Schweiz
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Bundesgericht spricht erstmals Fluglotsen für Beinahe-Crash schuldig



ZUR KONTROLLE DES LUFTVERKEHRS AM FLUGHAFEN ZUERICH STELLEN WIR IHNEN HEUTE DONNERSTAG, 29. MAI 2014, NEUES BILDMATERIAL ZU SKYGUIDE ZUR VERFUEGUNG --  Ein Mitarbeiter von Skyguide blickt mit einem Feldstecher auf das Flugfeld, bei Skyguide im Tower des Flughafen Zuerich Kloten, aufgenommen am 10. April 2014. Im Tower am Flughafen Zuerich ueberwachen Flugverkehrsleiter der Skyguide die Rollmanoever, Starts und Landungen und den Verkehr in unmittelbarer Naehe des Flughafens Zuerich, in der Kontrollzone mit einem Radius von etwa 20 km um den Flughafen. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Ein Fluglotse im Tower am Flughafen Zürich. Bild: KEYSTONE

Das Bundesgericht stützt die Verurteilung eines Skyguide-Fluglotsen wegen fahrlässiger Störung des öffentlichen Verkehrs. Damit ist in der Schweiz erstmals die Verurteilung eines Fluglotsen bestätigt worden.

In seinem Urteil hält das Bundesgericht fest, dass der Mann eine konkrete Gefährdung geschaffen und seine Sorgfaltspflichten verletzt habe. Das Bundesstrafgericht hatte ihn im Mai vergangenen Jahres deshalb zu einer bedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu 300 Franken verurteilt.

Das Urteil bezieht sich auf einen Zwischenfall im April 2013. Eine Ryanair-Maschine bat den Tower wegen erwarteter Turbulenzen auf eine andere Flughöhe steigen zu dürfen. Dabei nannte der Pilot sein Funkrufzeichen nicht. Der Fluglotse fragte nicht nach und erteilte einem anderen Ryanair-Flugzeug die Erlaubnis zu steigen. Dieser Pilot reagierte nicht auf diesen Funkspruch.

Hingegen bedankte sich der erste Pilot für die Erlaubnis steigen zu dürfen. Als er zum Steigflug ansetzte, löste das Konfliktwarnsystem am Boden wegen eines sich anbahnenden Konfliktes zwischen der ersten Ryanair-Maschine und einem Flugzeug der Air Portugal einen Alarm aus.

Der geringste Abstand zwischen den beiden Flugzeugen betrug horizontal 1,5 Kilometer und vertikal 198 Meter. Der vorgeschriebene Mindestabstand beträgt 9,26 Kilometer horizontal und rund 305 Meter vertikal.

Der Verurteilte argumentierte vor Bundesgericht, dass nie eine konkrete Gefahr bestanden habe, weil sich die Flugbahnen der beiden involvierten Maschinen nicht gekreuzt hätten. Dieses Argument lässt das Bundesgericht jedoch nicht gelten, weil auch unerwartete Einflüsse zu erwarten seien.

Die Skyguide ist vom Urteil des Bundesgerichts enttäuscht, wie das Unternehmen in einer Medienmitteilung vom Donnerstag mitteilt. Es werde alles unternommen, um Fehler zu verhindern und Systeme zu verbessern. Dennoch könnten menschliche Fehler nie völlig ausgeschlossen werden.

Um das System stetig verbessern zu können, sei eine gelebte «Sicherheitskultur» entscheidend. Dies ermögliche es, Fehler zu melden, ohne disziplinarische Konsequenzen befürchten zu müssen, sofern diese nicht mutwillig oder grobfahrlässig begangen worden seien.

Auch im vorliegenden Fall habe der Flugverkehrsleiter den Vorfall gemeldet, wodurch eine externe Untersuchung eingeleitet worden sei. Gerichtsprozesse wie dieser erhöhten die Flugsicherheit nicht, schreibt das Unternehmen weiter.

(Urteil 6B_1220/2018 vom 27.06.2019)

(sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Helvetiavia Philipp 05.07.2019 09:06
    Highlight Highlight Funkkommunikation wird immer zurückgelesen. Beispiel:
    Pilot: "Swiss 1234, erbitte Steigen auf Flugfläche 300"
    ATC: "Swiss 1234, Steigen Sie auf Flugfläche 300"
    Pilot: "Steige auf Flugfläche 300, Swiss 1234"

    Wenn also der Pilot sein Callsign nicht nennt und der ATC einem anderen die Freigabe erteilt (unter Nennung dessen Kennzeichen), so ist es auch der Fehler des Piloten, der den Befehl zu Unrecht ausführt. Natürlich sollte der Lotse das beim Readback das falsche Callsign erkennen.

    Flugfunk ist 60-jahre alte, analoge Technologie. Da passieren Fehler, insb. mit Überlagerungen.
  • Dick Tracy 05.07.2019 00:58
    Highlight Highlight Sündenbock bestimmt, aber leider nichts zum Lernen aus diesem Zwischenfall beigetragen. Und gleichzeitig einige gute Fluglotsen und Lotsenanwärter abgeschreckt - wie soll das bitte zu unser aller Sicherheit in der Luft beitragen? 🤔
  • Keller101 04.07.2019 22:37
    Highlight Highlight Juristen leben leider in einer Parallelwelt. Wenn die Jungs einer Arbeit im eigentlichen Sinne nachgehen würden dann würden sie eventuell einen gesunden Menschenverstand entwickeln. Rumsitzen und sinnentleerte Texte zu entwerfen, ist nicht gut für die Birne.
    • Astrogator 05.07.2019 10:11
      Highlight Highlight Das Problem, Leute mit alltäglichen Bürojobs - dazu gehören auch Juristen - können nicht nachvollziehen wie es ist in einem Job zu arbeiten in dem man nicht einfach mal einen Entscheid aufschieben und überdenken kann. Der Lotse kann nicht einfach "Pause" drücken, rasch einen Kaffee trinken und über die Situation nachdenken. Er muss zu jedem Zeitpunkt sofort nach bestem Wissen und Gewissen handeln.
      Hätte die Anklage auch Bestand vor Gericht gehabt wenn der Staatsanwalt jedes Dokument nur einmal hätte lesen dürfen und dann ohne Pause die Anklageschrift ohne Korrekturmöglichkeit verfasst hätte?
  • Hallosager 04.07.2019 22:37
    Highlight Highlight Congrats. Ein weiterer Berufsstand an die Wand gefahren. Grossen Respect an die tägliche Leistung, welche die Jungs und Mädels da jeden Tag bringen. Bei dem Flugverkehr über der Schweiz und dem nahen Grenzland, eine strapazierende Aufgabe! 👍
  • Noach 04.07.2019 22:31
    Highlight Highlight Das kann ich nun wirklich nicht verstehen, das ist einfach nur dumm.
  • Bowell 04.07.2019 22:02
    Highlight Highlight Hat der verurteilte Fluglotse den Vorfall selber gemeldet, haben die Piloten den Vorfall gemeldet oder merkt das System die unterschrittenen Distanzen und meldet es automatisch?
    • flying kid 04.07.2019 22:12
      Highlight Highlight Fluglotse und Piloten haben den Vorfall selber gemeldet.
      Wie es sich in einer funktionierenden "just culture" gehört.
      Aber diese wurde soeben zerstört.
    • Dick Tracy 05.07.2019 00:49
      Highlight Highlight Der Fluglotse hat den Vorfall gemeldet, einer der Piloten auch. In Fliegerkreisen und anderen High Reliability Organisationen ist bekannt, dass beim Auftreten von Fehlern Transparenz zum Lernen unabdingbar ist; die schweizerische Gesetzgebung und nun unsere Justiz gewichten die Bestrafung des "Störefrieds" offensichtlich höher 😟
    • Astrogator 05.07.2019 01:53
      Highlight Highlight Der Lotse hat selbst Meldung gemacht.
  • Digichr 04.07.2019 20:24
    Highlight Highlight Was passiert, wenn ein Bundesrichter mal einen Fehler macht und dann sogar Menschen sterben?
  • Selbst-Verantwortin 04.07.2019 19:33
    Highlight Highlight Diese Bundesrichter verantworten damit wohl zukünftige Unfälle, weil sie die Fehlerkultur zerstörten.
    Aber wahrscheinlich verstecken sie ihr Gewissen hinter Paragraphen.
  • Justmyopinion2 04.07.2019 17:18
    Highlight Highlight Ich glaube der Weg geht hier eindeutig in die falsche Richtung. Fehler sind menschlich und passieren in jedem Bereich unseres Lebens. Durch diese Verurteilung besteht nun die Gefahr, dass Fehler nicht mehr aufgearbeitet, sondern unter den Teppich gekehrt werden. Dies wiederum führt dazu, dass aus Fehlern nicht mehr gelernt werden kann. Zusätzlich erhöht sich der Druck enorm und macht den ohnehin schon schwierig zu besetzenden Job noch unattraktiver.
  • Sagittarius 04.07.2019 16:58
    Highlight Highlight Hier ist es also... Das lang ersehnte Urteil. Dieser Schuss wird nach hinten losgehen!
  • Das Ding 04.07.2019 16:45
    Highlight Highlight Das ist sowas von unverständlich! Hut ab für die, die diesen Job machen. Hoffe das dies ein Einzelfall war & bleibt!
  • desmond_der_mondbaer 04.07.2019 16:28
    Highlight Highlight Gibt nicht viele Berufe, bei welchen du für einen Fehler direkt angeklagt wirst.. 🤔
  • Tobi-wan 04.07.2019 16:14
    Highlight Highlight Ein katastrophales Urteil... nun steht jeder Fluglotse und bald wohl auch Pilot mit einem Bein im Gefängnis. Ade Fehlerkultur!
    • derEchteElch 04.07.2019 23:28
      Highlight Highlight Tja.. 🤷🏻‍♂️ auch Polizisten sehen sich auch immer wieder mit Gerichtsprozessen konfrontiert, weil eine Entscheidung innert Sekunden getroffen werden musste und Gerichte dafür mehrere Jahre Zeit haben..

      Warum sollte es einem Fluglotsen nicht anders ergehen?

      Übrigens:
      Ein horizontaler Abstand von 1.5km zu 9.26km und vertikal von 198m zu 305m sind schon recht massive Unterschreitungen, das lässt sich nicht verharmlosen.
    • Tobi-wan 05.07.2019 06:37
      Highlight Highlight Es geht nicht um Verharmlosung. Der Lotse hat den Fehler gemeldet, damit Skyguide eruieren kann was falsch gelaufen ist und es künftig nicht mehr passiert. Das kann auch Massnahmen für den Lotsen bedeuten. Skyguide ist da nicht zimperlich. Nun melden sie es halt nicht mehr, kehren Fehler unter den Teppich. Das hilft gar niemandem, am wenigsten der Sicherheit.
      Aber offenbar will der Staatsanwalt Karriere machen.
  • Uglyman 04.07.2019 16:02
    Highlight Highlight Jeder LKW Fahrer wird gebüsst wenn eine Stoppstrasse übersieht. Ob dabei jemand geschädigt wird oder eben nicht.
    Für Fluglotsen dürfen keine anderen Gesetze gelten.
    • Dominik Hauser 04.07.2019 17:04
      Highlight Highlight Ein schlechter Vergleich! Kein LKW- Fahrer wird sich danach beim Strassenverkehrsamt melden, sein Malheur erzählen und dann zusammen mit dem StvA besprechen was man an besagter Stelle besser signalisieren könnte, damit dem nächsten Fahrer nicht dasselbe passiert. Dies wird aber in der Luftfahrt so gelebt, zur Vermeidung zuküftiger Fehler und zur Verbesserung unserer aller Sicherheit in der Luft...
    • Chääschueche 04.07.2019 18:25
      Highlight Highlight Du vergleichst nicht ernsthaft einen LKW-Chauffeur mit einem Fluglotsen, oder?

    • Jekyll & Hyde 04.07.2019 18:40
      Highlight Highlight Das es aber ein Unterschied gibt zwischen einem Verkehrsvergehen das mit einer Busse von max. Fr 250.-- oder einer bedingten Geldstrafe die im Strafregister eingetragen wird, ist dir bekannt ?

      (Unter Vorbehalt das mein Wissen noch Aktuell ist.)
    Weitere Antworten anzeigen
  • qolume 04.07.2019 15:44
    Highlight Highlight Das ist ein ganz schlechtes Zeichen für die Sicherheit im Flugverkehr. Dadurch werden gemachte Fehler nicht mehr gemeldet, wie die Kultur zur Zeit gelebt wird, sondern es wird alles unter den Teppich gekehrt weil man ja bestraft werden könnte. Das hilft nicht um aus Fehlern zu lernen. IMHO ein gefährliches Urteil!
  • Garp 04.07.2019 15:28
    Highlight Highlight Das dürft es dann noch schwieriger machen, Leute zu finden, die diesen eh schon belastenden und schwierigen Beruf ausüben möchten.
  • Scaros_2 04.07.2019 15:19
    Highlight Highlight Sehr schlecht! Damit wird der Beruf per sofort extrem unatraktiv.

    Fehler passieren und Fehler sind menschlich. Wenn also nun für menschlich sein eine Strafe absehbar ist, würd ich den Job ned machen wollen. Sie leisten heute bereits ungemein viel diese Menschen wovon wir nie was mitbekommen.
    • Bowell 04.07.2019 22:06
      Highlight Highlight In vielen Berufen können Fehler verherende Konsequenzen oder sogar Todesfolgen haben. Ich sehe nicht ein warum die Verurteilung dazu führen soll, dass Fehler nicht mehr gemeldet werden. Die Piloten hatten ja eine Kollisionswarnung und hätten/haben sicher auch eine Meldung gemacht. Mindestabstände sind nicht zum Spass da sondern haben ihre Berechtigung. Im Nachhinein zu sagen, dass ja eh nichts passiert ist finde ich ehrlich gesagt äusserst bedenklich. Ja, Fehler werden gemacht, das ist menschlich, aber das darf nicht immer vor Strafe schützen.
    • derEchteElch 04.07.2019 23:27
      Highlight Highlight Tja.. 🤷🏻‍♂️ auch Polizisten sehen sich immer wieder mit Gerichtsprozessen konfrontiert, weil eine Entscheidung innert Sekunden getroffen werden musste und Gerichte dafür mehrere Jahre Zeit haben..

      Warum sollte es einem Fluglotsen nicht anders ergehen?

      Übrigens:
      Ein horizontaler Abstand von 1.5km zu 9.26km und vertikal von 198m zu 305m sind schon recht massive Unterschreitungen, das lässt sich nicht verharmlosen.

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