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Ein X im Pass: Bundesrat befasst sich mit nicht binären Personen

Bekannte nicht binäre Stars der Kunstszene: Nemo und Kim de l'Horizon.
Bekannte nicht binäre Stars der Kunstszene: Nemo und Kim de l'Horizon.Bild: Keystone

Nemo, Kim und ein X im Pass: Bundesrat befasst sich mit nicht binären Personen

Von der Einführung eines dritten Geschlechts will die Landesregierung nichts wissen. In einem neuen Bericht zeigt der Bundesrat, wo er Personen entgegenkommen will, die sich weder als männlich noch weiblich identifizieren.
29.11.2025, 13:0129.11.2025, 13:01
Christoph Bernet / ch media

Zwei Namen bringen etwas Glamour in eine ansonsten nüchterne Verwaltungslektüre: Nemo und Kim de l'Horizon. Ein am Mittwoch veröffentlichter Bericht des Bundesrats hebt den ESC-Superstar und das Literaturphänomen als positive Beispiele einer «zunehmenden Vielfalt und Sichtbarkeit» der nicht binären Community im Kulturbereich hervor.

Im Auftrag des Nationalrats zeigte der Bundesrat darin auf, wie die Situation von nicht binären Personen verbessert werden kann.

Nicht binäre Personen identifizieren sich ausserhalb der bestehenden rechtlichen Kategorien «weiblich» und «männlich», also weder ausschliesslich als Mann noch ausschliesslich als Frau. Das ihnen bei der Geburt zugewiesene Geschlecht entspricht somit nicht «ihrem tiefen Empfinden ihrer eigenen Identität», heisst es im Bericht.

Aus Sicht der Betroffenen ist dort wenig Erfreuliches zu lesen. Im Juni 2024 lud das Bundesamt für Justiz 20 nicht binäre Personen sowie vier Vertretende von Interessenverbänden zu einem Workshop ein.

Dort schilderten sie die zahlreichen Probleme, mit denen sie sich im Alltag und der Gesellschaft konfrontiert sehen: Von fehlenden geschlechtsneutralen Toiletten und Sportgarderoben über Gewalt und Hassrede bis hin zu Diskriminierungen und verweigerten Leistungen im Gesundheitswesen.

Jann Kraus, Vorstandsmitglied des Transgender Network Switzerland, lobt das Bekenntnis des Bundesrats zur Gleichberechtigung und zum Schutz nicht binärer Personen gegen Diskriminierung: «Das ist in Zeiten des Backlash ein wichtiges Zeichen.»

Die Landesregierung ist bereit, einen Geschlechtseintrag X (ergänzend zu M und F) im Pass und der Identitätskarte zu prüfen. Ebenso zeigt sie sich offen dafür, eine vereinfachte Änderung des Vornamens zu ermöglichen.

Viele weitere Probleme sind für den Bundesrat innerhalb der bestehenden Gesetze und Strukturen anzugehen. Zusätzliche Massnahmen lehnt er wegen drohender Mehrkosten weitgehend ab.

«Ein wichtiger Realitätscheck»

Laut Jann Kraus könnten öffentliche und private Institutionen das Leben von nicht binären Menschen schon heute erleichtern, etwa mit neutralen und inklusiven Formularen oder geschlechtsneutralen Toiletten: «Doch Betroffene haben nicht die Macht, das einzufordern. Die Umsetzung benötigt klare Initiativen von Politik und Privaten.»

Der Nationalrat verlangte vom Bundesrat explizit nicht, im Bericht die Einführung eines dritten Geschlechtseintrags in der Rechtsordnung zu prüfen. Dies lehnten Bundesrat wie Parlament bereits mehrfach ab. Der Bericht zeige als «wichtiger Realitätscheck» auf, was unter den geltenden Gesetzen bereits alles getan werden könnte und müsste, sagt Kraus: «Er zeigt aber auch die Grenzen auf, solange keine dritte Option eingeführt wird.» (aargauerzeitung.ch)

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Doplagus
29.11.2025 13:18registriert Dezember 2019
NEIN!

Ein Pass ist ein Ausweisdokument, das dem alleinigen Zweck dient, eine Person zu identifizieren. Dazu zählen unabänderliche Merkmale wie Gesicht, Geburtsdatum, Fingerabdruck, Grösse und auch das Geschlecht.

Ich kann auch nicht einfach hingehen und sagen, jetzt fühle ich mich 65 Jahre alt und lasse mich pensionieren.
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KoTaMo
29.11.2025 13:25registriert Mai 2020
Ich bin der Meinung, dass das biologische Geschlecht in den Pass kommt. Und nicht die Befindlichkeit. Ist das so schwierig zu verstehen??

(Sonst möchte ich auch das Alter raushaben. Ich fühle mich nämlich nicjt so alt, wie ich bin)
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Sandlerkönig Eberhard
29.11.2025 13:27registriert Juli 2020
Alternativ könnte man ja selbst auch ein kleines bisschen der ewig geforderten Rücksicht zeigen und sich für die paar Minuten, die man auf fremden Toiletten verbringt, halt mal kurz für ein Geschlecht entscheidet.
Bauliche Probleme wären dadurch schon mal gelöst, einiges an (Steuer)geldern ebenfalls eingespart.

Ich verstehe einfach beim besten Willen nicht, wie man da so ein Theater veranstalten kann anstatt mal einen kurzen Moment über den eigenen nonbinären Schatten zu springen.

Ich bin mir sicher, sowas würde gegenseitigen Respekt mehr fördern als die Dritte-WC-Zwängelei.
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