Schweiz
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«Keine Grundfrage des Glaubens»: Oberster Protestant befürwortet gleichgeschlechtliche Ehe



Der höchste Reformierte der Schweiz hat sich in einem Zeitungsinterview für die Homo-Ehe ausgesprochen. Homosexualität entspreche Gottes Schöpfungswillen, sagte Gottfried Locher, Präsident des Evangelischen Kirchenbunds. Die Reformierten sind in der Frage gespalten.

Der Praesident es Rates Schweizerischer Evangelischer Kirchenbund Gottfried Locher spricht waehrend dem Oekumenischen Gottesdienst in der vollbesetzten Kirche St. Michel anlaesslich der Feierlichkeiten am Samstag, 1. April 2017, in Zug. Die Reformierte und Katholische Kirche feiern gemeinsam 500 Jahre Reformation und 600 Jahre Niklaus von Fluee unter dem Titel Nationaler Oekumenischer Gedenk- und Feiertag. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Der höchste Protestant der Schweiz: Gottfried Locher. Bild: KEYSTONE

Locher sagte gegenüber den Tamedia-Zeitungen vom Freitag, er sei persönlich der Meinung, dass Ehe und Trauung auch für gleichgeschlechtliche Paare gelten sollen.

Es stehe der Landeskirche gut an, den neuen gesellschaftlichen Konsens ernst zu nehmen. Die Ehe sei für die Reformierten keine Bekenntnisfrage und gehöre nicht zu den Grundfragen des Glaubens.

Es existiere das bewährte System, dass der Staat die Ehe definiere, die die Reformierten mit dem Segen Gottes ausstatten würden, sagte der 52-jährige Theologe.

Das System solle beibehalten werden. «Wenn sich der Staat zur gleichgeschlechtlichen Ehe hin öffnet, sehe ich keinen Grund, warum wir ihm nicht folgen sollten.»

Die reformierten Kantonalkirchen konnten sich bisher nicht zu einer Parole durchringen. Die Abgeordnetenversammlung soll am 4. November eine Stellungnahme beschliessen. Laut Locher hat das Thema das Potenzial, die Kirchen zu spalten.

Die Öffnung der Ehe für alle Paare unabhängig von der Geschlechterzusammensetzung ist in einer im Juni zu Ende gegangen Vernehmlassung durch die Rechtskommission des Nationalrats auf breite Unterstützung gestossen. Mit Ausnahme der SVP fand das Vorhaben bei grossen Parteien und betroffenen Organisationen Zuspruch. Die Kirchen äusserten sich zurückhaltend. (sda)

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44Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • bänz 16.08.2019 09:28
    Highlight Highlight Was mich an der Diskussion über die Ehe für alle am Meisten nervt, ist die Tatsache, dass die Glaubensgemeinschaften dreinreden. Ich will meinen Mann endlich heiraten können und auf die gleichen Rechte und Pflichten zählen können, wie ein Heteropaar.
    Wenn die Reformierten oder wer auch immer das Gefühl hat, gleichgeschlechtliche Liebe anzuerkennen wie Heteroliebe, ist das super und schön. Hier und Jetzt geht es aber nur um die unromantische Gleichstellung vor dem Staat.
  • bänz 16.08.2019 09:23
    Highlight Highlight Ich finde es gut, dass eine Religion dazu Stellung nimmt und eine klare Ansage macht. Das ist für mich ein gutes Zeichen einer Glaubensgemeinschaft: Sie diskutiert und setzt sich mit neuen Themen auseinander. Es ist nicht alles 'Gott gegeben'. Wenn es sowas wie 'Gott gegeben' gibt, ist eben die Möglichkeit über kontroverse Themen diskutieren zu können und eine Jahre alte Meinung zu überprüfen und zu ändern.
  • Füürtüfäli 16.08.2019 09:12
    Highlight Highlight Das im 21. Jahrhundert immernoch darüber diskutiert wird, bedenklich🤦‍♀️ seh das Problem nicht.
  • Butschina 16.08.2019 09:09
    Highlight Highlight Ich bin als gläubige Christin definitiv dafür. Obwohl ich tatsächlich mit meiner Meinung in christlichen Kreisen öfter anecke. Ich sehe nicht ein, wieso man nicht heiraten darf wenn man sich liebt. Die Liebe ist nicht steuerbar. Mann/Frau verliebt sich in Mann/Frau ob man will oder nicht. Es wäre dumm sich dagegen zu wehren.
    • Bambusbjörn aka Planet Escoria 16.08.2019 10:42
      Highlight Highlight Das bedeutet eigentlich nichts anderes, als dass du in diesem Umfeld dem, was ein wahrer Christ ist, näher kommst als der Rest.
      Universelle Liebe erkennen und sie als wichtiges Gut hochhalten.
      Das sage ich als Nicht-Christ.
    • Butschina 17.08.2019 02:32
      Highlight Highlight Danke. Aber ich habe dafür andere Fehler. Ich denke Toleranz und Respekt sollten generell mehr gelebt werden. Das würde uns Menschen viel Leid ersparen.
    • Bambusbjörn aka Planet Escoria 17.08.2019 12:45
      Highlight Highlight Wären wir alle ohne Macken und fehler wäre das Leben doch langweilig. 😎
      Nebenbei, vor Christen wie dir habe ich einen gewaltigen Respekt. Ihr habt den Kern einiger extremer gesellschaftlicher Probleme erkannt und seid euch im klaren darüber, wie wichtig ein gutes miteinander ist. Und genau deswegen habe ich so gewaltige Probleme mit intoleranten Pseudochristen, die sich als gute Menschen aufspielen wollen.
  • Charivari 16.08.2019 08:38
    Highlight Highlight Ich bin durchaus seiner Meinung. Schliesslich sind die Reformierten in gewisser Weise selbst aus einem "neuen gesellschaftlichen Konsens" entstanden.
  • Güzmo 16.08.2019 08:38
    Highlight Highlight Wow, fast revolutionär.
    Könnte es die erste christliche Kirche sein die nicht zumindest latent homophob ist?
    Ich finde aber das Novum, die Glaubensgrundsätze einer Kirche in die Hände der Gesellschaft zu legen viel einzigartiger - monotheistische Religionen werden normalerweise von ihren Dogmen und dem Glauben daran getragen, sie würden die absolute und einzige Wahrheit vertreten.
    This is a man of culture...
    • irgendwie so: 16.08.2019 09:45
      Highlight Highlight Die reformierte Kirche so wie ich sie erlebe, ist extrem breit aufgestellt. Zu ihrer DNA gehört (eigentlich) der selbstverantwortete Glaube - da gibt es -zig Meinungen, die von G.Locher ist eine davon. Es gibt auch ganz andere - und alle haben, wie in einer Demokratie üblich - grundsätzlich dasselbe Recht.
      Insofern ist die Rede vom 'Obersten Protestanten' ein Witz - Locher kann nur für sich sprechen - sagt er im im Interview auch explizit - aber nicht für die protestantische Kirche als Ganzes und schon gar nicht für alle Gläubigen. Das ist anders als in der kath. Kirche mit dem Papst!
    • Güzmo 16.08.2019 12:43
      Highlight Highlight Mag ja so scheinen, trotzdem hat in den Landeskirchen jemand das sagen und nicht einfach alle Kirchkonzernmitglieder oder? Wie Sie sagen wie in der Demokratie, Kirchenräte, Kirchenratspräsidenten und so weiter...
      Und der Unterschied zur kath. Kirche ist zwar dogmatisch und real gelebt gut sichtbar, aber institutionell eher marginal.

      "Der SEK (Schweizerischer Evangelischer Kirchenbund) bekennt sich zu einem EINHEITLICHEN Glaubensbekenntnis."
      Das gibt's dann auch für Europa und Global. Also unterscheiden sich eher die Gläubigen und nicht die Kirchkonzerne...
  • walsi 16.08.2019 08:16
    Highlight Highlight In der Bibel ist die Ehe als Bündnis zwischen Mann und Frau definiert. Wenn man also ein gläubiger Christ ist. Dann sind gleichgeschlechtliche Ehen ein no go. Wenn man nun einwendet, dass das lange her ist, als die Bibel geschrieben wurde, und der Glauben sich anpassen muss, dann gäbe es da noch viele andere Glaubensgrundsätze die revormiert gehören.
    • Ich hol jetzt das Schwein 16.08.2019 08:35
      Highlight Highlight In der Bibel ist definiert, dass man nicht unterschiedliche Stoffe tragen soll. Wenn man also ein gläubiger Christ ist, dann ist z.B. das Tragen eines Baumwollhemdes zu einem Anzug aus Wolle ein No-Go. Wenn man nun einwendet, dass das lange her ist, als die Bibel geschrieben wurde, und der Glauben sich anpassen muss, dann gäbe es da noch viele andere Glaubensgrundsätze die reformiert gehören.
    • Bambusbjörn aka Planet Escoria 16.08.2019 08:42
      Highlight Highlight In der Bibel, von der die Kirche sagt dass sie stimmt.
      NUR LEIDER, gibt es eine Menge Evangelien, teilweise schon von bekannten Verfassern, welche die kirche nicht anerkennt, weil da Dinge drin stehen, welche der Kirche widersprechen.
      Somit ist die Bibel ein von Rosinenpickern zusammen geschustertes Machwerk ohne wirkliche Aussagekraft, da sie so zusammen gestellt wurde, damit die Macht der Kirche gestützt ist.
    • Albert Stpeck 16.08.2019 08:51
      Highlight Highlight In der Bibel wird mehrfach erwähnt, dass man keine Krustentiere 🦞 essen darf. Wenn man also ein gläubiger Christ ist, dann ist z.B. der Shrimp-Cocktail 🦐 ein No-Go. Wenn man nun einwendet, dass das lange her ist, als die Bibel geschrieben wurde, und der Glauben sich anpassen muss, dann gäbe es da noch viele andere Glaubensgrundsätze die reformiert gehören.
    Weitere Antworten anzeigen
  • irgendwie so: 16.08.2019 08:04
    Highlight Highlight Ich bin der Meinung, dass man kirchliche und standesamtliche Trauung entflechten sollte. Dann sind die Kirchen frei, "Ehe" für sich so zu definieren wie sie es wollen und Trauungen durchzuführen und zu feiern, wie sie glauben, dass es richtig sei (Trauungen von gleichgeschlechtlichen Paaren eingeschlossen).
    Der rechtliche Rahmen, den der Staat für das zusammenleben der Paare vorsieht (Ehe), ist etwas anderes. Beides gehört imho heute getrennt.
    • Ich hol jetzt das Schwein 16.08.2019 08:37
      Highlight Highlight Die sind in der Schweiz rein rechtlich komplett getrennt (wenigstens ein Thema, bei dem die Trennung von Kirche und Staat funktioniert). In den Köpfen der Leute dauert das aber teilweise lange.
    • irgendwie so: 16.08.2019 09:31
      Highlight Highlight @: ich hol jetzt...: Nicht ganz - Pfarrpersonen dürfen (offiziell) keine Trauung durchführen, wenn das Paar nicht standesamtlich verheiratet ist. Will heissen: z.Z. (immer pro Forma) keine Trauung von homophilen Paaren, da sie ja nicht standesamtlich heiraten können.

      Was Locher vorschlägt ist: Wir segnen eine sich verändernde staatliche Ordnung weiterhin ab...
      Kann man machen und wurde die letzten 500 jahre so gehalten - aber so gesehen ist die Trennung von Kirche und Staat noch nicht so weit fortgeschritten.... weder in den Köpfen noch in kirchlichen Verordungen.
    • Ich hol jetzt das Schwein 16.08.2019 10:04
      Highlight Highlight Ach so rum ist es nicht getrennt. Wusste ich so nicht, da persönlich kein Interesse an Heirat. Nun, das finde ich nicht grundschlecht, dass die Kirche dem Staat folgen muss und nicht so für sich selbst was wursteln kann.
    Weitere Antworten anzeigen
  • bokl 16.08.2019 07:32
    Highlight Highlight Der Titel ist irreführend. "Oberster Protestant überlässt Ehedefinition dem Staat", trifft es besser.

    Als Befürworter würde er die kirchliche Eheschließung für Homosexuelle unabhängig vom Parlament vorantreiben.
  • Menel 16.08.2019 07:12
    Highlight Highlight Eine Religion, die sich darüber streitet, ob eine Form der Liebe zulässig ist oder nicht, ist für mich eine Religion, um die ich einen grossen Bogen mache.
    • Jemima761 16.08.2019 07:49
      Highlight Highlight Es sind eben nicht alle dieser Religion dieser Meinung.
      Diese Frage wird uns tatsächlich spalten, und ich weiss, in welchem Lager ich sein werde.
      ❤️🧡💛💚💙💜
    • Legendary Dave 16.08.2019 08:11
      Highlight Highlight Naja, hier wird immerhin darüber gestritten, beim grösseren bruder ist die sache recht eindeutig und dadurch auch nicht besser. Aber ja, ich verstehe auch nicht wirklich was so problematisch sein soll
    • Ich hol jetzt das Schwein 16.08.2019 08:36
      Highlight Highlight Ich mache grundsätzlich um jede Religion einen grossen Bogen. Ausgenommen natürlich der Pastafarianismus.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Meowdy 16.08.2019 06:42
    Highlight Highlight War ja mal wieder klar das die Partei mit dem S und dem V und dem P gegen den Vorschlag sind.... Glaube langsam sollten sie das V streichen. Uii dann gäbs aber eine interessante Wendung. ;P
  • HPOfficejet3650 16.08.2019 06:08
    Highlight Highlight "Wenn ein Mann neben einem Mann liegt, ist das ein Gräuel und er muss getötet werden." -Die Bibel

    Aber Moment!

    Das selbe steht auch über Ehebrecher und unzüchtige Kinder, und da nehmen Gläubige die Bibel ja auch nicht so wörtlich?🤷🏼‍♂️

    Die Bibel wird wie man es gerade will interpretiert. Immerhin scheint die Vernunft zumindest teilweise doch noch Einzug zu halten.😊
    • Baldrian Balsamarius 16.08.2019 10:28
      Highlight Highlight Gläubige sind auch nur Menschen: Die Bestrafung für das "Vergehen" einer Minderheit (Homosexualität) wird immer eher akzeptiert (und verschärft), als jene für die "Vergehen", die man potentiell selber begehen könnte (Ehebrechen, unzüchtiges Kind sein oder haben).
      Das zeigt sich doch oft auch in anderen politischen Diskussionen: Man regt sich darüber auf, wenn man für 80 km/h innerorts bestraft wird ("ist ja nichts passiert") aber möchte selber den Ladendieb (insb. wenn er Migrationshintergrund hat) am liebsten jahrelang einsperren.

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