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Fast 700 Zigarettenstummel: Auf diesem Spielplatz liegt am meisten Müll

686 Zigarettenstummel lagen herum: Im Froschpärkli in der Stadt St.Gallen wurde am meisten Rauchermüll gefunden.
686 Zigarettenstummel lagen herum: Im Froschpärkli in der Stadt St.Gallen wurde am meisten Rauchermüll gefunden.Bild: Verein «stop2drop»

Fast 700 Zigi-Stummel: Auf diesem Schweizer Spielplatz liegt am meisten Rauchermüll

Freiwillige haben im September 170 Spielplätze im ganzen Land von Zigarettenstummeln gesäubert. Das Fazit fällt ernüchternd aus. Jetzt fordert ein Verein die Gemeinden zum Handeln auf.
03.12.2024, 09:3103.12.2024, 09:32
Kari Kälin / ch media
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Sie liegen unter Bänken, Tischen, aber auch bei Schaukeln, Klettergerüsten oder in Sandkasten: Im September haben freiwillige Helferinnen und Helfer 170 Spielplätze in 69 Gemeinden und 22 Kantonen von Zigarettenstummel befreit. Organisiert hat die Aktion der Verein «stop2drop», der für rauchfreie Spielplätze im ganzen Land kämpft. Die frohe Botschaft vorweg: Je ein Spielplatz in Bern, Stans und Sitten war gänzlich stummelfrei.

Insgesamt fällt das Fazit der Sammelaktion aber ernüchternd aus. Im Durchschnitt lagen auf den Spielplätzen 91 Zigarettenstummel. Das sind 14 mehr als bei der letzten Säuberungsaktion im Jahr 2022. Bloss auf drei Anlagen fanden sich gar keine Stummel. Einige Spielplätze waren regelrecht vermüllt. Beim Froschpärkli in der Stadt St.Gallen lagen 686 Zigarettenstummel herum, beim Stadtteilpark Holligen in Bern 650, in Yverdon wurden an einem Ort 453 Stummel entdeckt. Eltern wissen Bescheid: Man muss sich ständig in Acht nehmen, damit die Babys und Kleinkinder die unappetitlichen Hinterlassenschaften nicht in den Mund nehmen.

Für «stop2drop»-Geschäftsführer Markus Dick ist klar: Der blaue Dunst gehört im ganzen Land von allen Spielplätzen verbannt. Erstens seien Zigarettenstummel ein erhebliches Umweltproblem. «Zweitens kopieren Kinder, was sie sehen: Wenn auf dem Spielplatz geraucht wird, erhöht sich das Risiko, dass Kinder später selbst rauchen.» Drittens sei Passivrauch für Kinder besonders schädlich. Und viertens handle es sich um kleine Giftbehälter, welche für Kinder eine besondere Gesundheitsgefahr darstellten.

Schwere Vergiftungen sind laut Tox Info Suisse, der offiziellen Informationsstelle der Schweiz für alle Fragen rund um Vergiftungen, nach sechs verschluckten Stummeln oder zwei verschluckten ganzen Zigaretten möglich. «Wenn ein Kind also weniger als zwei Zigaretten eingenommen hat und keine Symptome vorhanden sind, kann abgewartet werden», schreibt Tox Suisse. Im letzten Jahr erhielt Tox Suisse 219 Anfragen von Eltern von Kindern unter sechs Jahren wegen Zigarettenunfällen. Das Kinderspital Zürich behandelt selten Kinder, die Zigaretten oder Zigarettenstummel verschluckt haben. «Das sehen wir vielleicht drei- oder viermal pro Jahr», sagt Georg Staubli, Chefarzt der Notfallstation.

Brief an Gemeinden und Städte

«stop2drop» entwickelt derzeit eine Sensibilisierungskampagne und ein pfannenfertiges Konzept für rauchfreie Spielplätze. Er schreibt allen analysierten Gemeinden und Städten einen Brief und ermuntert sie, den blauen Dunst von den Freizeitanlagen für die Kleinsten zu verbannen. «Wir wollen nicht nur Verbote einführen, sondern vor allem einen Kulturwandel erreichen, um die Wichtigkeit von sauberen und rauchfreien Spielplätzen zu unterstreichen», sagt Dick. Die Kosten für rauchfreie Spielplätze seien gering. Ins Geld geht dafür die Reinigung von Zigarettenstummeln. Laut dem Bundesamt für Umwelt verursacht das Zigaretten-Littering jährlich Kosten von 52 Millionen Franken.

Hier lässt es sich gut schaukeln: Auf dem Spielplatz Mettlen in Kriens lagen nur drei Zigarettenstummel.
Hier lässt es sich gut schaukeln: Auf dem Spielplatz Mettlen in Kriens lagen nur drei Zigarettenstummel.Bild: Barbara Inglin

Rauchfreie Spielplätze sind populär. Gemäss einer Umfrage des Bundesamtes für Gesundheit aus dem Jahr 2022 sprechen sich 78 Prozent dafür aus.

Bussen in Genf – kein Verbot in Bern

Wie viele Gemeinden bereits ein Rauchverbot auf Spielplätzen kennen, ist jedoch nicht bekannt. Verschiedene Kantone, darunter Zürich, St.Gallen, Luzern und Aargau, fördern im Rahmen von Tabakpräventionsprogrammen rauchfreie Spielplätze. Im Kanton Genf gilt an bestimmten Orten im Freien, darunter bei Spielplätzen, ein generelles Rauchverbot. Wer sich trotzdem eine Zigarette anzündet, muss mit einer Busse von bis zu 1000 Franken rechnen.

Null Zigarettenstummel: Das Schlüsselmätteli in Stans schneidet vorbildlich ab.
Null Zigarettenstummel: Das Schlüsselmätteli in Stans schneidet vorbildlich ab.Bild: Verein «stop2drop»

Im Kanton Bern hingegen sprach sich das Parlament vor einem Jahr gegen ein kantonsweites Rauchverbot auf Spielplätzen aus – dies ganz im Sinne der Regierung. In der Antwort auf einen entsprechenden Vorstoss hatte sie argumentiert, ein Rauchverbot sei schwierig durchzusetzen. Sie befürchtete sogar, dass noch mehr Zigarettenstummel auf Spielplätzen herumliegen, wenn Aschenbecher abmontiert würden.

Im Mai strich das St.Galler Stadtparlament ein Rauchverbot an städtischen Spielplätzen aus dem Polizeireglement. Jetzt hat ein Komitee um die Stadtparlamentarierin und Ärztin Esther Granitzer (SVP) eine Volksinitiative lanciert. Im Kanton Luzern derweil hat die Gemeinde Ruswil mit Unterstützung von Akzent Prävention und Suchttherapie Luzern rauchfreie Zonen beim Generationenspielplatz Surbrunnepark installiert. Weitere Gemeinden haben Interesse signalisiert.

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88 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Unicron
03.12.2024 09:56registriert November 2016
Ich fand das schon immer krass wie selbstverständlich und ohne schlechtes Gewissen Raucher ihre Stummel auf den Boden werfen.
Mit einer Dose würden sie das ja auch nicht machen nehme ich an?
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conszul
03.12.2024 09:48registriert August 2014
Wieso Menschen achtlos den eigenen Müll mit vollem Bewusstsein auf den Boden werfen, bleibt mir ein Rätsel. Wenn Erziehung fehlt, helfen womöglich Bussen. Dass diese schwer umsetzbar und personalintensiv sind, ist klar. Stichproben, wie es auch Verkehrskontrollen sind, würden womöglich helfen und abschrecken. Ansonsten hilft nur Aufklärung und Sensibilisierung für das Thema.
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Hans -würkli- Nötig
03.12.2024 10:03registriert Juli 2015
In der Bäckeranlage in Zürich liegen mehr Zigistümmel rum als Grashalme wachsen.

Ich kann mich nur wiederholen:
Wir brauchen ein schweizweites Littering-Gesetz das jeden der Abfall (auch Zigistummel) absichtlich auf den Boden wirft mit 10 Tagessätzen Busse oder 16 Stunden Fötzelen-Dienst bestraft.
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