Virus-Typ seien weltweit bisher nur wenige Fälle bekanntgeworden.

Das Risiko, einer Mensch-zu-Mensch-Übertragung sei generell als sehr gering einzuschätzen, sagte Eiden. Sie seien bislang nur selten - so etwa im Jahr 1995 und 2018 in Argentinien - beobachtet worden. Dort gibt es das Andes-Virus.

Bei anderen Hantaviren sei der Mensch ein «Fehlwirt», erläuterte der Fachmann. Der Mensch könne sich mit dem Virus infizieren, es aber nicht weitergeben.

Auf dem Kreuzfahrtschiff «Hondius» sind mehrere Infektionen mit dem Hantavirus bestätigt, nach WHO-Einschätzung handelt es sich um den Andes-Typ. Der WHO zufolge wurde der Andes-Typ bislang ausschliesslich in den argentinischen Provinzen Chubut, Río Negro und Neuquén sowie im Süden von Chile registriert.

Schiff ist unterwegs nach Teneriffa

An Bord der «Hondius» zeigt nach Angaben der WHO derzeit niemand Symptome einer Infektion. Das Schiff hat von den kapverdischen Inseln kommend Kurs auf Teneriffa genommen, dort sollen alle knapp 150 Menschen noch an Bord untersucht und getestet werden. Unklar ist bislang, wie danach die Heimreise organisiert wird.

29 Passagiere hatten das Kreuzfahrtschiff bereits am 24. April auf der britischen Insel St. Helena im Süden des Atlantischen Ozeans verlassen. Das war den Angaben zufolge gut zehn Tage vor der Bestätigung des ersten Hantavirus-Falls. Forscher in Argentinien sollen nun die Frage nach dem Ursprung der Infektionen klären. In Ushuaia ganz im Süden des Landes, wo die «Hondius» am 1. April in See gestochen war, sollen Nagetiere eingefangen und auf das Virus untersucht werden, wie die Regierung in Buenos Aires mitteilte.

Hantaviren werden üblicherweise durch infizierte Nager wie Ratten oder Mäuse übertragen. Das niederländische Paar, das die ersten Symptome zeigte und später an der Infektion starb, war laut argentinischer Regierung bereits seit 2025 in der Region unterwegs gewesen.

In Deutschland kursiert der Puumala-Typ

In Deutschland kursiert Experte Eiden vom FLI zufolge vor allem der Puumala-Virustyp aus der Familie der Hantaviren. Es werde ausschliesslich über Ausscheidungen von infizierten Rötelmäusen auf den Menschen übertragen. Treffe man auf Ausscheidungsstaub - etwa in Garagen, Kellern oder Dachböden - solle man diese daher nur mit angelegter Atemmaske wegfegen, Kot immer mit Handschuhen wegschaffen, empfahl er. In den meisten Fällen verliefen Infektionen ohne Symptome, die Betroffenen bemerkten sie nicht einmal, berichtete er. Es sei hierzulande nur in wenigen Fällen zu schweren Erkrankungen gekommen, in der Regel bei vorerkrankten Patienten. (sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Uraltes Virus aus dem sibirischen Permafrostboden
1 / 10
Uraltes Virus aus dem sibirischen Permafrostboden
Permafrostboden in Sibirien – hier unter anderem nahmen die Wissenschaftler Proben, die uralte Viren enthielten.
quelle: jean-michel claverie/igs/cnrs-am
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Italien setzt Insektenschutzmittel gegen West-Nil-Virus ein
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
0 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Im Zollstreit mit den USA steht die nächste Runde an – niemand weiss, was Trump macht
Der amerikanische Präsident muss diese Woche entscheiden, wie hoch die Strafzölle auf Importe aus der Schweiz künftig ausfallen. Sein wichtigster Berater äussert sich im Vorfeld optimistisch.
Jamieson Greer ist ein beschäftigter Mann. Und dennoch fand der Handelsbeauftragte der amerikanischen Regierung am vorigen Freitag Zeit, einem Schweizer Betrieb einen Besuch abzustatten. Greer, ein enger Berater von Präsident Donald Trump, machte Halt in der Fabrik von Stadler Rail in Salt Lake City. Dort liess er sich nicht nur über die Expansionspläne des Bahnbauers informieren; Greer bekam auch Einblick in die Anstrengungen von Stadler Rail, eine Schweizer Spezialität in die USA zu exportieren: die Berufslehre.
Zur Story