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Coronavirus: Mein Abschiedsbrief an das Homeoffice

Mein Home-Office und ich, als wir noch frisch verliebt waren.
Mein Home-Office und ich, als wir noch frisch verliebt waren.bild: watson
Kommentar

«Liebes Home-Office, das war's dann wohl mit uns ...» 💔

Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis wir uns wieder zurück ins Büro begeben. Unsere Autorin bereitet sich schon auf die Trennung vor und schreibt dem Home-Office einen Abschiedsbrief.
19.05.2020, 09:3617.12.2020, 16:42

Liebes Home-Office

Völlig unangekündigt wurden wir uns am 9. März vorgestellt. Innerhalb weniger Stunden mussten wir uns kennenlernen und gemeinsam arrangieren. Zuerst dachte ich, das würde nur ein kurzer Flirt. Oder zumindest nur einer für ein paar Tage die Woche. Doch schnell wurde dann klar: Wir werden länger Zeit zusammen verbringen.

Anfangs war ich ganz aufgeregt, musste ständig an dich denken, Bilder mit dir machen, allen von meinem neuen Glück erzählen. Mit dir konnte ich so sein, wie ich bin. Du hast mich auch mit Jogginghose, Wuschelhaaren und ungeputzten Zähnen genommen.

Wir probierten verschiedene Positionen aus; im Esszimmer, auf dem Balkon, im Schlafzimmer. Ich konnte mich fast nicht von dir losreissen und war bis spät abends noch mit dir beschäftigt. Ich freute mich auf all die neuen Dinge, die wir zusammen ausprobieren können: Joggen in den frühen Morgenstunden, Feierabendbier auf dem Balkon, während die Sonne noch scheint, Velofahren am Mittag.

Irgendwann wurde es mir zu viel. Ich begann dich mit meinem Ex zu vergleichen. Begann die Vor- und Nachteile abzuwägen. Mein Ex hatte so viele Freunde, mit denen ich mich austauschen oder mich zum Kafi verabreden konnte. Mit dir gab es nur dich und mich – das war mir zu eintönig. Zudem schmerzten der Rücken und Nacken, weil keine unserer Positionen so richtig passen wollte.

Versteh mich bitte nicht falsch: Es gab immer die Momente, in denen ich wusste, dass es zwischen uns klappen würde. Wir konnten so spontan sein. Mal zwischendurch eine Wäsche machen, das Paket entgegennehmen, kurz was in der Stadt erledigen, unterschiedlich lange schlafen. Mit dir war es weniger kompliziert. Du tust mir gut und hilfst mir, meine Stadt wieder neu zu entdecken, während mich mein Ex immer von hier wegzerrte.

Wie wird es nun mit uns weitergehen?

So viel weiss ich: Wir werden uns wohl bald wieder trennen müssen. Es schmerzt, wenn ich daran denke. Haben wir doch so eine schwierige Zeit zusammen überstanden und sind trotz allem jetzt ein eingespieltes Team.

Es liegt nicht an dir. Mein Ex hat sich wieder bemerkbar gemacht und wie sich herausstellt, ist meine Bindung zu ihm leider stärker.

Aber lass den Kopf jetzt nicht hängen: Wir können ja Friends mit Benefits bleiben! Die Chancen stehen gut, dass mein Ex und ich in Zukunft eine offene Beziehung führen könnten. Das ist ja jetzt modern. Dann gibt's ab und zu einen Quickie mit Jogginghose und ungeputzten Zähnen.

Für immer in deinem Herzen,

deine Jara

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