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Ehemann wollte Frau mit Kissen ersticken – Aargauer muss für 8 Jahre ins Gefängnis

Ein Aargauer wurde zuerst freigesprochen, dann wegen versuchter vorsätzlicher Tötung verurteilt. Er hatte seine Frau mit einem Kissen zu ersticken versucht, so die Anklage. Nun hatte das Bundesgericht im Indizienprozess das letzte Wort.

Manuel Bühlmann / ch media



Une cellule a l'interieur de la prison pour mineurs est photographiee lors de l'inauguration de l'etablissement de detention pour mineurs

Bild: KEYSTONE

Kein Geständnis, keine Zeugen, keine eindeutigen Beweise – keine leichte Aufgabe für die Gerichte. Was in jener Januarnacht vor fünf Jahren im Schlafzimmer eines Ehepaars aus dem Fricktal vorgefallen ist, können die Richter nur anhand von Indizien beurteilen. Und doch müssen sie entscheiden, ob die Vorwürfe gegen den Ehemann stimmen.

Er soll seiner Frau beim Abendessen ein beruhigendes Medikament ins Wasser gemischt und später versucht haben, sie mit einem Kissen zu ersticken. Sie wehrte sich, konnte sich befreien und zu einer befreundeten Familie fliehen, die dann die Polizei alarmierte.

Die beiden Urteile der unteren Instanzen weichen stark voneinander ab: Während das Bezirksgericht Rheinfelden den Ehemann freisprach, verurteilte ihn das Aargauer Obergericht wegen versuchter vorsätzlicher Tötung zu einer Freiheitsstrafe von acht Jahren. Wie so oft obliegt daher dem Bundesgericht der endgültige Entscheid.

Das Aufnahmegerät lief mit

Bei einem Indizienprozess geht es darum, die einzelnen Teile zu einem Bild zusammenzusetzen, das der Wahrheit so nah wie möglich kommt. Oder wie es die Bundesrichter in ihrem am Freitag veröffentlichten Entscheid formulieren: «Eine Mehrzahl von Indizien, welche für sich allein betrachtet nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf eine bestimmte Tatsache oder Täterschaft hindeuten und insofern Zweifel offen lassen, können in ihrer Gesamtheit ein Bild erzeugen, das den Schluss auf den vollen rechtsgenügenden Beweis von Tat oder Täter erlaubt.»

Und Beweisstücke, die es zu deuten gilt, liegen im Fricktaler Fall einige vor: Wortfetzen und Rufe der Angegriffenen, aufgezeichnet von einem Aufnahmegerät, das die Ehegattin unter dem Bürotisch des Mannes versteckt hatte. Dazu kommen E-Mails an seine Geliebte, der Brief des Anwalts der Ehefrau mit der Ankündigung ihrer Scheidungsabsichten, den der Beschuldigte zerriss und entsorgte sowie das von ihr heimlich in Fläschchen abgefüllte, von ihm mit Medikamenten versetzte Wasser aus ihrem Trinkglas.

Internetrecherchen sind belastend

Der Beschuldigte wollte verhindern, dass diese Beweise gegen ihn verwendet werden können – ohne Erfolg. Das Bundesgericht hält alles für verwertbar. Das gilt auch für die heimlich und somit rechtswidrig gemachten Tonaufnahmen. Bei einer schweren Straftat überwiege das öffentliche Interesse an der Aufklärung das Interesse des Ehemanns an der Unverwertbarkeit des Beweises, heisst es im Urteil.

Zusätzlich belastend wirkt die Auswertung seiner Internetrecherchen: Erkundigt hat er sich nach Substanzen, die beruhigend, angstlösend, schlaffördernd wirken. Erfolglos versuchte er zudem, online GBL – besser bekannt als K.o.-Tropfen – zu bestellen.

Lob für das Obergericht

Die obersten Richter vermag der Beschuldigte auch mit seinen weiteren Argumenten nicht zu überzeugen. So kritisierte er unter anderem, das Aargauer Obergericht habe mit dem Schuldspruch den Grundsatz «im Zweifel für den Angeklagten» verletzt. Das Bundesgericht bestätigt das Vorgehen der Vorinstanz jedoch in sämtlichen Punkten, findet im Entscheid gar lobende Worte.

«Sehr sorgfältig und stringent», «methodisch korrekt», «überzeugend», steht da etwa. Und so kommen die Bundesrichter zum Schluss: Angesichts der Indizien ergebe sich «ein derart schlüssiges und in sich stimmiges Bild, dass keine ernst zu nehmenden Zweifel an der Täterschaft des Beschwerdeführers verbleiben». Das heisst: Der Schuldspruch wegen versuchter vorsätzlicher Tötung ist zu Recht erfolgt.

Entschlossen, planmässig, perfide

Auch mit seiner Kritik an der Höhe der Strafe findet der Ehemann kein Gehör. Im Falle eines Schuldspruchs hatte er fünf statt acht Jahre Freiheitsstrafe gefordert. Doch das Bundesgericht teilt die Einschätzung der Vorinstanz, wonach der Beschuldigte entschlossen, planmässig und perfide vorgegangen sei.

So habe er ein Abendessen, das er vermeintlich zur Feier eines positiven Taggeldbescheids zubereitet habe, dazu genutzt, seiner Ehefrau ein beruhigendes Medikament ins Wasser zu mischen, um sie später ohne grosse Gegenwehr ersticken zu können.

Trotz Eheproblemen habe er sich nicht in einer Zwangslage befunden und es habe sich auch nicht um eine Affekttat gehandelt, hält die oberste Instanz fest. Und: Sein Verschulden wiege schwer. Die Beschwerde des Ehemannes wird abgewiesen, er wird mindestens zwei Drittel der acht Jahre Freiheitsstrafe absitzen müssen.

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11Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Kunibert der fiese 24.01.2020 17:26
    Highlight Highlight Der nock freddy? 🤔
    • Ueli der Knecht 24.01.2020 20:02
      Highlight Highlight Ich glaube, das ist ein anderer Fall. Freddy Nock wurde erst vom Bezirksgericht Zofingen (nicht Frick/Laufenburg, und auch noch nicht Obergericht/AG) zu teilbedingt 2 1/2 Jahre (nicht 8 Jahre) verurteilt.

      Das sind drei Tatsachen, die nicht zum Fall Nock passen.
  • AfterEightUmViertelVorAchtEsser_________________ 24.01.2020 15:49
    Highlight Highlight Wieso geht das überhaupt als versuchte vorsätzliche Tötung durch, und nicht als versuchten Mord?
    • kaesekuchen123 24.01.2020 16:08
      Highlight Highlight Versuchte vorsätzliche Tötung ist juristendeutsch für versuchten Mord.

      Das Wort Mord existiert nicht im StGb.
    • Bivio 24.01.2020 19:35
      Highlight Highlight Im "Normalfall" liegt zuerst immer eine vorsätzliche Tötung vor. Handelt der Täter besonders skrupelos bzw. sind die Beweggründe für die Tat besonders verwerflich ist es Mord (Qualifizierung). Handelt der Täter in gewissem Masse "entschuldbar" ist es Totschlag (Priviligierung).
      In diesem Fall scheint mir die Lage so, dass es zu wenig Beweise für die Skrupellosigkeit gibt bzw. die Gerichte tendenziell eher zurückhaltend sind mit Mord bzw. dem Versuch.
    • Qahira 24.01.2020 21:23
      Highlight Highlight @kaesekuchen123 Nein. Das StGB regelt den Mord in Art.112, die Tötung in Art.111. Es sind 2 verschiedene Tatbestände, die auch anders bestraft werden. Wie Bivio gut erklärt hat, braucht für den Mord qualifizierende Merkmale wie Skrupellosigkeit in Zweck, Beweggrund oder Art der Ausführung.

      Jemanden zu betäuben und dann ersticken zu wollen, einfach weil die Ehe lästig wurde, fände ich schon ziemlich skrupellos; ohne den Fall zu kennen ist das aber schwierig zu beurteilen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Kanischti 24.01.2020 14:41
    Highlight Highlight "...Das gilt auch für die heimlich und somit rechtswidrig gemachten Tonaufnahmen. Bei einer schweren Straftat überwiege das öffentliche Interesse an der Aufklärung das Interesse des Ehemanns an der Unverwertbarkeit des Beweises, heisst es im Urteil."
    Bei einer leichten Straftat wiegt dann das Interesse nach Aufklärung bzgl. Unverwertbarkeit weniger stark?

    Entweder soll eine Tonaufnahme bei jedem Delikt, auch wenn sie wie in diesem Fall "rechtswidrig" gemacht wurde, immer als verwertbar gelten, oder gar nie.

    Worin also liegt der Unterschied?
    • Qahira 24.01.2020 21:15
      Highlight Highlight Der Unterschied liegt eben in der Schwere der Tat. Eine (illegale) Tonbandaufnahme stellt einen gewichtigen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte des Betroffenen dar. Bei leichten Taten wiegt nicht das Interesse an Aufklärung weniger, sondern das Persönlichkeitsrecht des Überwachten wiegt mehr. Es ist eine Frage der Verhältnismässigkeit.
    • Hayek1902 25.01.2020 10:08
      Highlight Highlight Falls man sich dafür interessiert, empfehle ich diesen artikel. Ist us recht, aber die Idee ist die selbe https://en.wikipedia.org/wiki/Fruit_of_the_poisonous_tree?wprov=sfla1
  • DanielaK 24.01.2020 14:07
    Highlight Highlight Wenn ich so lese was da an Indizien zusammenkam... da lag wohl so ziemlich alles im argen...😱

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