Schweiz
International

Milizen-Chef im Sudan Mini Arko Minawi setzt auf die Schweiz

Wichtiger Milizen-Chef im Sudan-Krieg setzt auf die Schweiz – wir haben ihn getroffen

Seine Gegner verübten in seinem Herrschaftsgebiet Massaker, die selbst aus dem All sichtbar waren. Wie der Gouverneur von Darfur tickt – und warum er an einem Schweizer Friedensdialog teilnimmt.
03.04.2026, 21:2603.04.2026, 21:26
Julian Spörri
Julian Spörri

«Die Gräueltaten dauern an», sagt Mini Arko Minawi im Sitzungszimmer eines unscheinbaren Genfer Bürogebäudes. Links hinter dem Gouverneur der umkämpften sudanesischen Region Darfur hängt die Fahne des Sudans, in dem seit April 2023 ein Bürgerkrieg tobt; rechts die Flagge der Uno, die das Kriegsgeschehen nicht stoppen kann.

Ceremony for newly appointed Mini Arko Minawi as Governor of Darfur AL FASHIR, SUDAN - AUGUST 10: Former leader of Sudan Liberation Movement Mini Arko Minawi R speaks during a ceremony after he was ap ...
Mini Arko Minawi (rechts) in Darfur.Bild: www.imago-images.de

Spätestens mit der Eskalation im Nahen Osten ist der Krieg im Sudan komplett aus dem Fokus der Weltöffentlichkeit geraten. Dabei nimmt die Gewalt laut den Vereinten Nationen weiter zu. Und die humanitäre Situation bleibt katastrophal. Kein Winkel des Landes sei vor Angriffen sicher. Drohnenattacken und Luftschläge prägen zunehmend das Kriegsgeschehen, schreibt die Uno in einem aktuellen Lagebericht.

Nur einen exklusiven Kreis von Medienschaffenden empfängt Minawi im sudanesischen Konsulat, das zwischen SBB-Bahnlinie und Genfersee liegt. Stunden zuvor hatte er eine öffentliche Veranstaltung kurzfristig abgesagt, weil er in Gesprächen bei der Uno festsass. Die Journalisten werden in einem schwarzen Minibus zum Konsulat gebracht, dann geht es mit einem Warenaufzug in die dritte Etage. Bis der Gouverneur Zeit hat, warten sie auf Ledersofas, vor sich Erdnüssli auf dem Holztisch.

Von Anfang an am Schweizer Dialog dabei

Minawi ist eine der Schlüsselfiguren dieses Kriegs. In seinem Herrschaftsgebiet im Westen des Landes haben sich die paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF) ausgebreitet, die gegen das sudanesische Militär kämpfen. Hier verübten die RSF die Massaker von El Fascher, die Ende Oktober 2025 die Welt aufschreckten. Das Blut war sogar auf Satellitenbildern zu sehen. Eine Uno-Untersuchungskommission sieht «Anzeichen eines Genozids». Auch Minawi spricht von einem Völkermord. Er fordert die internationale Gemeinschaft auf, diesen zu verurteilen und zu verfolgen. Das ist diese Woche seine Mission in Genf.

Der 57-Jährige ist jedoch keine unabhängige Stimme. Er führt die grösste Fraktion der sudanesischen Befreiungsarmee – eine ehemalige Rebellengruppe, die mittlerweile an der Seite der sudanesischen Armee gegen die RSF kämpft. Als USA, Ägypten, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate letztes Jahr eine Waffenruhe vorschlugen, lehnte Minawi ab. Der Vorschlag spiele dem RSF in die Hände. Gleichzeitig betonen Beobachter: Seine Gruppierung trete im Krieg defensiv auf. Sie verteidige ihre Gebiete, ohne selbst zu expandieren.

Ceremony for newly appointed Mini Arko Minawi as Governor of Darfur AL FASHIR, SUDAN - AUGUST 10: Members of Sudan Liberation Movement attend the ceremony held after former leader of Sudan Liberation  ...
Angehörige der Miliz von Mini Arko Minawi.Bild: www.imago-images.de

Der Weg zu einem Frieden im Sudan führt nicht an Minawi vorbei. Das weiss auch die Schweiz: Seine Gruppierung nimmt seit Beginn des Krieges an einem informellen Dialog teil, den die Schweiz 2023 initiiert hat. Im sogenannten Nyon-Prozess versucht sie, die wichtigsten politischen und gesellschaftlichen Kräfte des Sudans an einen Tisch zu bringen.

Gespräche werden immer schwieriger

Zunächst wurde nicht kommuniziert, dass es solche Treffen gibt – so vertraulich war der Prozess. Die RSF und die sudanesische Armee sind nicht persönlich vertreten. Dafür zahlreiche Gruppierungen, die eine der beiden Seiten unterstützen, sowie Akteure dazwischen. Insgesamt sind bis zu 20 Gruppierungen beteiligt. Während anfangs vor allem tiefrangige Vertreter anreisten, nehmen inzwischen auch Generalsekretäre teil.

Die Schweiz schlägt jeweils Diskussionspunkte vor. Ziel ist es, Vertrauen aufzubauen, Verständnis zu schaffen und einen politischen Prozess zur Beendigung des Kriegs vorzubereiten. Es handelt sich also nicht um Friedensverhandlungen, sondern quasi um eine Vorstufe davon. Für einen formellen Prozess sind andere Player wie die Afrikanische Union und die Vereinten Nationen federführend.

Ende Oktober fand die fünfte und bislang letzte Runde des Nyon-Prozesses statt. Dass die Gruppierungen trotz der Massaker des RSF in El Fascher in die Schweiz flogen, gilt als positives Zeichen. Gleichzeitig werden die Gespräche zunehmend schwieriger – auch, weil die RSF im vergangenen Sommer eine eigene Regierung ausgerufen hat und eine Spaltung des Landes droht.

Eine Gruppe kündigte laut der Zeitung «Sudan Tribune» kürzlich ihren Rückzug aus dem Prozess an. Dies wegen Spannungen um die Frage, inwieweit islamistische Kräfte eingebunden werden sollen.

Präsident George W. Bush (re., USA) und Minni Minawi (SUD Sudan Liberation Movement Army) in Washington D.C. - (WAP20060725320)
Vor 20 Jahren traf sich Mini Arko Minawi, damals noch Rebellenleader, nach Abschluss eines Friedensabkommens im Sudan mit US-Präsident George W. Bush.Bild: IMAGO / UPI Photo

Zwischen Freundlichkeit und Härte

Minawis Gruppierung dagegen bereitet sich auf ein mögliches Treffen im Frühsommer vor. «Auch ein Weg von tausend Meilen beginnt mit dem ersten Schritt», sagt der Darfur-Gouverneur zum Nutzen des Nyon-Prozesses. Dieser sei nur einer von vielen Initiativen. Aber: «Die Schweiz ist ein wichtiges Land. Ich glaube, dass sie zum Frieden beitragen kann. Das entspricht ihrer Geschichte, denn sie war noch nie in einen Krieg verwickelt.»

Nach einer halben Stunde unterbrechen Minawis Gefolgsleute das Gespräch. Ein Fotograf macht eiligst Bilder. «Soll ich Sie oder die Kamera anschauen?», fragt der Gouverneur lachend – nur um Sekunden später einen Journalisten scharf zurechtzuweisen, der noch ein Handyfoto machen will.

Es bleibt der Eindruck eines Mannes, der sich jovial geben, aber ebenso kompromisslos auftreten kann. Freundlichkeit und Härte liegen nah beieinander. Wer mit ihm verhandelt, dürfte beide Seiten zu spüren bekommen. (aargauerzeitung.ch)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Massenproteste im Sudan: Präsident al-Baschir verhaftet
1 / 14
Massenproteste im Sudan: Präsident al-Baschir verhaftet
Ein Bild steht für den Widerstand gegen Langzeit-Diktator Omar al-Baschir. Die 22-jährige Alaa Salah peitscht die Demonstranten an.
quelle: lana haroun/@lana_hago
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Das ist gerade im Sudan los – erklärt in 90 Sekunden
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
0 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Kreta: Das Wetter spielt verrückt – das sind die Folgen für die griechischen Inseln
Wetter-Alarm in der Ägäis: Die Feuerwehr ist im Dauereinsatz, Flüge wurden gestrichen und der Fährbetrieb ist gestoppt.
Schwere Unwetter haben in Griechenland grosse Schäden verursacht und mindestens einen Menschen getötet. Besonders betroffen waren die südliche Ägäis und die Region um Athen. Zu Starkregen und Orkanböen kommt auch eine starke Belastung der Luft mit Saharastaub, wie der griechische Rundfunk berichtet.
Zur Story