Schweiz
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A security guard poses for the photographer in front of the Swiss Embassy in Colombo, Sri Lanka, Monday, September 22, 2014. A media trip is organised by FDFA (Federal Department of Foreign Affairs) ten years after the tsunami in Sri Lanka. The end of 2004 will mark 10 years since tsunami struck the coast of South-East Asia and some parts of Africa. The tsunami struck the coast of Sri Lanka at 8.35 in the morning. More than 35'000 people died. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Ein Sicherheitsmann auf dem Areal der Schweizer Botschaft in Colombo (Archivbild). Bild: KEYSTONE

Botschaftsmitarbeiterin entführt – Krise zwischen Schweiz und Sri Lanka eskaliert weiter

In Colombo wurde eine Mitarbeiterin der Schweizer Botschaft entführt – offenbar, um Informationen über einen in die Schweiz geflüchteten Polizeioffizier zu erpressen. Aber jetzt dreht Sri Lankas Machthaber den Spiess um.

Henry Habegger / ch media



Es geschah am 25. November in Colombo, der Hauptstadt von Sri Lanka. Auf offener Strasse wurde einen lokale Angestellte der Schweizer Botschaft in einen Lieferwagen gezerrt und während zwei Stunden festgehalten. Laut Schweizer Aussendepartement EDA sollte die Frau «zur Herausgabe geschäftsrelevanter Informationen» gezwungen werden. Anscheinend wollten die Unbekannten von der Frau Informationen über den Polizeioffizier Nishantha Silva erpressen, der sich zuvor in die Schweiz abgesetzt und hier Asyl beantragt hatte.

Morde an Regimekritikern

Laut Medienberichten ermittelte der als integer geltende Nishantha wegen Verbrechen, die unter Präsident Mahinda Rajapaksa begangen wurden, der bis 2015 an der Macht war. Es ging unter anderem um Morde an Regimekritikern und Korruption bei Rüstungsgeschäften.

Former Sri Lankan president Mahinda Rajapaksa, left, and former Defense Secretary and his brother Gotabaya Rajapaksa wave to supporters during a party convention held to announce the presidential candidacy in Colombo, Sri Lanka, Sunday, Aug. 11, 2019. Nandasena Gotabaya Rajapaksa, who was a livewire in Sri Lanka's military campaign to end a long civil war but faces allegations of human rights violations, has been nominated as the opposition's candidate for the presidential election scheduled for later this year. (AP Photo/Eranga Jayawardena)
Gotabaya Rajapaksa,Mahinda Rajapaksa

Mächtiger Familienclan: Sri Lankas Präsident Gotabaya Rajapaksa (r.) und sein Bruder Mahinda, der von 2005 bis 2015 Präsident war. Bild: AP

Nachdem aber Rajapaksas ebenfalls mit Morden in Verbindung gebrachter Bruder Gotabaya am 16. November 2019 zum Präsidenten Sri Lankas gewählt wurde, blieb Ermittler Nishantha nur die Flucht - offenbar in die Schweiz. Er hatte zuvor Morddrohungen erhalten, sein Polizeischutz war trotzdem abgezogen worden. Die Schweiz nimmt die Entwicklung sehr ernst. Es handle sich um gravierende Vorfälle, sagt beispielsweise SP-Aussenpolitiker Fabian Molina.

Am Montag hatte Staatssekretärin Pascale Baeriswyl den sri-lankischen Botschafter, der in Berlin sitzt, ins Aussendepartement in Bern zitiert. Das EDA teilte danach mit, dass die Schweiz «ein rechtsstaatliches Verfahren zur Lösung des Falls» unterstütze, dass die Mitarbeiterin allerdings aus medizinischen Gründen nicht vernehmungsfähig sei.

Bundesrat Ignazio Cassis und Staatssekretärin Pascale Baeriswyl äussern sich vor den Medien zum Wechsel der Spitzendiplomatin. Sie wird Uno-Botschafterin in New York.

Staatssekretärin Pascala Baeriswyl und Aussenminister Ignazio Cassis. Bild: KEYSTONE

Die Schweizer Botschaft in Colombo erstattete nach dem Übergriff auf die Botschaftsangestellte in Sri Lanka Anzeige und forderte «eine rasche und lückenlose Aufklärung der Hintergründe».

«Illegaler Akt der Schweiz»

Kreise um Machthaber Rajapaksa drehen den Spiess jetzt aber um und greifen die Schweiz frontal an. Gestern meldete sich das National Joint Committee (NJC) zu Wort und warf der «Schweizer Botschaft und ihrer Regierung» vor, sie habe die Ausreise des Polizeioffiziers Nishantha erleichert und diesem Asyl gewährt. Das sei ein «rücksichtsloser und illegaler Akt».

epa08003529 Supporters of Sri Lanka's President-elect Gotabaya Rajapaksa celebrate in Colombo, Sri Lanka, 17 November 2019. Rajapaksa defeated ruling party's candidate Sajith Premadasa in the country's presidential election.  EPA/STR

Anhänger von Präsident Gotabaya Rajapaksa feiern dessen Wahlsieg am 17. November 2019. Bild: EPA

Das National Joint Committee ist die Dachorganisation der dominierenden singhalesischen Buddhisten in Sri Lanka. Auch die Rajapaksas sind singhalesischen Buddhisten. NJC wirft der Schweiz vor, die weigere sich, die Identität der entführten Mitarbeiterin preis zu geben und tue nur so, als würde sie bei der Aufklärung des Falls kooperieren. «Dies offensichtlich darum, weil eine Untersuchung das illegale Verhalten seitens der Schweizer Regierung bestätigen würde.»

Spiess umgedreht

Das Committee stellt sogar den Verdacht in den Raum, die Schweiz wolle die lokale Angestellte «gegen deren Willen aus Sri Lanka entfernen». Das sei der Grund, warum die Schweiz bei den sri-lankischen Behörden beantragt habe, die Angestellte mit einer Ambulanz in die Schweiz zu fliegen.

Wenn sich der Zustand der sri-lankischen Bürgerin aber wirklich derart verschlechtere, sei es an Sri Lanka und nicht an der Schweiz, ihr die nötige medizinische Hilfe zukommen zu lassen, um ihr Leben zu retten.

Streit eskaliert

Auch Sri Lankas Aussenministerium warf der Schweiz am Sonntag vor, sie verdrehe die Fakten: Die von der Schweiz im Namen des «angeblichen Opfers» präsentierten Angaben des «angeblichen Opfers» über den Vorfall und seinen zeitlichen Ablauf stimmten nicht mit Zeugenaussagen und technischen Ermittlungen überein.

Staatssekretärin Baeriswyl forderte den Botschafter Sri Lankas am Montag daher auf, «die angeblichen Beweise gegen die Darstellung der Schweizer Botschaft» zu erläutern.

Der Streit zwischen der Schweiz und Sri Lanka eskaliert. Das Aussendepartement von Bundesrat Ignazio Cassis will nicht zu den neuen Entwicklungen und den neuen Anwürfen aus Colombo äussern. Nicht bestätigt ist auch, ob der sri-lankische Polizeiinspektor Nishantha Silva in der Schweiz ist und hier Asyl beantragt hat. (aargauerzeitung.ch)

Sri Lankan retired military officer Ajith Prasanna protests outside the Swiss Embassy demanding the questioning of its employee in Colombo, Sri Lanka, Monday, Dec. 2, 2019. Sri Lankan authorities have told the Swiss Embassy in Colombo that they want to question an embassy worker who was allegedly forced into a car and threatened to establish the veracity of her claims. (AP Photo/Eranga Jayawardena)

Ein srilankischer Militärangehöriger protestiert am Montag vor dem Eingang der Schweizer Botschaft. Bild: AP

Botschaftsmitarbeiterin darf nicht ausreisen

Ein Gericht auf Sri Lanka hat einer Mitarbeiterin der dortigen Schweizer Botschaft zeitweise verboten, das Land zu verlassen. Die Frau müsse bis Anfang kommender Woche eine Aussage zu ihrer angeblichen Entführung machen, hiess es am Dienstag von dem Gericht.
Das Schweizer Aussendepartement EDA wollte sich auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA nicht zu dem Entscheid äussern.
Am Montag hatte vor der Botschaft in Colombo ein ehemaliger srilankischer Militäroffizier demonstriert und verlangt, die Schweiz soll die Befragung der Frau durch die Polizei im südasiatischen Land zulassen. Die Schweiz beteuerte, sie arbeite bei den Ermittlungen mit Sri Lanka zusammen.(cbe/sda)

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12Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Ich_bin_ich 05.12.2019 00:57
    Highlight Highlight Wieso redet man mit denen? Ich weiss, Dipolmatie und internationale Beziehungen. Aber könnte man die nicht einfach einfrieren und fertig. Keinen Kontakt mehr mit dem Land.
  • G. Schmidt 05.12.2019 00:42
    Highlight Highlight Entwicklungsgelder sperren...
  • K1aerer 04.12.2019 21:15
    Highlight Highlight Da wären Wirtschaftssanktionen ein geeignetes Mittel. Solchen Staaten sollte man sehr schnell den Tarif durchgeben.
    • dä dingsbums 04.12.2019 23:28
      Highlight Highlight Nein, wären sie nicht.

      Wir sind kein wichtiger Handelspartner von Sri Lanka.

      Wenn wir keine Luxusuhren oder Schokolade liefern und keinen Tee importieren, würde das Sri Lanka kaum bemerken.
  • Mynamesjeff 04.12.2019 19:38
    Highlight Highlight Und wer darunter leidet ist die Botschaftsangestellte... Ich hoffe die Schweiz regelt das schnell und effizient.
  • Sir Konterbier 04.12.2019 18:26
    Highlight Highlight Vielleicht etwas undiplomatisch aber wenn die Schweizer Botschaft da Leute schützen oder rausholen kann, dann sollte sie das auch tun, Rajapaksa hat glaube ich genug auf dem Kerbholz um zu wissen dass diese Leute an Leib und Leben bedroht sind.
  • benn 04.12.2019 18:13
    Highlight Highlight In srilanka liegt nicht soviel geld daher machen die schweizer politiker druck. China interniert, verscleppt und unterdrückt andersdenkende und von unseren politikern hört man kaum was, warum wohl?
  • redeye70 04.12.2019 17:39
    Highlight Highlight Die off. Schweiz wird auch hier nicht das nötige Rückgrat haben Tacheles zu reden. So wie immer.
  • TheBean 04.12.2019 17:10
    Highlight Highlight Swisterland :D
  • Schlawiner 04.12.2019 16:38
    Highlight Highlight Phöse Swisterland.
  • Jakobokaj 04.12.2019 15:11
    Highlight Highlight SriLankanische Regierung: korrupt und unfähig
  • Heini Hemmi 04.12.2019 13:34
    Highlight Highlight Ojeminee, und Krankencassis ist dafür zuständig. Keine schönen Aussichten.

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