Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Nach Klimaprotest vor Credit Suisse: Aktivistinnen landen im Gefängnis + Dutzende Prozesse

Nach dem Protest vor der Credit Suisse in Zürich hat die Staatsanwaltschaft gegen zwei deutsche Frauen unbedingte Strafen verhängt.

Kari Kälin / ch media



Die Aktion der grünen Basisbewegung «Collective Climate Justice» bot Spektakel. Rund 100 Personen, ausgerüstet mit Arbeitskleidern und Mundschutz, einige mit Clownnasen und Clownperücken, blockierten am 8. Juli die Eingänge der Credit Suisse am Zürcher Paradeplatz und der UBS beim Aeschenplatz in Basel.

epa07702720 A group of climate activists from the Collective Climate Justice organization is blocking the entrance to the Swiss bank Credit Suisse at Paradeplatz in Zurich, Switzerland, 08 July 2019. The activists demonstrate against the trade with fossil fuels.  EPA/ENNIO LEANZA

Eine Belagerung mit strafrechtlichen Folgen: Klimaaktivisten im Juli vor dem Eingang der Credit Suisse am Paradeplatz in Zürich. Bild: EPA

Die Aktivisten protestierten gegen das finanzielle Engagement der Grossbanken zur Förderung von Kohle, Öl und Gas. Sie legen ihnen eine hohe Mitverantwortung für die «weltweite Klimakatastrophe» zur Last. Die Polizei stoppte den Spuk. In Zürich nahm sie 61 Erwachsene fest, für drei weitere Aktivisten ist die Jugendanwaltschaft zuständig.

Jetzt liegt den CH-Media-Zeitungen eine erste Bilanz vor: Die Zürcher Staatsanwaltschaft hat gegen 57 Erwachsene einen Strafbefehl erlassen wegen Nötigung und teilweise Hausfriedensbruch. Sie erhielten bedingte Geldstrafen von je 60 Tagessätzen und müssen 800 Franken Verfahrenskosten tragen.

15 Personen haben die Strafbefehle angefochten. Es kommt damit zu Gerichtsverhandlungen. Zwei Verfahren wurden eingestellt, eines an einen anderen Kanton abgetreten, ein weiteres ist noch hängig, wie ein Sprecher der Zürcher Oberstaatsanwaltschaft mitteilt.

Greenpeace-Mitglieder aus Deutschland verurteilt

Der Zürcher SVP-Kantonsrat Claudio Schmid hat Einsicht genommen in die rechtskräftigen Strafbefehle. Daraus geht hervor: Auch ausländische Vertreter von Greenpeace mischten tatkräftig mit. Zwei Frauen aus Deutschland landeten sogar im Gefängnis. Sie kassierten 80 Tage unbedingte Haft und müssen insgesamt 3140 Franken für die Geldstrafe und die Verfahrenskosten zahlen.

Zumindest eine der beiden ist eine Art Protestnomadin. Die Greenpeace-Aktivistin demonstrierte vor einigen Jahren mit weiteren Umweltschützern in Moskau vor dem Gebäude des Energieriesen Gazprom und prangerte die Zerstörung der Arktis an. Wegen Störung der öffentlichen Ordnung kassierten sie und ihre Mitstreiter eine Strafe von rund 250 Euro.

Die Zürcher Staatsanwaltschaft verurteilte auch ein führendes Mitglied von Greenpeace München. Eine Verurteilung gab es auch für ein Vorstandsmitglied einer lokalen Sektion der Grünen im Kanton Bern. Beim Protest am Paradeplatz nahmen Personen zwischen 19 und 64 Jahren teil. Das Gros waren junge und jugendliche Schweizer. Auch 17 Ausländer, darunter elf Deutsche, machten mit.

Basel: Alle Strafbefehle sind angefochten

Beim Aeschenplatz in Basel inhaftierte die Polizei 19 Personen im Alter von 19 bis 37 Jahren. Auch am Protest gegen die UBS beteiligten sich zahlreiche Deutsche. Bis Anfang Oktober verurteilte die Staatsanwaltschaft Basel 26 Aktivisten per Strafbefehl für Delikte wie Nötigung, Landfriedensbruch, Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch und Hinderung einer Amtshandlung.

Die von den Aktivisten des Klimacamps der Gruppe Collective Climate Justice verlassene Blockade vor der Bank UBS am Aeschenplatz in Basel, am Montag, 8. Juli 2019. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Nichts geht mehr: Die Blockade der Klimastreiker vor der Türe der UBS am Aeschenplatz in Basel. Bild: KEYSTONE

Anders als in Zürich akzeptiert keine einzige verurteilte Person das Verdikt. Die Staatsanwaltschaft erhebt zurzeit weitere Beweise für die Anklageschrift zuhanden des Strafgerichts. Damit steht fest, dass sich auch in Basel die Gerichte mit den Klimaaktivisten befassen müssen. In nächster Zeit werden noch mehrere Dutzend weitere Strafbefehle wegen der Vorfälle bei der UBS ergehen. Dies sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Basel auf Anfrage von CH Media.

Das «Collective Climate Justice» erhob via Medienmitteilung schwere Vorwürfe gegen die Polizei. Eine Sprecherin sagte, der Staat habe friedlich gegen die Klimakatastrophe protestierende Menschen erniedrigt und sich schützend vor die Unternehmen gestellt, welche mit ihren Aktivitäten die Klimaerhitzung befeuerten. Zum «Collective Climate Justice» gehört ein harter Kern von 30 bis 35 Aktivisten, wie eine Sprecherin der NZZ sagte.

Gewalt gegen Menschen lehne es explizit ab. Das Kollektiv will den Kapitalismus überwinden, der in den Augen des Kollektivs einem gerechten Wirtschaftssystem im Weg steht. Es verwundert wenig, dass sich an den Protesten die Bewegung für den Sozialismus beteiligt hat. Auch der revolutionäre Aufbau, nicht unbedingt bekannt für Gewaltverzicht, war mit von der Partie.

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

21 Bilder, die dir vor Augen führen, wie schön die Natur ist

Die 10 «besten» Argumente der Klimaskeptiker

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

106 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
roger_dodger
28.10.2019 07:12registriert February 2016
80 Tage für einen Protest ohne Gewalt und Zerstörung? Wann werden Fussballchaoten mal endlich so hart bestraft?
43789
Melden
Zum Kommentar
Knut Knallmann
28.10.2019 06:10registriert October 2015
Die Aktivisten haben doch einfach keine Ahnung. Sie hätten sich nur als Fussballhooligans verkleiden müssen - Dann wäre garantiert absolut gar nichts passiert...
Ich bin dann mal weg #duckundweg
30669
Melden
Zum Kommentar
Amberjack
28.10.2019 07:03registriert October 2019
Diese Strafen sind unverhältnismässig! Insbesondere wenn man bedenkt, in wie vielen Prozessen die CS und UBS zu Miliardenstrafen verurteilt wurden und werden und welche Vergleiche diese beiden (in meinen Augen ) kriminellen Organisationen abgeschlossen haben um Prozesse zu vermeiden. Es vergeht beinahe keine Woche ohne dass eine der beiden „Systembanken“ mit irgendwelchen Drecksgeschäften in den News sind. Neustes Beispiel CS/Mocambique... Unsere beiden Grossbanken tragen eine nicht unwesentliche Verantwortung für Elend, Hunger, Korruption und Umweltverschmutzung/Klimawandel bei...
255120
Melden
Zum Kommentar
106

Rauszeit

Vergiss Ferien im Ausland! Amazonas und Cinque Terre gibts auch in der Schweiz (Teil 2)

Letzte Woche ging es um Sehenswürdigkeiten , die du auch in der Schweiz findest. Diese Woche widmen wir uns exotischen Orten, die du ebenfalls entdecken kannst, ohne in ein Flugzeug steigen zu müssen.

Bunte, aneinandergereihte Häuser an einem Steilhang, die sich im Wasser spiegeln, gibts nicht nur an der italienischen Riviera, sondern auch auf Schweizer Boden. Und trotzdem fühlt man sich im Fischerstädtchen in Lugano wie im Ausland. Kein Wunder, denn Gandria ist das letzte Dörfchen vor der …

Artikel lesen
Link zum Artikel