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EU-Mitgliedstaaten wollen Beziehungen zur Schweiz stärken

EU-Mitgliedstaaten wollen Beziehungen zur Schweiz stärken

24.02.2026, 11:0024.02.2026, 14:55

Die Mitgliedstaaten der EU wollen die Beziehungen zur Schweiz stärken. Der Rat der EU soll am Dienstag grünes Licht für die Unterzeichnung des Paketabkommens mit Bern geben.

«Das Abkommenspaket wird unsere Kooperation erweitern», sagte die stellvertretende zypriotische Europaministerin, Marilena Raouna, bei ihrer Ankunft an dem Ratstreffen in Brüssel. Zypern hat derzeit den EU-Ratsvorsitz inne und leitet in dieser Rolle das Treffen. Der Entscheid, der die Europäische Kommission für die Unterzeichnung der Verträge mit Bern ermächtigen soll, gilt als Formsache.

Am Dienstag trafen sich die Europaminister und -ministerinnen der 27 EU-Mitgliedstaaten im Rahmen des Rats für allgemeine Angelegenheiten in Brüssel. Das Treffen wurde von Raouna geleitet, da ihr Land derzeit den EU-Ratsvorsitz inne hat.

epa12726072 Marilena Raouna, Deputy Minister for EU Affairs of Cyprus, speaks during a debate on urgent actions to revive EU competitiveness, deepen the EU single market, and reduce the cost of living ...
Marilena Raouna, stellvertretende zypriotische Europaministerin.Bild: keystone

«Die Schweiz gehört im Zentrum Europas auch in den Binnenmarkt hinein», sagte der deutsche Staatsminister Gunther Krichbaum in Brüssel vor dem Treffen. Es gelte nun, die Beziehungen zwischen der EU und der Schweiz auf eine neue Grundlage zu stellen. Wie Krichbaum unterstrichen auch andere Ministerinnen und Minister die Wichtigkeit der Beziehungen zur Schweiz.

Kommission will Partnerschaft vertiefen

Vor dem Ratstreffen betonten mehrere EU-Ministerinnen und -Minister die Wichtigkeit der Abkommen für die Beziehungen zur Schweiz. «Die Schweiz gehört im Zentrum Europas auch in den Binnenmarkt hinein», sagte etwa der deutsche Staatsminister Gunther Krichbaum. Es gelte, die Beziehungen zwischen der EU und der Schweiz auf eine neue Grundlage zu stellen.

epa12595723 German Federal Minister of State for Europe Gunther Krichbaum speaks to the media at the start of an EU General Affairs Council in Brussels, Belgium, 16 December 2025. EPA/OLIVIER HOSLET
Der deutsche Staatsminister Gunther Krichbaum.Bild: keystone

«Wir teilen gemeinsame Werte, was man in der heutigen Welt nicht mehr als selbstverständlich ansehen darf», sagte EU-Kommissar Michael McGrath, bei seiner Ankunft in Brüssel. Es handle sich um eine Partnerschaft, die geschätzt werde und vertieft sowie gestärkt werden müsse, fügte der Ire, der am Ratstreffen die Kommission vertrat, an.

«Baldige Unterzeichnung» der Verträge

Ein genaues Datum für die Unterzeichnung der Verträge zwischen Bern und Brüssel war zunächst nicht bekannt. In der Mitteilung war einzig von «März 2026» die Rede. Die CH-Media-Zeitungen berichteten am Donnerstag, dass Bundespräsident Guy Parmelin am 2. März nach Brüssel reise, um die Verträge zu unterzeichnen.

Bundespraesident Guy Parmelin spricht an einer Medienkoferenz zur Agrarpolitik 2030+ (AP30+), am Mittwoch, 18. Februar 2026, in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)
Bundespräsident und Bundesrat Guy Parmelin.Bild: KEYSTONE

«Wir werden das wahrscheinlich morgen offiziell bestätigen», sagte eine Kommissionssprecherin am Dienstag. Vergangene Woche sagte sie, dass sie auf eine «baldige Unterzeichnung hoffe». Parmelins Departement liess damals auf Anfrage verlauten, dass das Abkommenspaket voraussichtlich im ersten Quartal 2026 unterzeichnet werde.

EU-Parlament muss noch zustimmen

Nebst der Zustimmung für die Unterzeichnung gab der Rat auch seine grundsätzliche Zustimmung zum Abschluss, sagte eine EU-Diplomatin zur Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Das bedeute, dass der Rat auch der Ratifizierung zustimme, es sei denn, das Abkommenspaket würde inhaltlich geändert werden.

Damit die Ratifizierung auf EU-Seite vollendet ist, braucht es noch die Zustimmung des Europäischen Parlaments. Am Mittwoch wird sich der Ausschuss für auswärtige Angelegenheiten des Parlaments mit den Verträgen befassen. Ein Inkrafttreten sei aber einzig möglich, sobald die Schweiz ihre internen Verfahren abgeschlossen habe, schrieb der Rat in seiner Mitteilung weiter.

Darüber einigten sich Bern und Brüssel

Die neuen Verträge haben zum Ziel, die bilateralen Beziehungen zu stabilisieren und weiterzuentwickeln. Einerseits sollen bestehende Abkommen in den Bereichen Luft- und Landverkehr, des Handels mit Lebensmitteln, der gegenseitigen Anerkennung von Konformitätsbewertungen und der Personenfreizügigkeit aktualisiert werden.

Weiter soll die Teilnahme der Schweiz an den EU-Programmen sowie die regelmässigen Kohäsionszahlungen geregelt werden. Andererseits sieht das Paket neue Abkommen in den Bereichen Strom, Gesundheit und Lebensmittelsicherheit vor.

Die vertiefte Partnerschaft sieht auch im Rahmen der modernisierten und der neuen Abkommen einen Streitbeilegungsmechanismus vor. Zudem ist eine sogenannte dynamische Rechtsübernahme von EU-Recht durch die Schweiz vorgesehen. Diese soll gewährleisten, dass die Abkommen auch bei einer Rechtsentwicklung ihre Gültigkeit behalten. Bern könnte sich bei der Rechtsentwicklung innerhalb der EU einbringen.

Die Abkommen wurden zwischen Bern und Brüssel im Dezember 2024 zu Ende verhandelt. Der Bundesrat hiess das Vertragspaket im Juni 2025 gut. (hkl/sda)

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101 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Vinylfeel
24.02.2026 11:31registriert Mai 2023
Die einzigen die dagegen sind wissen wir ja.🌞
Was ist soo verdammt schwer für euch mit der EU auf einen gemeinsamen level zu arbeiten.
Es ist immer ein geben und nehmen.
5022
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Voraus denken!
24.02.2026 11:25registriert März 2022
Und unsere Rechtspopulisten-Truppe so:
Sie wollen uns, sie brauchen uns! Deswegen kommen sie daher gekrochen. Lasst sie uns abblitzen und dabei auch noch als schwach erniedrigen.

Dabei ist das Gegenteil der Fall! Die Schweiz kann alleine auf der Weltbühne nicht mehr bestehen. Wir brauchen Partnerschaft und dadurch Schutz und Stabilität mit der EU.
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