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«150 mal über dem Richtwert» – Gestillte Babys trinken zu viele Dioxine

In der Muttermilch sind viel zu viele Umweltgifte enthalten. Dies hat eine Studie der EMPA ergeben, die der Öffentlichkeit bisher nicht bekannt war.
09.06.2021, 10:1209.06.2021, 13:07

Im Rahmen einer Analyse sind Muttermilch-Proben von Erstgebärenden aus Bern, Biel, Freiburg, Morges und Basel genommen worden, berichtet «SRF». Sie wurde vom Bund bei der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (EMPA) für 210'000 CHF in Auftrag gegeben. Das Resultat: In der Muttermilch sind zu viele Umweltgifte enthalten. Bisher hat der Bund diese Ergebnisse allerdings nicht kommuniziert – erst nach einer Nachfrage des «Kassensturz» äusserte er sich dazu.

Der Dioxin-Gehalt in der Muttermilch von Schweizerfrauen ist zu hoch.
Der Dioxin-Gehalt in der Muttermilch von Schweizerfrauen ist zu hoch.Bild: Shutterstock

Die Prüfung der EMPA ergab, dass ein durchschnittlicher, gestillter Schweizer Säugling Woche für Woche zu viele Dioxine trinkt. EMPA-Chemiker Markus Zennegg führt aus: «Die Menge liegt fast 150 mal über dem Richtwert, am Anfang des Lebens eine relativ deutliche Belastung.» Nebst den Dioxinen konnte die EMPA auch Triclosan nachweisen.

«Die Menge liegt fast 150 mal über dem Richtwert, am Anfang des Lebens eine relativ deutliche Belastung.»

Bei Dioxinen und den dioxinähnlichen PCB handelt es sich um hochgiftige Verbindungen, welche die Fruchtbarkeit, das Immunsystem und die Entwicklung des Gehirns beeinträchtigen können. «Diese Stoffe reichern sich im Fett der Muttermilch an», erläutert Zennegg, «sobald die Mutter stillt, mobilisiert sie das Fett, der Säugling nimmt vor allem am Anfang hohe Konzentrationen dieser Stoffe über die Muttermilch auf».

Dioxine entstehen bei Verbrennungsprozessen (beispielsweise in der Industrie), verbreiten sich über die Luft und lagern sich schliesslich im Boden ab. Dort werden sie von Nutztieren aufgenommen, wo sie sich im Fettgewebe anreichern. Vor allem im Fleisch, Fisch, Eier und Milch sind deshalb höhere Dioxin- und PCB-Gehalte festzustellen. Zu einer Dixion- und PCB-Aufnahme beim Menschen kommt es entsprechend zum grössten Teil durch den Verzehr tierischer Produkte.

Mithilfe von Filtern und Totalverboten konnte das Entstehen von Dioxinen und PCB in Fabriken reduziert werden. Wie eine Analyse der EMPA zeigt, sind die Werte auf einen Sechstel des Niveaus der 90er-Jahre gesunken.

Nachdem eine Harvard-Studie aus dem Jahr 2017 ergeben hat, dass Dioxine noch toxischer sind als früher angenommen, wurde die tolerierbare Aufnahmemenge nochmals deutlich gesenkt. Die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit, an der sich auch die Schweiz orientiert, reduzierte die Aufnahmemenge von 14 Pikogramm pro Kilo Körpergewicht auf nur noch 2 Pikogramm. 1 Pikogramm entspricht einem Billionstel Gramm.

Gemäss der EMPA-Analyse nimmt ein gestillter Säugling aber jede Woche 294 Pikogramm pro Kilo auf. Es gibt allerdings keinen aktuellen Richtwert für Säuglinge. Gemessen am Richtwert für Erwachsene, wird dieser von einem Schweizer Säugling um das 150-fache überschritten.

Für Säugling gibt es keinen festgelegten Richtwert für die Dioxin-Aufnahme.
Für Säugling gibt es keinen festgelegten Richtwert für die Dioxin-Aufnahme.Bild: shutterstock

Trotz dieser Resultate sei der Nutzen des Stillens grösser als die Risiken, so Zenegg. «Kinder haben durch die Übertragung von Immunoglobinen ein stärkeres Immunsystem und viel weniger Allergien. Dieser positive Effekt überwiegt klar, zumal das Baby ja nur während einer kurzen Zeit eine deutlich höhere Belastung hat.»

Das Bundesamt für Umwelt hielt eine Medienmitteilung über die Studie nicht für notwendig. Sie sei publiziert worden und auf einer Datenbank des Bundes verfügbar, hiess es. (saw)

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37 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Nik G.
09.06.2021 13:25registriert Januar 2017
Für saubere Luft haben wir kein Geld, für sauberes Trinkwasser haben wir kein Geld, für unsere Zukunft haben wir kein Geld. Aber wir haben Geld um Banken zu retten oder ein lächerliches Terrorgesetz umzusetzen?!
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skater83
09.06.2021 11:01registriert November 2018
...das ist jetzt wiedermal so ein artikel wo ich mich frage: was fange ich mit dieser Information jetzt an...
als Vater eines eineinhalbjährigen - haben wir jetzt alles verbockt weil gestillt wurde???
oder, halt moment, es war doch richtig???
...aber - danke mal für die info...
¯\_(ツ)_/¯
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-C-
09.06.2021 13:14registriert Februar 2016
Soweit meine Google-Suche korrekt war, hat sind die Dioxine auch im Blutkreislauf der Mutter zu finden, welchen Sie sich mit Ihrem Baby teilt. Auch hier werden die Werte höher sein als der Richtwert pro Kg Baby.
Ebenfalls ist die Dioxinbelastung in den letzten Jahren nicht extensiv gestiegen.
Es kann somit davon ausgegangen werden, dass die Belastung der heutigen Babys nicht massiv höher ist, als diejenige der letzten Generation..
Panik ist also nicht notwendig - weitere Untersuchungen und gezielte Massnahmen schon.
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