Schweiz muss Jahre auf Patriots warten – die Lastwagen sind aber schon bestellt
Die Schweiz hat laut der «NZZ am Sonntag» bereits eine Lastwagenflotte für das bestellte Patriot-Luftabwehrsystem beschafft.
Recherchen der Zeitung zeigten, dass 62 sechs- und achträdrige Trucks sowie vier Anhänger bestellt worden seien. Laut Armasuisse koste die Flotte einen zweistelligen Millionenbetrag, erste Prototypen seien bereits ausgeliefert und weitere Fahrzeuge «in Produktion».
Bundesrat Martin Pfister hatte erst am Freitag eingeräumt, dass die Schweiz noch ein halbes Jahrzehnt auf die Patriot-Systeme warten müsse. Die Schweiz wolle das US-System als wohl einziges Land auf Iveco-Fahrzeuge montieren.
Standardmässig liefern die USA das System auf einem Truck des Herstellers Oshkosh aus. Das seien achträdige Riesenlaster mit 500 PS, berichtet die «NZZ am Sonntag». Diese seien jedoch zu breit für die Schweizer Passstrassen. Die Golfstaaten und Rumänien hätten die Standardversion mit den Oshkosh-Trucks gewählt. Deutschland setze hingegen auf MAN-Trucks.
Sicherheitspolitiker kritisierten diese Sonderlösung – den sogenannten «Swiss Finish». «Wir müssen aufhören, auf teure Sonderlösungen zu setzen», sagte etwa die FDP-Nationalrätin Maja Riniker der Zeitung. «Ich bin grundsätzlich gegenüber einem Swiss Finish sehr skeptisch», sagt SVP-Nationalrat Michael Götte.
Die Beschaffung der Iveco-Fahrzeuge wird trotz der Verzögerung nicht gestoppt. Laut Armasuisse können die Lastwagen zwar auch anderweitig verwendet werden, bei einem Teil müssten dafür jedoch spezifische Anpassungen wieder entfernt werden. (sda/cma)
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