Wirtschaft
Schweiz

Geldwäsche-Verdacht gegen Moretti und der späte Alarm der Banken

epa12726288 The owners of 'Le Constellation' bar in Crans-Montana, Jacques, (L), and Jessica Moretti of France, arrive to a hearing before the public prosecutor of the canton of Valais, foll ...
Ehepaar Moretti beim Gang zu einer Anhörung bei der Walliser Staatsanwaltschaft.Bild: keystone

Affäre Moretti und der späte Alarm der Banken – Nationalrat verlangt Aufklärung

Offenbar erst nach dem tödlichen Brand in Crans gingen zum Ehepaar Moretti Geldwäsche-Verdachtsmeldungen von Banken ein. Das sei komisch, findet ein SP-Nationalrat.
16.03.2026, 21:1216.03.2026, 22:16
Henry Habegger
Henry Habegger

Warum kamen die Geldwäsche-Verdachtsmeldungen im Fall Crans-Montana erst, nachdem es zur Katastrophe gekommen war? Das will der Waadtländer Nationalrat Benoît Gaillard (SP) in einer Interpellation wissen, die er dieser Tage im Bundeshaus einreichen wird.

«Staunt auch der Bundesrat über die plötzlichen Meldungen verschiedener Banken einige Tage nach dem Brand», fragt Gaillard. Ob es zutreffe, dass diese Meldungen damals nicht auf neuen Elementen beruhten, «sondern lediglich auf einer – erstmals durchgeführten? – Analyse bereits vorhandener Informationen und Daten.»

Wenn ja, würde das heissen, dass die Banken zuvor bei den Morettis nicht besonders genau hingeschaut hatten.

Beim Brand in der Bar «Le Constellation» des Ehepaars Jacques und Jessica Moretti kamen 41 Menschen ums Leben, 115 wurden teils schwer verletzt. In den Tagen nach der Katastrophe gingen bei der Meldestelle für Geldwäscherei (MROS) im Bundesamt für Polizei mehrere Verdachtsmeldungen von Banken ein. Zuvor konnte in Frankreich vorbestrafte und als praktische mittellos geltende Barbetreiber während rund zehn Jahren ein kleines Imperium aufbauen.

Eine zentrale Frage lautet: Warum haben die Banken bei den Morettis nicht schon viel früher Alarm geschlagen, wenn doch offensichtlich etwas mit den Finanzen nicht stimmte?

In den Augen des Nationalrats verdichten sich die Indizien für mögliche Verbindungen zum organisierten Verbrechen. Er verweist darauf, dass laut Medienberichten bei Hausdurchsuchungen unter anderem eine Faustfeuerwaffe und Munition gefunden worden seien.

Fedpol S leitete im Zug der Bankmeldungen eine Untersuchung ein, wie kürzlich bekannt wurde. Sie stiess auf zahlreiche Auffälligkeiten und Ungereimtheiten. Im daraus resultierenden Fedpol-Bericht ist laut Medienberichten von Geldwäschereiverdacht und von Verdacht auf Vermögensdelikte die Rede.

Anna Rosenwasser, SP-ZH, rechts, diskutiert mit Benoit Gaillard, SP-VD, an der Fruehjahrssession der Eidgenoessischen Raete, am Montag, 2. Maerz 2026 im Nationalrat in Bern. (KEYSTONE/Alessandro della ...
Will wissen, ob Banken Verdacht zu spät meldeten: Nationalrat Benoit Gaillard (SP), im Gespräch mit Anna Rosenwasser (SP).Bild: keystone

Die Morettis sollen ein Schneeballsystem aufgebaut haben, so der Verdacht. Bankkrediten in Millionenhöhe lägen zweifelhafte, möglicherweise gefälschte Sicherheiten für diverse Immobilienkäufe zugrunde. Gaillard will unter anderem wissen, ob der Bundesrat den Fall als Beleg für Lücken in der Schweizer Gesetzgebung zur Geldwäschereibekämpfung ansieht.

Auch Frankreichs Finanzpolizei untersucht

Inzwischen ist auch die französische Finanzpolizei Tracfin auf der Spur des Ehepaars Moretti, wie der Fernsehsender France 3 berichtet. «Sie werden der Geldwäscherei verdächtigt.» Zwar gebe es derzeit keinerlei Bestätigung dafür, dass Jacques Moretti Gelder aus der korsischen Unterwelt gewaschen habe, betont der Sender. Aber Tracfin interessiere sich, aufgeschreckt durch den Schweizer Fedpol-Bericht, «für die Vermögenswerte von Jacques Moretti in Korsika».

Hier setzt auch Gaillard mit seinem Vorstoss an. Er will vom Bundesrat wissen, ob es im Zusammenhang mit dem Dossier Crans-Montana und der Bekämpfung der Geldwäscherei eine Zusammenarbeit mit Frankreich und Italien gibt.

Die Anwälte der Morettis reagierten zuletzt nicht auf Anfragen zur Sache von CH Media. Für alle Beschuldigten gilt bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung. (aargauerzeitung.ch)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Ex-Mitarbeiterin von Bar in Crans-Montana erhebt schwere Vorwürfe
1 / 6
Ex-Mitarbeiterin von Bar in Crans-Montana erhebt schwere Vorwürfe
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Jugendliche Augenzeugin der Tragödie in Crans-Montana hält am Trauertag emotionale Rede
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
13 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
future--?
16.03.2026 21:14registriert November 2023
Die zentrale Frage, die Nationalrat Gaillard stellt, ist berechtigt und überfällig: Wenn Banken erst nach 41 Toten plötzlich Verdachtsmeldungen einreichen, statt vorher bei offensichtlichen Ungereimtheiten hinzuschauen, läuft im System etwas grundlegend falsch. Es drängt sich der unangenehme Verdacht auf, dass die Geldwäschereibekämpfung in der Schweiz manchmal mehr auf dem Papier als in der Praxis stattfindet. Dieser Fall sollte zum Anlass genommen werden, die Sorgfaltspflichten der Banken grundlegend zu überprüfen und bei Versagen auch wirklich Konsequenzen zu ziehen.
431
Melden
Zum Kommentar
avatarbadge
Beat_
16.03.2026 21:57registriert Dezember 2018
Es ist an der Zeit, den Banken (und auch Treihändern) besser auf die Finger zu schauen.
Gefühlt ist es hierzulande noch immer wichtiger, dass ein paar wenige viel Geld verdienen können als das man das Geld etwas genauer anschaut.
352
Melden
Zum Kommentar
13
Galenica entlässt in Interlaken 18 Leute weniger als geplant
Der Gesundheitskonzern Galenica wird in Interlaken bei seiner Tochter Bichsel weniger Mitarbeitende entlassen, als ursprünglich geplant. Nach einem Konsultationsverfahren wurde der Stellenabbau um 18 Stellen auf 152 Stellen reduziert.
Zur Story