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Bundesgericht: Aargauer muss keinen Unterhalt zahlen – seine Ex-Frau könne mehr arbeiten

Bundesgericht: Aargauer muss keinen Unterhalt zahlen – seine Ex-Frau könne mehr arbeiten

Muss ein Aargauer seiner 50-jährigen Ex-Frau Unterhalt bezahlen, obwohl sie bereits Teilzeit arbeitet? Oder ist sie dazu verpflichtet, das Pensum zu erhöhen, um so selbst für sich aufzukommen? Beim Fall eines Aargauer Paars musste sich das Bundesgericht mit diesen Fragen auseinander setzen.
28.06.2017, 16:3428.06.2017, 16:52
Chantal Gisler / az Aargauer Zeitung
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Le batiment du Tribunal Federal, TF, photographie ce jeudi 13 avril 2017 a Lausanne. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)
Das Bundesgericht in Lausanne.Bild: KEYSTONE

Die meisten Scheidungen laufen (vereinfacht gesagt) in etwa so ab: Derjenige Partner, der mehr verdient, muss dem anderen Unterhalt zahlen, sofern nicht beide für sich selbst aufkommen können. Aber muss eine 50-jährige Frau ihr Teilzeitpensum erhöhen, um sich selbst versorgen zu können? Ist das in ihrem Alter zumutbar? Oder ist der Mann dazu verpflichtet, ihr ergänzenden Unterhalt zu bezahlen? Dieser Fall eines Aargauer Paars landete vor Bundesgericht.  

Aber von Anfang an: 2012 reichte das Aargauer Ehepaar die Scheidung ein. Das Bezirksgericht Kulm verpflichtete den Mann daraufhin dazu, seiner Frau während acht Monate Unterhalt zu zahlen. Für die Zeit danach sah das Urteil keine Unterhaltsverpflichtung mehr vor. 

Jetzt auf

Gegen diesen Entscheid legte die Ex-Frau eine Berufung am Aargauer Obergericht ein. Sie habe zwar schon während der Ehe in einem 40-Prozent-Pensum im Spitexbereich gearbeitet, zum Zeitpunkt der Trennung sei sie aber bereits 49 Jahre alt gewesen. Danach habe sie sich ein Jahr lang intensiv um ihr lernbehindertes Kind kümmern müssen. Folglich wäre der Einstieg ins Berufsleben erst mit 50 Jahren wieder infrage gekommen.

Das Obergericht kam daraufhin zum Schluss, es sei ihr nicht zuzumuten, mit 50 noch eine Vollzeitstelle anzutreten. 

Dies sah der Mann aber anders und reichte beim Bundesgericht Beschwerde gegen das Urteil des Obergerichts ein. Da es lediglich darum gehe, das bereits bestehende Arbeitspensum auszubauen, sei ihr ein Vollzeitpensum zumutbar. Dies sah auch das Bundesgericht so und hiess die Beschwerde des Mannes gut.

Folglich muss die Ex-Frau ihr Arbeitspensum aufstocken und für sich selbst aufkommen.  (aargauerzeitung.ch)

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40 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Jagr
28.06.2017 16:53registriert Februar 2016
Und über so etwas muss man auch noch vor Bundesgericht. Die Dame kann arbeiten, also soll Sie auch. Geht's noch? Für mich ein Bilderbuch-Parasit.
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MaskedGaijin
28.06.2017 17:55registriert Oktober 2014
"Das Obergericht kam daraufhin zum Schluss, es sei ihr nicht zuzumuten, mit 50 noch eine Vollzeitstelle anzutreten." Unglaublich...
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Ökonometriker
28.06.2017 17:10registriert Januar 2017
Der Ehegattenunterhalt sollte, wie in Schweden, abgeschafft werden. Er setzt einfach einen zu starken Anreiz für einen Ehegatten, nichts zu tun.
Schade dass heute immer noch viele Leute glauben, eine Frau gehöre an den Herd und der Mann soll Karriere machen und im Falle einer Scheidung die Frau einfach durchfüttern. Ein sehr antiquiertes Rollenbild...
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