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Kaufkraft: Die USA und die EU entwickeln sich wirtschaftlich anders

Europäer verarmen, Amerikaner werden reicher: Für die Schweiz ist das eine Warnung

In Europa können sich die Menschen immer weniger leisten, gar von «Verarmung» ist die Rede. In den USA ist die Entwicklung ganz anders. Die Schweiz droht punkto Kaufkraft aufs falsche Gleis zu geraten.
10.09.2023, 03:55
Patrik Müller / ch media
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Vor 15 Jahren waren die EU und die USA wirtschaftlich gleich stark, inzwischen liegt Amerika klar vorn.
Vor 15 Jahren waren die EU und die USA wirtschaftlich gleich stark, inzwischen liegt Amerika klar vorn.Bild: pm/ch media

Deutschland befindet sich nun in einer Rezession. Was abstrakt klingt, äussert sich im Alltag sehr konkret. Deutsche kaufen weniger Bioprodukte, weil sie sich diese nicht mehr leisten können. Ähnliche Meldungen erreichten uns in den letzten Wochen aus anderen europäischen Ländern. Die Franzosen essen weniger «foie gras», die Spanier kochen weniger mit Olivenöl. Der Grund ist derselbe: Die Kaufkraft nimmt ab.

Von einer «Verarmung Europas» schreibt die amerikanische Zeitung «Wall Street Journal» ohne Häme, aber mit Sorge. Sie zitiert aus Statistiken, die den jahrelangen, schleichenden Abstieg Europas belegen. Vor 15 Jahren machten die Konsumausgaben der EU und der USA je etwa 25 Prozent des weltweiten Verbrauchs aus. Inzwischen kommt die EU nur noch auf 18 Prozent, die USA aber auf 28 Prozent. Die Amerikaner können sich also mehr leisten, die Europäer weniger.

Verachtung für die USA – zu Unrecht

Europa schaut gern auf die USA herab, wo zwei 80-Jährige die Politik beherrschen. Aber unter Biden wie unter Trump und davor unter Obama wurden die Amerikaner im Durchschnitt reicher, und der Mindestlohn stieg. Steuern, Lohnabzüge und dergleichen machen in Amerika nur 27 Prozent der Wirtschaftsleistung aus. In Europa aber sind es mittlerweile 40 bis 45 Prozent. Da bleibt weniger zum Leben übrig.

Die Schweiz liegt bei dieser Quote zwischen der EU und den USA, doch die Tendenz zeigt in die falsche Richtung. Nächstes Jahr steigen die Mehrwertsteuer, die Stromgebühren und die Krankenkassenprämien, ebenso die Tarife von Post und SBB.

Amerika taugt in vielem nicht als Vorbild, aber in der Wirtschaftspolitik erteilt es Europa eine Lektion: Bevor der Kuchen verteilt wird, muss er erwirtschaftet werden. Wird den Bürgerinnen und Bürgern und den Unternehmen mehr weggenommen, backen sie weniger Kuchen.

Anreize für Tüchtigkeit

So altmodisch es tönt, aber Fleiss und Arbeit müssen sich lohnen. Sonst schalten ganze Volkswirtschaften in den Teilzeitmodus, es ist weniger da, um es zu verteilen – und man findet sich auf tieferem Wohlstandsniveau wieder. In manchen europäischen Ländern nimmt man diesen Niedergang teilnahmslos hin. Für die Schweiz ist es noch nicht zu spät, das Steuer herumzureissen. (aargauerzeitung.ch)

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186 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Knut Knallmann
10.09.2023 06:03registriert Oktober 2015
Von der durchschnittlichen (!) Erhöhung der Kaufkraft der USA profitieren grosse Teile der Bevölkerung aber nicht, weil die Einkommensschere in den USA immer weiter aufgeht. Dieser grosse Teil der amerikanischen Bevölkerung hat mehr als einen Job und lebt „Paycheck to Paycheck“ also ohne Sparguthaben und praktisch ohne soziale Absicherung. Ich möchte nicht tauschen. Hört bitte auf mit Durchschnittszahlen zu argumentieren - Es führt zu völlig falschen Schlussfolgerungen!
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KarlMarx
10.09.2023 06:37registriert Juli 2021
Herr Müller

Die USA mag mehr konsumieren können, nur wir haben dafür ein gute ÖV, ein gutes Schulsystem, Universität für alle und andere Kleinigkeiten. Ach ja bei uns hat auch jeder eine Krankenversicherung.
Ein krankes System als Vorbild? Schöne Idee!

Mag sein das es in Europa nicht perfekt läuft, wir haben eine soziale Marktwirtschaft. Da sind Ausgaben höher.

Danke
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kryos
10.09.2023 07:07registriert März 2021
Und wieder ein Wirtschaftsartikel von jemanden, der keine Stunde VWL hatte. Das BIP taugt genau dazu, wieviel Macht ein Land im gesamten hat, sagt aber sehr wenig bis gar nichts über Wohlstand, Verarmung und Mediankonsum aus. Dann noch das mit dem Olivenöl ... Die Olivenernte wurde wegen Rekorddürre und Rekordhitze (climate change anyone?) in Spanien, dem weltweit wichtigsten Olivenproduzenten, drastisch reduziert - das grüne Gold kostet doppelt so viel, es ist halt viel weniger da. Natürlich kochen die Spanier wie die Italiener und, dudum, Amerikaner, und alle anderen, mit weniger Olivenöl.
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