Kostenfalle Wohnen: Darum haben Mietende Angst – und das kannst du tun
Der Mieterinnen- und Mieterverband Schweiz (MVS) hat heute an einer Medienkonferenz das Miet-Barometer 2026 vorgestellt. Die grosse Wohnumfrage mit 34'441 Teilnehmenden, die der MVS in Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut Sotomo durchgeführt hat, zeigt: Mietende stehen im ganzen Land unter Druck – und viele trauen sich nicht, ihre Rechte einzufordern.
Hohe finanzielle Belastung
Die steigenden Mieten belasten zahlreiche Haushalte massiv. Fast 40 Prozent der Befragten geben mehr als 30 Prozent ihres Haushaltseinkommens für die Miete aus –deutlich über den Empfehlungen des Dachverbands Budgetberatung Schweiz.
Das bedeutet für viele ein Armutsrisiko. Rund jede zwanzigste Person zahlt sogar mehr als die Hälfte ihres Haushaltseinkommens für Wohnkosten. Diese angespannte Lage betrifft die ganze Schweiz – es bestehen kaum Unterschiede zwischen urbanen und ländlichen Regionen oder zwischen den Sprachregionen.
Angst, sich zu wehren
Rund 70 Prozent der Befragten berichten über Probleme mit ihrer Vermieterschaft – doch die meisten wehren sich nicht. Fast die Hälfte hat trotz des gesunkenen Referenzzinssatzes keine Mietzinssenkung verlangt.
Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Anfechtung des Anfangsmietzinses: Nur 5 Prozent haben je ihren Anfangsmietzins angefochten – obwohl dies in 75 Prozent der Fälle erfolgreich oder teilweise erfolgreich war.
Die Angst der Mietenden, ihre Rechte geltend zu machen, ist deutlich spürbar. So fürchten 23 Prozent, ihre Wohnung in den kommenden zwei Jahren zu verlieren – vor allem aufgrund von Sanierungen. Und das ist berechtigt, wenn man die Zahl der Kündigungen betrachtet, die einzig dazu dienen, Mietzinserhöhungen durchzusetzen.
Darum wehren sich Mietende nicht
Der meistgenannte Grund, weshalb sich die Mietenden nicht wehren, ist die Sorge vor einem belasteten Verhältnis zur Vermieterschaft. Die Ergebnisse weisen damit auf ein strukturelles Ungleichgewicht hin: Mietende müssen ihre Rechte meist individuell durchsetzen, stehen aber zugleich ihren Vermieter*innen in einem Abhängigkeitsverhältnis gegenüber.
Es überrascht somit auch nicht, dass fast 60 Prozent der Befragten der Ansicht sind, dass das geltende Mietrecht die Vermieterschaft begünstigt.
Schwierige Wohnungssuche
Drei Viertel der Befragten sind im Moment nicht auf Wohnungssuche. Doch mehr als zwei Drittel empfanden ihre letzte Wohnungssuche als schwierig.
Die Unterschiede zwischen den Sprachregionen, Raumtypen und Kantonen fallen dabei klein aus, die Wohnungssuche wird im ganzen Land als schwierig empfunden
Das sind die Forderungen
88 Prozent der Befragten wollen, dass Mietzinssenkungen automatisch weitergegeben werden. 86 Prozent sprechen sich für eine wirksame Mietpreiskontrolle aus und 85 Prozent für mehr bezahlbaren Wohnraum.
Der MVS gibt mit der Mietpreis-Initiative eine konkrete Antwort: Sie sorgt dafür, dass Mieten automatisch und regelmässig überprüft werden und die Verantwortung nicht länger auf einzelne Mieter*innen abgewälzt wird.
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