10 Jahre nach den Panama Papers: Noch immer verschleiern Steueroasen Billionen US-Dollar
Vor zehn Jahren veröffentlichten Medienschaffende aus über 100 Redaktionen weltweit gemeinsam eine Recherche mit politischer Sprengkraft. Die sogenannten Panama Papers deckten auf, wie ranghohe Politiker und Politikerinnen, Stars und Wirtschaftsgrössen ihre Millionenvermögen in Briefkastenfirmen weltweit parkierten, um so einer Versteuerung ihres Reichtums zu entgehen.
Am Ursprung dieser Enthüllung stand ein Datenleck, durch das ein Jahr vor der Publikation über 11,5 Millionen Dokumente der panamaischen Anwaltskanzlei Mossack Fonseca der «Süddeutschen Zeitung» anonym zugespielt wurden.
Vermögen vor Informationsaustausch kaum versteuert
Nebst zahlreichen Gerichtsverfahren und dem Rücktritt verschiedener Politiker wie die Premierminister Islands und Pakistans sowie des Industrieministers Spaniens waren die Enthüllungen mitverantwortlich für die Implementierung neuer Gesetze im Finanzsektor.
Insbesondere mit der Einführung des Automatischen Informationsaustauschs 2017 sollte der globalen Steuerhinterziehung der Kampf angesagt werden. Über 100 Länder verpflichteten sich dazu, Informationen über Konten ausländischer Bürgerinnen und Bürger mit den Steuerbehörden in deren Heimatländern zu teilen, auch die Schweiz. Der Entscheid war der letzte Sargnagel für das lange gehütete Bankgeheimnis.
Dass die Schweiz ganz vorne mitspielte, wenn es darum ging, Vermögen vor Steuerbehörden zu verstecken, zeigten beispielsweise Untersuchungen des US-Senats. Demnach sollen rund 85 bis 95 Prozent aller US-Konten bei UBS und Credit Suisse in den Jahren 2007 bis 2008 den US-Steuerbehörden nicht gemeldet worden sein. Weltweit sollen gemäss dem Global Tax Evasion Report des europäischen Forschungsinstituts EU Tax Observatory vor 2010 rund 90 Prozent aller im Ausland angelegten Gelder nicht versteuert worden sein.
3.5 Billionen unversteuertes Vermögen gemäss Oxfam
Eine jüngst veröffentlichte Analyse der Entwicklungs- und Hilfsorganisation Oxfam hat nun auf Basis der Zahlen des EU-Tax-Observatorys untersucht, wie viel privates Vermögen im Jahr 2024 noch immer unversteuert auf ausländischen Konten platziert wurde.
Die Schätzung geht dabei von rund 3.5 Billionen US-Dollar aus, was gemäss Oxfam 3,2 Prozent des Weltbruttoinlandsprodukts entspricht – also der Summe aller erwirtschafteten Leistungen weltweit.
Zahlen von EU-Tax gehen davon aus, dass rund 25 Prozent aller im Ausland platzierten Gelder 2022 nicht gemeldet wurden. Damit ist eine starke Abnahme zu verzeichnen gegenüber den erhobenen 90 Prozent aus den Jahren vor 2010. Wesentlichen Anteil daran hat der bereits erwähnte Automatische Informationsaustausch.
Dass jedoch noch immer Vermögen im Billionen-Bereich unversteuert ins Ausland abfliessen, hat gemäss dem europäischen Forschungsinstitut mehrere Gründe. Noch immer würden sich nicht alle Länder am Informationsaustausch beteiligen, es existieren also noch Dutzende sichere Häfen für den Finanzbetrug. Auch hielten sich nicht alle Banken rigoros an die neuen Vorgaben, wie das EU-Tax-Observatory in der Studie von 2024 schrieb.
Schlupflöcher der Regulierung
Eine Hauptursache sei jedoch, dass das System nur auf Finanzanlagen angewendet werde und nicht auf Immobilien-Werten.
Die Forschenden gehen davon aus, dass rund ein Viertel der zuvor verschleierten Gelder auf ausländischen Konten nun in Immobilien investiert wurde, um den neuen Gesetzen zu entgehen. Dabei ist es vollkommen legal, Liegenschaften im Ausland zu besitzen. Diese müssen im eigenen Land jedoch gemeldet werden und, falls mit den Objekten ein Gewinn erzielt wird oder eine Vermögenssteuer existiert, darauf Steuern bezahlt werden.
Dass dies oft nicht so gehandhabt wird, zeigt beispielsweise eine Untersuchung der Daten von 227 in Norwegen wohnhaften einheimischen Staatsangehörigen, welche in Dubai Liegenschaften besitzen. Die Forschenden fanden heraus, dass lediglich 66 Personen ihre Immobilien dem norwegischen Staat meldeten, um eine Einkommenssteuer zu entrichten. Rund drei Viertel verschwiegen dies und entgingen somit einer Besteuerung.
Informationsaustausch auch für Immobilien
Das Forschungsinstitut EU-Tax fordert daher, dass ein automatischer Informationsaustausch auch bei Immobilien im Ausland zur Anwendung kommen müsse. Ebenfalls müssten Briefkastenfirmen stärker verfolgt werden: Diese würden oft als Eigentümerinnen von Immobilien eingesetzt werden, um der Besteuerung des effektiven Eigentümers oder der Eigentümerin zu entgehen.
