Schweiz
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Polizei bei der Reitschule in Bern, nach einer Demonstration, am Samstag, 25. Februar 2017. Bei der Protestkundgebung am Samstagabend sind mehrere Personen verletzt worden. Ein Grossaufgebot der Polizei war im Einsatz. Nach der gewaltsamen Raeumung eines besetzten Hauses an der Effingerstrasse am letzten Mittwoch hatte die Gruppe

Nach der Demonstration am 25. Februar 2017 bei der Reitschule. Bild: KEYSTONE

6 Krawalle in Bern und immer das gleiche Muster – ein kleines Einmaleins 

Da sind sie wieder, die Ausschreitungen «rund um die Berner Reitschule» und die Debatten über den Fortbestand des Kulturzentrums. Die Eskalationsspirale läuft jedes Mal ähnlich: Chaoten werden früher oder später in der Reitschule verortet, die Polizei fordert härteres Vorgehen und die fleissigsten Kritiker der Reitschule deren Schliessung.



Dieser Artikel ist nach den Ausschreitungen rund um die Reitschule vom März 2016 zum ersten Mal erschienen und wurde um die aktuellen Ereignisse erweitert.

Februar 2017

  1. Politisches Vorspiel: Im Dezember zieht das Kollektiv «Oh du Fröhliche» in ein leerstehendes Gebäude an der Effingerstrasse in Bern – es will damit für günstigen Wohnraum protestieren. Noch im selben Monat erhalten die Besetzer ein Ultimatum, das sie verstreichen lassen. Im Februar hat das Bundesamt für Bauten und Logistik, das die Liegenschaft besitzt, genug – von einem Zivilgericht lässt es grünes Licht geben für einen Räumungseinsatz der Polizei.
  2. Scharmützel: Die Besetzung endet turbulent: Am Mittwoch, 22. Februar, rückt die Polizei um 8 Uhr morgens mit einem Grossaufgebot an, um das Kollektiv aus dem Haus zu werfen. Die Besetzer schiessen mit Feuerwerk von den Balkonen, die Polizei mit Gummischrot auf die Fenster. Auf der Strasse kommt es zu spontanen Kundgebungen, ein Wasserwerfer markiert Präsenz. Nach dem Mittag kann die Polizei die 19 Besetzer schliesslich abführen.
  3. Eskalation: Die Räumung vom Mittwoch zieht drei Demonstrationen nach sich, wobei die Ausschreitungen vom Samstag den Höhepunkt der Auseinandersetzungen markieren. Zehn Beamte werden verletzt, ein junger Mann muss mit der Ambulanz ins Spital eingeliefert werden.
  4. Fokus Reitschule: Bereits der erste Demonstrationszug vom Mittwoch startet bei der Reitschule und endet dort. Das Kulturzentrum rückt aber erst nach den heftigen Ausschreitungen vom Samstag ins Zentrum: Die Polizei hatte die Demonstranten auf der Schützenmatte, dem Vorplatz der Reitschule eingekesselt, um einen Weiterzug in die Innenstadt zu vermeiden. Sicherheitsdirektor Reto Nause sagt gegenüber der NZZ, die Chaoten hätten sich immer wieder ins Innere des Gebäudes zurückgezogen.
  5. Politisches Nachspiel: Die rot-grüne Stadtregierung stellt sich in einer Medienmitteilung deutlich hinter den Einsatz der Polizei. Die Einkesselung der Demonstranten sei gerechtfertigt gewesen, heisst es. Zudem hätten die Ausschreitungen nichts mit allfälligen legitimen politischen Forderungen zu tun. Die Reitschule ihrerseits appelliert in einer Mitteilung an «die Vernunft aller Akteure». Man bedauere, dass das Areal rund um die Reitschule «einmal mehr» zum Austragungsort «gesellschaftlicher Konflikte» geworden sei. Klare Worte findet die JSVP: Sie fordert erneut die sofortige Schliessung der Reitschule. Auch der Polizeiverband stellt Forderungen, wenn auch nicht bezüglich Reitschule: Die Urheber der «gezielt geplanten Angriffe» gegen Polizisten müssten hart bestraft werden, fordert der VSPB und verweist auf eine entsprechende Standesinitiative des Kantons Bern.

Krawalle vor der Reitschule:

März 2016

  1. Politisches Vorspiel: «Der Bund» schreibt am 2. März, die Reitschule fürchte sich um die Sicherheit der Besucher. Die Veranstalter beklagen eine Häufung von Vorfällen und erhöhen das Sicherheitsdispositiv. Polizeichef Manuel Willi seinerseits beschuldigt die Reitschule, Opfern von einer Anzeige abzuraten. Es brauche eine erhöhte Präsenz der Polizei, doch diese könne kaum auf der Schützenmatte anrücken, ohne angegriffen zu werden.
  2. Scharmützel: Zwei Tage später, am Freitag 4. März, fährt die Polizei mit rund 30 Einsatzkräften in orangen Westen und Schutzhelmen auf der Schützenmatte auf, markiert Präsenz, kontrolliert Personen. Die Reitschule ist über den Einsatz informiert, jedoch nicht begeistert: Sie warnt vor allfälligen Provokationen vonseiten der Polizei. Der Einsatz verläuft zunächst ruhig, gegen 23 Uhr formiert sich aber ein Gegenprotest. Die Demonstrierenden tragen Transparente («Rassisten aufs Maul») bei sich. Die Polizei bestellt Verstärkung ein, sperrt einen Teil der Schützenmatte ab und setzt Gummischrot ein.
  3. Eskalation: In der Nacht darauf errichtet eine Gruppe Unbekannter am Bollwerk Strassenbarrikaden und zündet sie an. Polizei und Feuerwehr rücken an und werden umgehend angegriffen. Im Gegenzug setzt die Polizei Gummischrot und Tränengas ein. Elf Polizisten werden verletzt.
  4. Fokus Reitschule: Die Meldung über die Proteste am Freitag wird nicht über die Grenzen Berns getragen. Erst als es am Samstag eskaliert und die Polizei mitteilt, die Chaoten hätten sich in die Reitschule zurückgezogen, gerät das Kulturzentrum in den Fokus.
  5. Politisches Nachspiel: Auf der linksautonomen Politplattform Indymedia kritisieren die Aktivisten den «Präventiveinsatz» der Polizei: Zum wiederholten Male hätten «behelmte, vermummte und mit Gummischrotgewehren bewaffnete Cops» auf der Schützenmatte und vor der Reitschule «provoziert». Die Polizei ihrerseits kritisiert die Reitschule. Die Vermummten hätten Zuflucht im Innern des Clubs gefunden, beklagt Polizeichef Willi. SVP-Nationalrat Erich Hess rührt die Trommel für seine Anti-Reitschul-Initiative.

Aufnahmen aus dem Film «Welcome to Hell»

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Video: YouTube/Burn in Hell

Oktober 2015

  1. Politisches Vorspiel: Es geht um die Durchführung der Chilbi auf der «Schütz»: Die Stadt will den Schaustellern Geld überweisen, damit diese selber für ein Sicherheitsdispositiv sorgen können. Es hagelt Kritik: Die Stadt wolle sich freikaufen, Sicherheitsdirektor Reto Nause kapituliere. Gegenüber der «Berner Zeitung» signalisiert dieser Frustration. Theoretisch wäre eine 24-Stunden-Polizeipatrouille nötig, doch diese «würde dann wieder von manchen Leuten als Provokation angesehen werden.» Der Sicherheitsdienst der Reitschule müsse die Verantwortung übernehmen.
  2. Scharmützel: Als die Antifa Bern einen «Abendspaziergang» ankündigt, ist die Polizei mit einem Grossaufgebot zur Stelle. Die Demonstration wird im Keim erstickt – einzelne Petarden werden gezündet.
  3. Eskalation: Wenige Tage später, es ist Freitagabend, kommt es in der Neubrückstrasse zu einer Graffiti-Attacke auf einen Bernmobil-Bus. Im Januar 2016 wird die Sprayer-Gang 031 mit einem Bekennerschreiben die Verantwortung dafür übernehmen. Gemäss Mitteilung der Polizei werden die Einsatzkräfte bei ihrem Eintreffen unverzüglich angegriffen. Die Polizei antwortet mit Gummischrot.
  4. Fokus Reitschule: Die Vermummten hätten sich nach dem Angriff auf den Bus rasch ins Innere der nahen Reitschule zurückgezogen, teilt die Polizei mit. Auch für die Antifa-Aktivisten wurde das Kulturzentrum als Rückzugsort genutzt.
  5. Politisches Nachspiel: Erich Hess' Stunde schlägt: Für den SVPler ist klar: Wer solche «Attacken» in Zukunft verhindern will, muss sofort die kantonale Initiative gegen die Reitschule unterschreiben. Der linke Stadtrat Manuel C. Widmer kritisiert die Sprayer massiv: Sie würden sich wie mittelalterliche Wegelagerer mit einem massiven Testosteronüberschuss verhalten. Natürlich könne man nachher in der Menge des Vorplatzes untertauchen.

Erich Hess' Lieblings-Sorgenkind: die Reitschule

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Video: YouTube/Sandra Schneider

Februar 2015

  1. Politisches Vorspiel: Die FDP will einen Neujahrsapéro in der Reitschule veranstalten, wird aber abgewiesen. Auf YouTube taucht im Januar ein Video auf, das einen Aktivisten in «Revolutionskluft» zeigt: Das Tutorial – vor der Reitschule gefilmt – erklärt, wie man sich für eine Demo vermummt, um von der Polizei nicht erkannt zu werden. Ins Internet gestellt hat das Video die Revolutionäre Jugendgruppe (RJG). Sie ruft zur Anti-WEF-Demo auf.
  2. Scharmützel: Ende Januar werden Streifenwagen mit Flaschen beworfen, die Anti-WEF-Demo aber verläuft ruhig – wenig Publikum und keine Zwischenfälle.
  3. Eskalation: In der Nacht auf Samstag, 20. Februar greift eine Gruppe Unbekannter die Polizeiwache der Kapo am Berner Waisenhausplatz an. Die Angreifer werfen Farbbeutel, beschmieren das Polizei-Gebäude und demolieren Fahrzeuge.
  4. Fokus Reitschule: Die Polizei schreibt in ihrem Communiqué, die Angreifer hätten sich nach den Ereignissen in die Reitschule zurückgezogen.
  5. Politisches Nachspiel: Nach dem Angriff auf die Polizeiwache schlägt der Reitschule ein rauer Wind entgegen. «Wie Militante die Reitschule okkupieren», titelt die NZZ. Gleichzeitig untersucht die «Weltwoche» den «subversiven Charme der Gewalt». Beide Texte probieren, den Extremismus der Reitschule zuzuordnen. Gleichentags nimmt eine vom Gemeinderat publizierte Studie den Empörten Wind aus den Segeln: Der Basler Soziologe Ueli Mäder lobt das Verhältnis zwischen der Reitschule und der Stadt. Gleichzeitig gibt der Gemeinderat bekannt, dass das Reitschul-Dossier ab sofort nicht mehr von Reto Nause geleitet wird, sondern von Alexander Tschäppät. Am 12. März genehmigt der Stadtrat die Kulturverträge.
ARCHIV - Jugendliche feiern mit Freibier das Abstimmungsergebnis vor der Reitschule in Bern, am Sonntag, 26. September 2010. - Die Stadtregierung arbeitet seit laengerem an einem Massnahmenpaket, um die Gewalt im Umfeld der Reitschule einzudaemmen. Als

Die Reitschule an einem friedlichen Tag. Bild: KEYSTONE

September 2014

  1. Politisches Vorspiel: Ein offener Brief der Reitschule an den Gemeinderat über Vandalismus und Sprayereien in der Grossen Halle sorgt für Knatsch: Der Brief wird den Medien gesteckt, bevor ihn alle Beteiligten erhalten haben. Fritz Brönnimann, Mitglied des Vorstands Grosse Halle sagt, in der Reitschule werde darüber geschwiegen, dass eine Gruppe von Personen die Arbeit im Kulturzentrum sabotiere. Häufig genannt wird in diesem Zusammenhang die Sprayer-Gang 031. Im gleichen Monat kündigen die Behörden an, den Vorplatz umgestalten und die Grosse Halle sanieren zu wollen. Kritiker vermuten dahinter eine schleichende Schliessung der Reitschule.
  2. Scharmützel: Die Stimmung ist aufgeheizt: Linke verkünden eine Kundgebung und an den Übertragungen der Europameisterschaft-Spiele sollen Besucher gegen das Abgeben einer Flagge ein Bier bekommen. Die Polizei kritisiert, die Veranstalter riefen damit zum Fahnenklau auf.
  3. Eskalation: Am 28. September schieben mehrere Unbekannte im Bereich der Unterführung bei der Schützenmatte Container auf die Strasse. Die Schützenmatte wird blockiert. Beim Eintreffen der Polizei zünden Vermummte einen Teil der Barrikaden an. Die Einsatzkräfte antworten mit Gummischrot – vier Polizisten werden verletzt, vermutlich noch weitere Personen. 
  4. Fokus Reitschule: Passiert ist der Vorfall am Rande der von der Stadt bewilligten Party «Brückenkinder» unter dem SBB-Viadukt. In den sozialen Medien bedauern die Partybesucher, dass der Anlass wegen der Angriffe auf die Polizei beendet werden musste. Der Link zur Reitschule scheint für die Behörden auf der Hand zu liegen.
  5. Politisches Nachspiel: FDP-Gemeinderat Alexandre Schmidt fordert die temporäre Schliessung der Reitschule. Er spricht von einem «gravierenden und erschreckenden» Vorfall. Die Regierung gibt sich kleinlaut – man sei sich bewusst, dass einiges verbessert werden müsse. Die Reitschule ruft Krawallmacher zur Mässigung auf.

Das «Vermummungs-Tutorial»

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Video: YouTube/Revolutionäre Jugendgruppe

Dezember 2013

  1. Politisches Vorspiel: Vor der Reitschule wird im Oktober ein Linienbus angehalten, attackiert und versprayt. Gemäss «Bund» kommen die Täter «aus dem Umfeld von 031». Nause, der eben noch Bedenken geäussert hatte, dass die Sprayer-Gang 031 ihren Einfluss in der Reitschule vergrössern wolle, hält sich nun nicht mehr zurück: Die Schuld an der Attacke weist er dem Sicherheitsdienst der Reitschule zu. Die Kritik ist gerade erst verklungen, als das Theater im Dezember erneut losgeht.
  2. Scharmützel: Am Donnerstag, 12. Dezember, führt die Polizei im Raum Schützenmatte eine Drogenrazzia durch. Es kommt zu einzelnen Scharmützeln. Die Reitschule kritisiert die Polizei für den Grosseinsatz. Er sei unverhältnismässig und rassistisch motiviert gewesen.
  3. Eskalation: In der Nacht auf Freitag kommt es zu einem Farbanschlag auf das Regionalgefängnis. Die Polizei selbst geht davon aus, dass dies eine Reaktion auf die abendliche Kontrolle bei der Reitschule war. In der Nacht auf Sonntag errichten Jugendliche mehrere Strassensperren – laut einem anonymen Aktivisten als Reaktion auf die Drogenrazzia. Beim Einsatz werden drei Polizisten verletzt.
  4. Fokus Reitschule: Die Polizei teilt nach den Ereignissen mit, die Aktivisten hätten sich immer wieder in die Reitschule zurückgezogen und bringt den Farbanschlag auf das Gefängnis mit der Drogenrazzia in Verbindung.
  5. Politisches Nachspiel: Nause fordert eine politische Antwort. Der Gemeinderat will prüfen, ob eine Verletzung des Leistungsvertrags vorliegt. Bis die Fragen geklärt sind, werden allfällige Zahlungen eingefroren. Die Reitschule ihrerseits wirft der Polizei Grundrechtsverletzungen vor. So sei die Kontrolle nach einem «rassistisch definierten Schema» durchgeführt worden. Ferner hätten sich die Zivilpolizisten auch auf Nachfrage nicht ausgewiesen, Gäste bis auf die Toiletten verfolgt und Besucherinnen und Besucher des Restaurant Sous le Pont am Eintreten und Verlassen des Restaurants gehindert. Zudem wirft die Mediengruppe der Polizei vor, ohne Vorzeigen eines Durchsuchungsbefehls in Nebenräume der Reitschule eingedrungen zu sein.

November 2012: Video zeigt die Spezialeinheit Krokus auf der Schützenmatte

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Video: YouTube/CopwatchTV Reitschule Bern

Die Reitschul-Krawalle können beliebig weit zurückverfolgt werden – das Muster ist immer dasselbe: Das Kulturzentrum kritisiert das Auftreten der Polizei, diese den mangelnden Einsatz des Reitschul-Sicherheitsdienstes. Bei einem Einsatz der Polizei – von der Reitschule meistens als unverhältnismässig und rassistisch motiviert kritisiert – kommt es zu Auseinandersetzungen, die zwar nicht immer im Umfeld der Reitschule verortet werden können, jedoch von Polizei und Behörden dem Milieu zugesprochen werden. Die Diskussion um das Aufrechterhalten des Kulturzentrums entflammt, bis die Kritik verklingt und entweder Polizei oder Krawallbrüder den Streit von Neuem antreten. 

Verlieren tut jedes Mal die Reitschule, die sich ihre Legitimation wieder erkämpfen muss. Gewinner sind Gruppierungen wie 031, die zwar Anschläge verüben und Polizisten verletzen, jedoch im Lärm der Debatte um das Kulturzentrum vergessen gehen.

Ein Graffiti der gewaltbereiten Jugendgang

Sprayerei der Gang 031. Ihre wichtigste Botschaft: «Fuck the Police». Bild: KEYSTONE

Chronologie

Juli 2013: Vor der Berner Reitschule kommt es zu einer Strassenschlacht. Vermummte haben zuvor von der Reitschule her Besucher eines Lokals auf der anderen Strassenseite mit Flaschen, Steinen und Feuerwerkskörpern beworfen.

Juni 2013: Eine Gruppe versprayt ein Tram im Weissbühl und verletzt den Chauffeur mit Pfefferspray.

Mai 2013: Die «Tanz dich frei»-Demo eskaliert.

April 2013: Die Polizei vermeldet, dass es seit Anfang März «im Raum Schützenmatte und Reitschule» zu neun Angriffen gegen Fahrzeuge und Beamte gekommen ist. Immer sei die Reitschule der Rückzugsort für die Angreifer.

März 2013: Am 25. März wollen Mitarbeiter von Verkehrs- und Abschleppdienst auf der Schützenmatte ein falsch parkiertes Auto abschleppen. Die werden von der Reitschule her mit Flaschen beworfen. Die vermummten Angreifer flüchten in die Reitschule.

Oktober 2012: Polizeiautos werden in der Nacht auf den 7. Oktober bei der Reitschule mit Flaschen und Steinen beworfen. Die Polizei spricht von «unhaltbaren Zuständen» bei der Reitschule. Mitte Monat führt die Polizei eine Grosskontrolle in der Reitschule durch. Wenige Tage später wird auf dem Vorplatz der Reitschule zur Gewalt gegen die Polizei aufgerufen. «Kill more cops» (Töte mehr Polizisten), steht vor dem grossen Tor geschrieben. Eine selbst ernannte «Stadtguerilla» bekennt sich zu den Flaschenwürfen gegen Polizisten. Die Betreiber der Reitschule wollen die Gewaltaufrufe nicht entfernen. Die Stadt putzt den Vorplatz. Ende Oktober passiert erneut ein Farbanschlag auf einen Streifenwagen.

September 2012: In der Nacht vom 7. auf den 8. September fliegen mit Farbe gefüllte Flaschen von der Reitschule gegen ein Patrouillenfahrzeug der Kantonspolizei. Eine Woche später rückt die Polizei wegen eines zugeparkten Autos auf die Schützenmatte aus – und wird von 20 Vermummten vom Vorplatz der Reitschule aus attackiert. Der Routineeinsatz endet mit brennenden Strassenblockaden und zwei verletzten Polizisten.

März 2012: Als eine Polizeipatrouille in der Nacht auf den 4. März beim Bollwerk an einem Rotlicht hält, wird das Fahrzeug mit Steinen beworfen. Im Lauf der Nacht versammeln sich Vermummte und werfen Knallpetarden gegen das Amthaus. Als die Polizei anrückt, ziehen sich die Vermummten in die Reitschule zurück. Von dort werfen sie Steine. Drei Polizisten werden leicht verletzt.

September 2011: Polizisten geben an, bei einem Einsatz angegriffen und festgehalten worden zu sein. Die Reitschüler konterten mit einem Video, das Polizisten zeigt, die einen gefesselten Mann würgen und gegen andere Personen Kniestösse und Reizgase einsetzen.

Die Berner Reitschule

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92 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
m:k:
08.03.2016 16:11registriert May 2014
Wirklich schade. Die Reitschule wäre doch ein toller Ort. Aber wenn man schon "autonom" sein will, müsste man auch etwas Verantwortung wahrnehmen und sicher nicht Rückzugsort und Versteck für Gewalttäter sein. Man kann nie gutheissen, wenn jemand grundlos Menschen angreift - auch nicht wenn sie politisch auf einer ähnlichen Linie sind.
Wenn "besorgte Patrioten" Flüchtlingsheime anzünden, sollte dies nicht von Rechten mit der Angst vor Fremdem entschuldigt werden und genauso wenig linksextreme Angriffe auf Polizei und Feuerwehr von Linken als Antwort auf Provokation gerechtfertigt werden.
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Against all odds
08.03.2016 16:15registriert March 2014
Die 031er ist ein Haufen nachpubertierender verwöhnter Kindsköpfe. Eine wirkliche Botschaft haben sie nicht, ein Gesicht noch viel weniger. Es würde der Reitschule gut anstehen selber ein bisschen erwachsen zu werden und sich von dieser Gruppierung zu distanzieren.
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Paraflüger
08.03.2016 15:28registriert January 2015
Unglaublich, dass eine solche Gruppierung mitten in unserer Hauptstadt toleriert wird. Das schlimmste finde ich noch, dass sie sich fragen, weshalb die Polizei mit Schutzausrüstung und Gummischrott zur Halle geht. Klar diesem Pack würde es passen, wenn sich die Polizei schutzlos verprügeln lassen würde. Unverständlich für mich ist, wie sich solche Leute als tolerant bezeichnen können.
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