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Migros vernichtet 120'000 Tragtaschen – weil sie einen Shitstorm befürchtete



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Für Migros zu «sexistisch». So sahen die Tragtaschen aus. bild: mickry 3

Die Idee war eigentlich harmlos: Die Migros wollte witzige Tragtaschen, die die Schweizer Bevölkerung während des Lockdowns aufheitern sollen.

Der Auftrag wurde Mitte März an die Künstlerinnen des bekannten Trios Mickry 3 vergeben. Am 25. Mai war es dann so weit: Die fertig produzierten Säcke wurden an die Migros-Filialen ausgeliefert. Anscheinend aber nicht zur Zufriedenheit der Migros: Es folgte eine jähe Kursänderung, die Säcke wurden zurückgezogen und vernichtet. Begründung: Die Migros fand die Motive «sexistisch», sagten die drei Künstlerinnen in einem Instagram-Post.

Findest du die Tragtaschen sexistisch?

Das sagt die Migros

«Die von der Gruppe Mickry 3 im Auftrag gestaltete Tragtasche wurde produziert, ist jedoch nie in den Verkauf gelangt», heisst es von Seiten der Migros-Presseabteilung gegenüber dem «Tages-Anzeiger». Das Ziel, das Thema Covid-19 mit einem Augenzwinkern aufzugreifen, sei nicht erfüllt worden. Das Sujet könne als Provokation verstanden werden.

«Es wurde eine Auflage produziert, die für einen rund zweiwöchigen Einsatz reichen sollte.» Gemäss Informationen des «Tages-Anzeigers» waren es 120'000 Stück. Die Migros wollte nicht über die Höhe des Budgets Bescheid geben, ebenso wenig die Künstlerinnen. Bestätigt wird aber, dass das Honorar bezahlt wurde.

Das sagen die Künstlerinnen

«Wir sind sauer, die Entscheidung der Kulturprozent-Chefin Gabriela Ursprung befremdet uns», sagten Mickry 3 zum «Tages-Anzeiger». Vor allem, weil die Entscheidung anscheinend ohne Einbezug des Ateliers stattfand – und nachdem es zuerst ein «Ok» von Seiten der Migros gab.

«Wenn von Frauen gezeichnete Frauen, welche wohlgemerkt weder aufreizend noch sonst anstössig sind, als sexistisch gelesen werden, weil sie nackt sind und Pizza essen, finden wir das einfach unglaublich. Es zeigt uns, dass wir Frauen immer noch nicht den Platz haben, den wir uns wünschen», schreiben die Künstlerinnen an die Adresse der Migros-Verantwortlichen.

Der «Tages-Anzeiger» fasst die Aussagen der Künstlerinnen folgendermassen zusammen: «Der Zensurfall sei ein klarer Kniefall vor der Empörungsgesellschaft, in der die Vermeidung eines möglichen Reputationsschadens für Konzerne wie die Migros jedes andere, auch noch so vernünftige Argument aus dem Weg räume.»

(jaw)

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