Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Diplomatischer Faux-pas? Der heikle Trump-Kommentar des Schweizer US-Botschafters

Jacques Pitteloud ist seit 2019 Schweizer Botschafter in den USA. Nun sorgt er für Aufsehen mit einem Kommentar unter dem Video «How to bible» von Sarah Cooper, einer Komikerin. Sie wurde zur Kultfigur mit Imitationen von US-Präsident Donald Trump.

Othmar von Matt / ch media



Jacques Pitteloud, Swiss ambassador to the United States, poses for a photograph at the Directorate for Resources, DR, of the Federal Department of Foreign Affairs, FDFA, in Bern, Switzerland, on January 21, 2019. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Jacques Pitteloud, Schweizer Botschafter in den USA, portraitiert am 21. Januar 2019 in der Direktion fuer Ressourcen, DR, des Eidgenoessichen Departements fuer auswaertige Angelegenheiten, EDA, in Bern. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Botschafter Jacques Pitteloud: «Beeindruckt von der Fähigkeit dieser Schauspielerin, die Mimik des Präsidenten nachzuahmen.» Bild: KEYSTONE

«Amazing.» Oder auf deutsch: toll, verblüffend. Dieses eine einzige Wort schrieb Jacques Pitteloud auf Twitter als Kommentar unter das Video «How to bible» (Wie ich mit der Bibel umgehe) von Sarah Cooper.

Die 43-jährige Komikerin, die auf Jamaika geboren wurde, imitiert darin US-Präsident Donald Trump im Zusammhang mit der Bibel. Das Video erschien am 3. Juni auf dem chinesischen Videoportal Tiktok und auf Twitter. Zwei Tage zuvor hatte Trump mit einer Bibel vor der St.-Johns-Kirche posiert. Den Weg liess er sich vom Weissen Haus mit Gewalt und Tränengas durch einen friedlichen Protest bahnen.

FILE - In this Monday, June 1, 2020 file photo, President Donald Trump holds a Bible as he visits outside St. John's Church across Lafayette Park from the White House. George Floyd’s killing at the hands of a white police officer and the global protests that erupted to denounce police brutality and racism might normally have drawn a muted diplomatic response from the Holy See. Francis spoke out Wednesday after Trump posed in front of an episcopal church near the White House, Bible in hand, after law enforcement moved aggressively to push back protesters from a nearby park. (AP Photo/Patrick Semansky, File)
Donald Trump

US-Präsident Donald Trump mit der Bibel in der Hand vor der St.-Johns-Kirche. Bild: keystone

Pittelouds Kommentar ist nur einer von fast 10'000 Kommentaren zu Coopers Video. Er schrieb ihn allerdings mit seinem offiziellen Profil @SwissAmbUSA als Schweizer Botschafter in den USA. Das Konto ist von Twitter verifiziert.

Bild

© CH Media

Man kann seine Nachricht als erfrischend empfinden oder als politisch heikel. Eines aber ist klar: Sie entspricht nicht den diplomatischen Gepflogenheiten. Umso mehr, als die Schweiz die Interessen der USA im Iran als Schutzmacht vertritt.

Am selben Tag dankte Donald Trump der Schweiz

Am 4. Juni, am selben Tag, an dem Pitteloud das Wort «amazing» unter Coopers Video schrieb, dankte US-Präsident Donald Trump der Schweiz dafür, dass der Navy-Veteran Michael White in einem Schweizer Flugzeug den Iran nach 683 Tagen Gefangenschaft verlassen konnte. «Thank you Switzerland for your great assistance», schrieb er auf Twitter.

Dazu kommt, dass Sarah Cooper als klare Trump-Gegnerin verortet ist. Auf ihrem Twitter-Profil schreibt sie, sie sei von Trump blockiert (#blockedbytrump). Gemäss «Los Angeles Times» tat Trump dies im Oktober 2017.

Weshalb Trump Sarah Cooper auf Twitter blockierte

Er hatte gerade eine seiner Attacken gegen die «Mainstream-Medien» losgetreten. «Die Fake News werden alle publiziert, um zu erniedrigen und zu verunglimpfen! Was für ein Hass!», schrieb er auf Twitter. Cooper konterte: «Fake news: Donald Trump ist untauglich geworden für seinen Amtssitz. Reale News: Donald Trump war immer untauglich für seinen Amtssitz.» Daraufhin blockte Trump Cooper.

Inzwischen ist Cooper mit ihren Trump-Imitationen zur Kult-Figur geworden. «Nichts, was man schreiben könnte, kann verrückter sein, als was er selbst sagt», hielt Cooper nach ihrem Erfolg mit der allerersten Trump-Imitation fest. Sie war nur Stunden erschienen, nachdem der Präsident den Bürgern in einer Rede empfohlen hatte, sich Desinfektionsmittel gegen das Coronavirus zu injizieren. Der Clip wurde 20 Millionen Mal geklickt.

«Das haben die Leute noch nicht gesehen eine schwarze Frau synchronisiert die Worte Trumps in einer sehr realistischen, fast dokumentarischen Art», sagte Cooper später in der «Los Angeles Times».

«Beeindruckt von der Fähigkeit dieser Schauspielerin»

Konfrontiert mit seinem Kommentar unter Sarah Coopers Video schreibt Botschafter Pitteloud: «Sie haben zweifellos Recht damit, dass mein Kommentar falsch interpretiert werden könnte. Aber ich war beeindruckt von der Fähigkeit dieser Schauspielerin, die Mimik des Präsidenten nachzuahmen. Ihren Hintergrund kannte ich nicht. Imitatoren habe ich aber schon immer bewundert.»

Botschafter Pitteloud betont, die Schweizer Botschaft in den USA und er selbst hätten auf den sozialen Medien «keinen Kommentar zur Innenpolitik» abgegeben. «Und das machen wir auch nicht.»

Das Aussendepartement (EDA) in Bern betont in einer schriftlichen Stellungnahme zum Twitter-Kommentar von Pitteloud, die Botschafter benutzten diverse Kommunikationskanäle, darunter die sozialen Medien: «Die Einschätzung und der Gebrauch dieser Kanäle liegt in der Verantwortung der Botschafter und ihrer Vertretungen.»

Das EDA betont Menschenrechte ohne Diskriminierung

Das EDA verfolge die Ereignisse in den USA aufmerksam, sagt Sprecher Pierre-Alain Eltschinger. Es habe die Situation kürzlich auch mit Edward McMullen besprochen, dem amtierenden US-Botschafter in der Schweiz.

Die Schweiz hat zudem im ständigen Rat der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) eine Stellungnahme abgegeben zu den Ereignissen in den USA. «Die Schweiz hat ihre Verbundenheit ausgedrückt für den Respekt der Menschenrechte ohne Diskriminierung», sagt EDA-Sprecher Eltschinger. «Und für das Recht auf freie Meinungsäusserung und das Recht auf friedliche Demonstrationen.»

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Coronavirus in den USA

Trump lässt Demonstranten mit Tränengas vertreiben

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

26
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
26Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • swisskiss 11.06.2020 08:08
    Highlight Highlight Ungeschickt und nicht professionell, ist eine solche Privatmeinung unter den Account der Schweizer Botschaft zu veröffentlichen.

    Ansonsten darf Herr Botschafter wie jeder Andere auch, seine Meinung öffentlich äussern.

  • Balikc 10.06.2020 22:20
    Highlight Highlight Das Brillante an Coopers Videos ist ja, dass die Tonspur wirklich getätigte Äusserungen ungeschnitten wiedergibt.
    Selbst Mimik und Gesten sind zwar dem Original nachempfunden, kommen aber ohne Übertreibung oder böswillige Verzerrung aus.
    Die Komik lebt einzig davon, dass die Absurdität in Trumps Aussagen umso augenscheinlicher wird, wenn man sie loslöst, vom Gesicht, von dem wir mittlerweile nichts anderes gewöhnt sind.

    So gesehen, wohl etwa die harmloseste Art, sich lustig zu machen. Dennoch, Diplomatie lebt davon zumindest vorzugaukeln, dass man das Gegenüber ernst nimmt.
  • Dong 10.06.2020 19:57
    Highlight Highlight Diplomaten sind dafür bezahlt, dem jeweiligen Gastgeben in den allerwertesten zu kriechen. Der soll in Washington etwas für uns (und einige andere) tun, und da ist so ein eitler Fehltritt schädlich.
  • Grötzu 10.06.2020 17:40
    Highlight Highlight Warum wird geschrieben schwarze Frau? Nach meiner Meinung ist die braun
  • Quacksalber 10.06.2020 17:22
    Highlight Highlight Blöd ist, dass die Schweiz jetzt amerikanische Flieger kaufen muss damit diese nicht mehr verärgert sind.
  • Christian Mueller (1) 10.06.2020 16:13
    Highlight Highlight Trump darf also twittern, was er will. Der Botschafter nicht mal loben? Vielelicht war es ja 'sarkastisch' gemeint... ;-)
  • rodolofo 10.06.2020 15:30
    Highlight Highlight Diese Diplomaten dürfen aber auch gar nichts!
    Da können sich LeserInnen in den Kommentarspalten der Online-Zeitung "Republik" ja noch mehr erlauben!
  • whoozl 10.06.2020 15:15
    Highlight Highlight Ich finde, die Schweiz ist in den USA diplomatisch ausgezeichnet vertreten! 😂😂😂
  • Hillary Clinton 10.06.2020 15:06
    Highlight Highlight Abziehen, offensichtlich nicht geeignet für den Job der gute Herr.

    Mein Gott spinnt der?

    Mr. Tweetstorm kann mit ein paar Mal Fingerschnippen uns so viele Steine in den Weg legen, dass es einfach unverantwortlich ist so etwas zu posten als Vertreter der offiziellen Schweiz.
    • fools garden 10.06.2020 15:54
      Highlight Highlight Liebe Hillary, ich war echt entäuscht nach Ihrer Nichtwahl,
      ich finde es aber toll wenn sich ein
      direktdemokratisches und fast immer auf Pragmatismus bezogenes Land wie wir, auch mal Politisch etwas weiter aus dem Fenster lehnt.
    • Mr. Stonemountain 10.06.2020 15:57
      Highlight Highlight Frau Clinton kümmert sich besser mal um Ihren E-Mail Verkehr..
    • Hoci 10.06.2020 16:57
      Highlight Highlight Die Oerson mit dem Nickname Hillary ist ein Mann umd Trump Fan.
      Nicht zu verwechseln mit der echten.
      Drum wenn schon mit Herr Fake anreden.
    Weitere Antworten anzeigen
  • chabacha 10.06.2020 14:45
    Highlight Highlight geile Siech. Es gibt kaum erfahrenere in seinem Geschäft, sowas macht der nicht aus Versehen
    • Leader 10.06.2020 15:08
      Highlight Highlight Sind sie auch dieses Mal ganz sicher oder anders gefragt: Wusste er wirklich was er tat?
  • De-Saint-Ex 10.06.2020 14:33
    Highlight Highlight Wunderbar. Da sage noch einer, Schweizer hätten keinen Humor :)
    • Thorium 10.06.2020 19:34
      Highlight Highlight Jene die welchen haben werden eben schleunigst verbannt. Z.B. Als Diplomat irgendwo weit weg.
  • Akzent 10.06.2020 14:23
    Highlight Highlight Botschafter Jacques Pitteloud hat meine volle Unterstützung. Aber nicht mit seinem offiziellen Profil @SwissAmbUSA als Schweizer Botschafter in den USA. Das ist unprofessionell und geht gar nicht! Als Botschafter muss er Diplomatie leben, als Privatperson stehen ihm alle Tore offen.
  • Capslock 10.06.2020 13:58
    Highlight Highlight und wo liegt das Problem?
    • ulmo 10.06.2020 16:25
      Highlight Highlight Die Befürchtung ist, dass sich Trump durch eine solche Stellungnahme der CH-Botschaft ("offizieller"-Account) gekränkt fühlt, was der Vertretung schweizerischer Interessen in den USA abträglich sein könnte.

      Dies ist nicht umso heikler, als Trump für rationalen Diskurs nur bedingt empfänglich ist.
    • Capslock 11.06.2020 10:02
      Highlight Highlight kein Problem für die Schweiz denn Trumpy fühlt sich von sehr vielen missverstanden und gekränkt👍😂
  • Domimar 10.06.2020 13:24
    Highlight Highlight Mücke -> Elefant
    • bbelser 10.06.2020 14:08
      Highlight Highlight Immerhin wird hier mal ein Schweizer Botschafter ähnlich prominent behandelt wie der Twitter-Dünnpfiff des stabilen Genies.
      Vielleicht gibt's ja nun Hoffnung auf mediale Aufmerksamkeit für ein paar wirklich relevante Äusserungen dieses Diplomaten...
    • Amras 10.06.2020 14:15
      Highlight Highlight Mein Gedanke bevor ich deinen Kommentar gesehen habe.
    • Mãozinha 10.06.2020 15:08
      Highlight Highlight Wenn die Mücke blond ist und auf dem Rücken des Elefanten zwitschert, O.K.

      Benutzer Bild

Wird das Kult-Glacé Winnetou umgetauft?

Wegen der Rassismusdiskussion prüft Frisco den Namen seines berühmten Wasserglacé. Auch Emmi und Migros sind in der Kritik.

Die Black-Lives-Matter-Proteste sorgen bei Grosskonzernen zum Umdenken. Zahlreiche Firmen haben bekannt gegeben, dass sie ihre Marken im Hinblick auf rassistische Aspekte durchleuchten und teilweise ändern werden. Hierzulande entfachte sich eine hitzige Debatte über den Begriff Mohrenkopf, nachdem die Migros die Produkte mit dem rassistischen Namen aus dem Sortiment nahm.

Nun könnte es auch bei einem Schweizer Traditionsprodukt zu einer Änderung kommen. Es geht um das Wasserglacé Winnetou …

Artikel lesen
Link zum Artikel