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Feuerteufel im Exklusivgespräch: Der Brandstifter hat mitgelöscht

Feuerteufel von Solothurn
Der damals 17-jährige Jan. G. an der Pnos-Demo in Basel 2018.Bild: Kurt Pelda

Feuerteufel im Gespräch: Der Brandstifter hat mitgelöscht

Der Feuerteufel von Solothurn hat zugegeben, 14 Brände gelegt zu haben. Mit seiner rechten Gesinnung habe das aber nichts zu tun, sagt er im Gespräch.
23.05.2026, 13:1623.05.2026, 14:07
Kurt Pelda / ch media

Seit etwa zehn Jahren sei er Mitglied der Jungen SVP, sagt Jan G., der Feuerteufel von Solothurn. Und:

«Offiziell bin ich nicht [aus der Jungen SVP] ausgetreten.»

Er fühle sich wohl in der Partei und bewundere Christoph Blocher. Doch Jan G., der bald 25-jährige Brandstifter, flirtet auch mit Gruppen, die weit rechts von der SVP angesiedelt sind.

Das erste Mal habe ich ihn als 17-Jährigen gesehen – an einer Demonstration der Partei national orientierter Schweizer (Pnos) in Basel gegen den Uno-Migrationspakt. Etwas verloren stand der junge Mann in einem Häufchen Rechtsradikaler, die von mehreren Tausend linksextremen Gegendemonstranten in die Ecke gedrängt worden waren.

Rufer nach Recht und Ordnung

Seither sind fast acht Jahre vergangen, und der gelernte Logistiker ist an verschiedenen Manifestationen von Corona-Massnahmengegnern aufgefallen, zum Beispiel an einem von der rechtsextremen Jungen Tat angeführten Protestzug in der Berner Innenstadt 2022. Wie an fast allen Demonstrationen, an denen er teilnahm, schwenkte er dort eine Schweizerfahne. Er lief in einigem Abstand zu den vermummten Rechtsradikalen mit.

Der schmächtige Mann kommt auf einem schwarzen E-Trottinett an. Es ist dasselbe Teil, das er auch bei Brandstiftungen als fahrbaren Untersatz benützt hatte. Er meinte scherzend:

«Ja, ich habe an dieser Pnos-Demo teilgenommen, weil ich gegen den Uno-Migrationspakt war. Ich hatte aber nie Kontakt zu den Pnos-Leuten gesucht oder an weiteren Anlässen teilgenommen. So gesehen habe ich mich seither deradikalisiert.»

Aber offenbar kam es Jahre später zu einer Radikalisierung der anderen Art. In den sozialen Medien rief er zu Recht und Ordnung auf, er verbreitete Communiqués der Kantonspolizei und enervierte sich über Vandalenakte von Sprayern oder Gewalttaten in Solothurn:

«Ich habe auch immer wieder freiwillig Sprayereien und Kleber entfernt, weil ich eine schöne und saubere Stadt wollte.»

Wie sei all das damit zu vereinbaren, dass er dann selber schwere Straftaten verübte? Jan. G. lächelt verlegen und gibt zu, dass er dafür keine befriedigende Erklärung habe. Er betont:

«Ich bereue aufrichtig, was ich getan habe. Mir ist es eigentlich nie ums Zerstören gegangen.»

Wollte nicht alleine sein

Für seine Brandanschläge habe er anfänglich Abbruchliegenschaften und «wertlose Gegenstände» ausgewählt.

«Ich verwendete keine Brandbeschleuniger, sondern Holzwolle und Kerzen. Ich wollte, dass es brennt und wir als Feuerwehrleute den Brand rasch löschen und so in der Öffentlichkeit gut dastehen konnten.»

Denn Jan G. war freiwilliger Feuerwehrmann.

Nach seiner Verhaftung im Januar hätten ihm die Ermittler eine Liste von 31 Bränden vorgelegt. «14 davon, im Zeitraum 2024 bis Januar 2026, waren meine Brandstiftungen, die habe ich gestanden», erzählt er weiter. Aber das Motiv habe nichts mit seinen politischen Ansichten zu tun: In 11 oder 12 Fällen sei er als Feuerwehrmann selber an der Löschung beteiligt gewesen. Dabei hat er nach eigenen Angaben auch den Löschschlauch bedient und Fahrzeuge chauffiert, darunter das Auto der Einsatzleitung.

«Es war ein Adrenalin-Kick, mit Blaulicht durch die Stadt zu fahren, ein extrem schönes Gefühl.»

Er konnte in der Gruppe etwas Gutes tun – aber nur indem er seine eigenen Taten ausblendete. Wenn es brannte, hatten er und seine Kameraden etwas zu tun.

«Und ich musste am Wochenende nicht allein sein.»

Ausschluss oder Austritt aus der SVP absehbar

Offenbar scheint es in der Region Solothurn noch einen anderen Feuerteufel zu geben, denn auch in den rund zwei Monaten, in denen Jan. G. in Untersuchungshaft sass, kam es zu mindestens einer weiteren Brandstiftung.

«Die Medien wussten am Anfang nicht, dass es neben mir noch einen anderen Täter geben muss, und sprachen deshalb von einer Serie. Das hat mich zu Beginn motiviert, weiter zu machen. Was ich aber am meisten bereue, ist, dass ich irgendwann anfing, Leute direkt zu schädigen, indem ich Autos anzündete. Das tut mir heute extrem leid. Bei Gebäuden, die ohnehin abgerissen werden, fand ich es damals weniger schlimm.»

Für sein Mitlaufen bei der Jungen Tat zahlte er einen hohen Preis. Er zeigt mir Fotos von Sprayereien in Solothurn, die ihn zum Beispiel als Nazi-Schwein und Hurensohn brandmarkten oder Drohungen enthielten. Auch das Haus seiner Eltern hätten mutmassliche Linksradikale verschmiert, und einmal sei er von acht Vermummten angegriffen worden. All dies sei aktenkundig, und die Kantonspolizei habe unter anderem das Bedrohungsmanagement eingeschaltet.

Als die Polizei im Januar seine Wohnungstür aufbrach, versuchte Jan G. zu flüchten und stürzte sich vom Balkon acht Meter in die Tiefe. Er wurde schwer verletzt und kam ins Berner Inselspital, wo er zweimal operiert wurde. Nach seinem Geständnis wurde er nach zwei Monaten aus der Untersuchungshaft entlassen. Die Staatsanwaltschaft ordnete sogenannte Ersatzmassnahmen an, doch weder der Feuerteufel noch die Behörden wollten erläutern, worin diese genau bestehen. Jedenfalls war es Jan G. erlaubt, ausserhalb des Kantons an einer Demonstration wie jener in Luzern mitzumachen.

Ich habe mich in verschiedenen Kreisen umgehört, und der Befund von Dritten ist ähnlich wie mein persönlicher Eindruck: Der schüchterne Solothurner sucht Anschluss und ist eher ein Mitläufer als ein hartgesottener Rechtsradikaler. Als Feuerwehrmann wollte er «nach Löschaktionen gut dastehen», ein politisches Motiv scheint es nicht zu geben. Die SVP will ihn nach der Verurteilung nicht mehr in der Partei haben, schon jetzt sei er nicht mehr in den Gruppenchats und werde nicht mehr zu Veranstaltungen eingeladen. Wann sein Prozess stattfindet, ist noch unklar. Anfang Juni wolle er den vorzeitigen Strafvollzug antreten, sagt Jan G. beim Abschied. (aargauerzeitung.ch)

Video: watson/emanuella kälin
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28 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Squawk 7700
23.05.2026 13:40registriert Mai 2025
«Und ich musste am Wochenende nicht allein sein.»

Und die anderen mussten ihre Familien verlassen und sich der Gefahr aussetzen, nur weil er keine Kollegen hat.
Selbstredend, dass er auch mit den Asozialen Massnahmen- und Impfgegner mitgelaufen ist.
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K.A.T.E.R
23.05.2026 14:01registriert Februar 2025
Dieser junge Mann bräuchte wohl dringend Hilfe und nicht einen Reporter der sein Bedürfnis "jemand zu sein" weiter nährt.

hat der keinen Beistand der ihn vor so etwas bewahrt?
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KannNichtViel
23.05.2026 13:53registriert Februar 2025
«Und ich musste am Wochenende nicht allein sein.»

man könnte auch einfach einem Sportverein beitreten, da wird Samstags häufig irgendwo gespielt und muss nicht fremdes Eigentum anzünden und anderen ihr Wochenende stören.
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