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Dritte Impfung: Reiche Länder sollen warten

Arme Länder sollen auch Impfen können – warum der WHO-Chef uns ins Gewissen redet

Länder wie Israel haben bereits damit begonnen, in der Schweiz ist man noch unschlüssig: Die dritte Impfung ist nicht ganz unumstritten. Das zeigt auch der jüngste Appell der WHO.
07.08.2021, 11:4007.08.2021, 11:40

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) fordert einen vorübergehenden Stopp von Auffrischimpfungen gegen das Coronavirus, so lange noch viele ärmere Länder auf Impfdosen warten. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus kritisierte die in mehreren Ländern erörterten Pläne für solche Impfungen am Mittwoch in Genf.

Bereits begonnene Auffrischimpfungen sollten ausgesetzt und Pläne dafür bis mindestens Ende September auf Eis gelegt werden, bis mindestens zehn Prozent der Menschen in allen Ländern der Welt geimpft seien.

Wie ist die Situation wirklich?

Anfang August zeigten die Daten, dass es eine grössere Ungleichheit beim Impffortschritt zwischen reichen und armen Ländern gab. Während Nordamerika und Europa bereits die halbe Bevölkerung oder mehr impfen konnten, lagen die Durchimpfungsquoten etwa in afrikanischen Ländern im einstelligen Prozentbereich.

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Interaktive Karte siehe unten.

«Länder mit hohen Einkommen haben 100 Impfdosen pro 100 Einwohner verabreicht», sagte Tedros. «Gleichzeitig konnten Länder mit niedrigen Einkommen nur 1,5 Dosen pro 100 Menschen verabreichen, weil ihnen Impfstoff fehlt. Wir brauchen dringend eine Kehrtwende, so dass die Mehrheit der Impfstoffe in Länder mit niedrigen statt hohen Einkommen geht.»

«Accordingly, WHO is calling for a moratorium on boosters until at least the end of September, to enable at least 10% of the population of every country to be vaccinated.»
«Die WHO fordert daher ein Moratorium für die Auffrischungsimpfungen bis mindestens Ende September, damit in jedem Land mindestens 10 Prozent der Bevölkerung geimpft werden können.»
Video: youtube/who

Welche Länder geben bereits eine dritte Impfung?

Israel hat am vergangenen Sonntag mit den sogenannten «Booster»-Impfungen für alle über 60-Jährigen begonnen. Staatspräsident Isaac Herzog war der erste, der sich die dritte Dosis des Pfizer-Impfstoffs verabreichen liess. 155'000 Israelis sind ihm bereits gefolgt, rund 200'000 haben in den kommenden Tagen einen Termin für die dritte Impfung.

Auch die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain bieten ihrer Bevölkerung bereits einen Booster-Shot an. Die beiden Länder hatten im Dezember 2020 mit der Verabreichung des Sinopharm-Impfstoffs begonnen. Personen, welche trotz doppelter Impfung mit dem chinesischen Vakzin keine Immunkörper produziert haben, dürfen sich jetzt einen Pfizer-Booster abholen. Deutschland und Grossbritannien haben beide angekündigt, ab September mit der dritten Impfung zu starten.

Und die Schweiz?

Das Bundesamt für Gesundheit wird eine dritte Impfung empfehlen, sofern wissenschaftlich erwiesen ist, dass diese notwendig ist. Noch sei dies nicht der Fall. Gegenüber «20 Minuten» sagte Virginie Masserey vom BAG: «Dass die Schweiz im Herbst mit Drittimpfungen beginnt, ist ein Szenario, mit dem wir arbeiten. Wir haben das nicht verschlafen.»

(sda/dpa/pit)

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