DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Noch sei in der Schweiz kein Zulassungsgesuch für Molnupiravir eingegangen, schreibt der «Tages-Anzeiger». Im Gegensatz zu Impfungen könnte das Medikament rasch zugelassen werden.
Noch sei in der Schweiz kein Zulassungsgesuch für Molnupiravir eingegangen, schreibt der «Tages-Anzeiger». Im Gegensatz zu Impfungen könnte das Medikament rasch zugelassen werden.
Bild: keystone

Die wichtigsten Fragen und Antworten zur neuen «Wunderpille» gegen Covid

02.10.2021, 23:2303.10.2021, 00:03

Was ist passiert?

In den USA sprechen seit Freitag alle von Molnupiravir, «einer Art Wunderpille gegen Covid, die noch vor Weihnachten auf den Markt kommen soll», wie der «Tages-Anzeiger» schreibt.

«Die Studienergebnisse sind ermutigend: Von 385 behandelten Patienten, alles ungeimpfte Risikopatienten, mussten gerade mal halb so viele ins Spital (28) wie bei einer Vergleichsgruppe von 377 Personen, die lediglich ein Placebo erhielt.»
quelle: tages-anzeiger.ch

Die Zwischenresultate der Studie waren offenbar dermassen gut, dass sie so nicht fortgesetzt wurde. Denn es wäre gemäss Bericht ethisch nicht mehr vertretbar gewesen, der Hälfte der Patienten (in der Kontrollgruppe) nur ein Placebo zu geben.

«Eine Pille, die 50 Prozent der Spitaleintritte verhindert, ist natürlich super. Darauf haben wir alle gewartet.»
Huldrych Günthard, Leitender Arzt an der Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene am Unispital Zürich
quelle: tages-anzeiger

Wann hilft die Pille?

Damit Molnupiravir wirke, müsse die Behandlung innerhalb von fünf Tagen nach dem ersten Auftreten von Covid-Symptomen begonnen werden. Offenbar brauche es 40 Tabletten pro Patientin und Patient; «diese müssen während fünf Tagen je zweimal vier Tabletten einnehmen.»

Das scheint auch der grosse Haken zu sein. Huldrych Günthard, Leitender Arzt an der Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene am Unispital Zürich, gab gegenüber dem «Tages-Anzeiger» eine Einschätzung ab und meinte, dann müssten Patienten grundsätzlich früher kommen.

«Meistens kommen aber die Menschen viel später zu uns ins Spital. Einerseits warten die an Corona Erkrankten oft zu lange, und andererseits sind zum Teil auch die Hausärzte oder Spitäler eher zögerlich, uns Patienten zuzuweisen.»
quelle: tages-anzeiger.ch

Sicher erscheint schon heute: Die neue Pille wird die Covid-Impfungen nicht ersetzen können (siehe unten).

Was ist mit Nebenwirkungen?

Bei den Tests seien kaum Nebenwirkungen aufgetreten, heisst es. Jedenfalls hätten mehr von den Patienten, die ein Placebo erhielten, über Nebenwirkungen geklagt, als von jenen, denen tatsächlich Molnupiravir abgegeben worden war.

Hilft die Pille gegen alle Virus-Varianten?

Ja.

Da die Studie weltweit angelegt war, hat sich laut Bericht gezeigt, dass das Medikament gegen alle gängigen Covid-Varianten wirke – also gegen Gamma, Delta und Mu.

Wer hat's erfunden?

Erfunden hat Molnupiravir die US-Pharmafirma Ridgeback Biotherapeutics, die ihren Sitz in Miami, Florida, hat und 2016 gegründet wurde. Der US-Konzern Merck wird die Pille laut Bericht weltweit produzieren und vertreiben.

Der Pharmakonzern Merck hat am Freitag (1. Oktober 2021) angekündigt, dass er in Kürze die Gesundheitsbehörden in den USA und auf der ganzen Welt ersuchen werde, die Verwendung seines experimentellen Medikaments gegen Covid-19 zu genehmigen.
Der Pharmakonzern Merck hat am Freitag (1. Oktober 2021) angekündigt, dass er in Kürze die Gesundheitsbehörden in den USA und auf der ganzen Welt ersuchen werde, die Verwendung seines experimentellen Medikaments gegen Covid-19 zu genehmigen.
Bild: keystone

Was kostet es?

Momentan sei von Kosten von etwa 700 Franken die Rede, schreibt der «Tages-Anzeiger». Die beiden Herstellerfirmen Merck und Biotherapeutics hätten sich aber verpflichtet, das Medikament gemäss den gängigen Regeln der Weltbank an Länder in der Dritten Welt günstiger abzugeben.

Natürlich erscheine auf den ersten Blick eine Kur mit Molnupiravir viel billiger als ein Spitalaufenthalt oder eine Behandlung mit Antikörpern, die etwa 3000 Franken koste. Die Frage sei aber, wie breit das Medikament abgegeben werden müsse, sagte Huldrych Günthard vom Zürcher Unispital.

Auch wenn Chancen bestünden, dass solche neuen Medikamente kommen werden, sei die beste Massnahme für den Arzt immer noch die Covid-Impfung: Diese sei auf jeden Fall billiger als die neuen Medikamente und wirke hervorragend gegen schwere Krankheitsverläufe.

Wie geht's weiter?

Laut dem renommierten US-Immunologen Anthony Fauci könnte es sehr rasch gehen, denn offenbar wolle Merck eine Expresszulassung und die Studiendaten gleich der US-Behörde für Lebens- und Arzneimittel FDA weitergeben.

Wird Impfen überflüssig?

Nein.

Der US-Immunologe Fauci betonte, die Impfung sei nach wie vor nötig. Doch schienen die Börsianer davon auszugehen, dass der Druck auf die Ungeimpften nachlassen werde: Während sich die Aktien von Merck am Freitag um acht Prozent erhöhten, brachen die Titel der Impfstoffhersteller Moderna, Biontech, Pfizer und Novavax bis zu 20 Prozent ein.

Lukas Engelberger, der Präsident der Gesundheitsdirektorenkonferenz, sagte:

«Wenn ein Medikament einfach angewendet werden kann und den Krankheitsverlauf wirklich stoppt, könnte es längerfristig einen wichtigen Beitrag leisten. Vorerst aber haben wir nur die Impfung als einigermassen sicheres Mittel aus der Krise. Nur weil es ein Medikament am Horizont gibt, können wir es uns nicht leisten, nicht mehr mit aller Kraft zu impfen.»
quelle: tages-anzeiger.ch

Stellt das die Zertifikatspflicht infrage?

Mittelfristig ist das durchaus möglich.

Dazu meinte Andrea Büchler, Präsidentin der nationalen Ethikkommission im Bereich der Humanmedizin:

«Massnahmen wie die Zertifikatspflicht sind ein Eingriff in die privaten und die wirtschaftlichen Freiheitsrechte. Sie sind gerechtfertigt, um die Gefährdung des Gesundheitssystems abzuwenden. Ist eine solche Gefährdung nicht mehr gegeben, sind die Massnahmen zu überprüfen. Es wäre ein grosser Schritt, wenn ein Medikament dazu beitragen könnte, schwere Verläufe zu verhindern. Allerdings bleibt die Impfung der Königsweg aus der Pandemie, zumal sie Infektionen vermeidet. Der Nutzen der Impfung ist unbestritten.»
quelle: tages-anzeiger.ch

Quellen

(dsc)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das Coronavirus in der Schweiz – eine Chronologie

1 / 59
Das Coronavirus in der Schweiz – eine Chronologie
quelle: keystone
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

23 Gründe, wieso watsons sich impfen lassen haben

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Das steckt hinter den merkwürdigen Voicemail-SMS, die gerade Tausende Schweizer erhalten

Aktuell erhalten Schweizer Handy-User massenhaft Kurznachrichten mit schädlichen Links. Kriminelle versuchen, ahnungslose Opfer zur Installation eines E-Banking-Trojaners zu verführen.

Der brandgefährliche Android-Trojaner FluBot ist zurück. Kriminelle greifen derzeit gezielt Schweizer Handy-Nutzerinnen und Nutzer an. Hierzu versenden sie massenhaft Spam-SMS an hiesige Mobilfunknummern. In den Kurznachrichten ist jeweils von einem verpassten Anruf, beziehungsweise einer Sprachnachricht die Rede, die man abhören könne.

Android blockiert die Installation von Apps aus unbekannten Quellen. Nutzerinnen und Nutzer haben allerdings die Möglichkeit, diesen Schutzmechanismus manuell zu …

Artikel lesen
Link zum Artikel