Schweiz
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Massnahmen gegen Fluglärm: BAZL lässt Hintertür für Flughafen Zürich offen

Der Bund will die Bevölkerung besser gegen Fluglärm schützen. Der Flughafen Zürich sieht sich in seiner Entwicklung eingeschränkt – darf nun aber Vorschläge für neue Lärmgrenzwerte machen

doris kleck / nordwestschweiz



Der Betrieb am Flughafen Zürich ist in der Nacht zu laut: Gemäss dem Monitoring aus dem Jahr 2016 kommt es zwischen 22 und 24 Uhr zu «teilweise erheblichen Überschreitungen der zulässigen Lärmbelastung». Betroffen sind die Bevölkerung der Kantone Zürich, Aargau und Schaffhausen. Nun greift das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) ein. Es ordnet Massnahmen gegen den Fluglärm in der Nacht an.

ARCHIVBILD ZUR VERLEIHUNG DES WORLRD TRAVEL AWARD AN DEN FLUGHAFEN ZUERICH, AM MONTAG, 2. JULI 2018 - View from the observation deck at Zurich Airport in Kloten in the canton of Zurich, Switzerland, pictured on February 18, 2013. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Sicht auf den Flughafen von der Zuschauerterasse aus am Flughafen Zuerich in Kloten im Kanton Zuerich, aufgenommen am 18. Februar 2013. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Bild: KEYSTONE

Konkret werden die Zeitfenster für Landungen ab 21 Uhr und Starts ab 22.20 Uhr auf dem heutigen Stand begrenzt. Das heisst, dass die neuen Schnellabrollwege ab Piste 28, die im Herbst in Betrieb genommen werden, nicht zur Erhöhung der Kapazität genutzt werden können. Stattdessen sollen die Neuerungen helfen, dass die Flugzeuge am Abend pünktlicher landen, schneller weg sind und die Passagiere zeitgerecht umsteigen können. Oft sind dies nämlich Zubringerflüge für Interkontinentalverbindungen. Landen sie verspätet, verzögert sich auch der Start der schweren Langstreckenflugzeuge. Mit den getroffenen Massnahmen sollen die verspäteten Abflüge ab 23 Uhr reduziert werden. Sie sind das grösste Lärmproblem: Zwischen 23 und 23.30 Uhr können verspätete Flüge ohne Bewilligung starten und landen. 2016 waren es 2300 Flüge.

Unmittelbar haben die Massnahmen des Bundes keine Konsequenzen für den Flughafen Zürich, weil es sich um eine Plafonierung handle, sagt Sprecherin Sonja Zöchling: «Allerdings werde damit die Entwicklung des Flughafens Zürich beschnitten.» Er möchte für interkontinentale Flüge und deren Anschlüsse ans europäische Netz flexibler sein.

Der Flughafen hatte selbst Vorschläge gemacht, um die Verspätungen zu reduzieren. Unter anderem hat er in Zusammenarbeit mit der Fluggesellschaft Swiss die Prozesse für Langstreckenflüge am Abend optimiert. Diese Massnahme ist umgesetzt, andere sind blockiert. So erteilte zwar das BAZL dem Flughafen Zürich die Erlaubnis, schwere Maschinen auch ab Piste 32 starten zu lassen (was Zeitersparnisse bringt). Doch gegen den Entscheid sind Beschwerden hängig. Bereits 2013 hatte der Flughafen Zürich beim BAZL ein Gesuch eingereicht, um die Lärmgebühren für Starts nach 23 Uhr von 400 auf 3000 Franken zu erhöhen. Damit sollen die Airlines diszipliniert und zu mehr Pünktlichkeit gebracht werden. Allerdings bezweifelt das BAZL den Lenkungseffekt dieser Gebührenerhöhung. Die Sache ist hängig – ein externes Gutachten soll zur Klärung des Streites zwischen Bund und Flughafen beitragen.

Fachkräftemangel über den Wolken wird zum Problem

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Video: srf

Widerspricht sich der Bund?

Für Hanspeter Lienhart, Präsident der Gemeindegruppe IG Nord, gehen die Massnahmen zu wenig weit: «Die Plafonierung der Lärmbelastung auf dem heutigen, untragbaren Zustand ist für die Bevölkerung im Norden des Flughafens kein Gewinn», sagt Lienhart. Er bemängelt, dass das BAZL nur auf die verspäteten Abflüge nach 23 Uhr zielt. Griffige Massnahmen zur Reduktion der Lärmbelastung zwischen 22 und 23 Uhr würden fehlen. Zudem befürchtet Lienhart, dass der Lärmschutz aufgeweicht wird.

Tatsächlich lässt das BAZL dem Flughafen eine Hintertür offen. Es will eine Neufestlegung der zulässigen Lärmbelastung in der Nacht prüfen. Am Zug ist der Flughafen selbst: Bis Ende August soll er die Unterlagen einreichen, damit ein neues Verfahren zur Festlegung der zulässigen Lärmemissionen eingeleitet werden kann. Basis sollen die prognostizierten Flugbewegungen im Jahr 2030 sein. Die aktuellen Grenzwerte basieren auf den Prognosen für 2010. Das BAZL will damit dem Flughafen die Entwicklung ermöglichen, die der Bundesrat im luftfahrtpolitischen Bericht und im Sachplan Infrastruktur der Luftfahrt vorgesehen ist. Die Zürcher Handelskammer moniert denn auch, dass der BAZL-Entscheid im Widerspruch zu den Vorgaben des Bundesrates steht, die Stundenkapazität von 66 auf 70 Flugbewegungen zu erhöhen. Mit der Plafonierung könnten keine weiteren Destinationen mit stark nachgefragten interkontinentalen Nachtflügen in den Flugplan aufgenommen werden, schreibt die Handelskammer: «Langfristig wird die internationale Erreichbarkeit der Schweiz aufs Spiel gesetzt.»

Der Flughafen Zürich wird den Entscheid nun prüfen, wie Zöchling sagte. Die Beschwerdefrist läuft bis Mitte August. (aargauerzeitung.ch)

Zwei Lockheed C-5 Galaxy am Flughafen Zürich

Ferienzeit ist Vielfliegerzeit

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Video: srf

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    Alle Leser-Kommentare
  • Chili5000 26.07.2018 08:01
    Highlight Highlight Flugzeuge sind halt ÖV. Menschen die sich an Trams und Züge stören sollten sich eine Wohnung oder Ortschaft aussuchen die nicht in der nähe des Bahnhofs, Tramlinie oder des verdammten Flughafens liegt... diese ewigen nörgler die sich an dem Fluglärm echauffieren und dann trotzdem 1-2 im Jahr in den Urlaub fliegen...
  • Schneider Alex 26.07.2018 06:25
    Highlight Highlight Zuerst sind grundsätzliche Fragen zur Anzahl und Zusammensetzung der Flugbewegungen neu zu beantworten. Zum Beispiel: Können die für den Geschäftsverkehr notwendigen Flüge nicht besser auf die drei Landesflughäfen und die benachbarten ausländischen Flughäfen verteilt werden? Könnten reine Tourismusflüge nicht konsequent ausserhalb der lärmkritischen Zeiten auf unproblematischen An- und Abflugrouten abgewickelt werden?

    • Donald 26.07.2018 08:39
      Highlight Highlight Man könnte ja einen zusätzlichen Tag Urlaub bekommen, wenn man in die Ferien geht. Dann würde ich auch gerne schon am Nachmittag abfliegen und wieder ankommen.
    • Blitzmagnet 26.07.2018 09:10
      Highlight Highlight Nein und nein.
      Geschäftsverkehr findet dort statt, wo das Geschäft stattfindet, und das ist in der Schweiz nunmal zu einem grossen Prozentsatz Zürich.

      Zusätzlich sind viele andere Flughäfen auch längst an ihrem Kapazitätsmaximum. Der Flugverkehr steigt nicht nur in Zürich.

      Definiere Tourismusflug? Edelweiss only? Es gibt auch Geschäftsleute, die z.B. nach Südafrika fliegen.

      Welche An- und Abflugrouten wären denn genehm? Es ist doch nur eine Verschiebung, welcher Teil der Bevölkerung den Lärm abbekommt.

    • Zap Brannigan 26.07.2018 11:52
      Highlight Highlight Für Geschäftsflüge will sicher niemand für einen 2h Flug zuerst 3h nach Genf fahren. Für Flüge am Morgen müsste man in Genf übernachten.
      Und ein Flieger muss ja nicht nur in Zürich starten, sondern auch woanders wieder Landen. Man braucht passende Slots auf beiden Flughafen. Und auch wenn man am Zielflughafen in der Nacht landen darf, ist eine Ankunft um 03:00 nicht wirklich praktisch.
      Und es ist auch eine sehr schweizerische Diskussion: Wir fliegen sehr viel, im Schnitt doppelt so viel wie die Deutschen, aber niemand will den Lärm. Genau so wie guten Empfang fürs Handy, aber ohne Antennen.
  • Schneider Alex 26.07.2018 06:23
    Highlight Highlight Um den Fluglärm grundsätzlich zu bekämpfen sind die heutigen Prioritäten bei den Grundsätzen der Luftverkehrspolitik der Schweiz in Frage zu stellen. So sollte der Grundsatz 6 des Sachplans Infrastruktur der Luftfahrt (SIL), wonach die Landesflughäfen der Luftverkehrsnachfrage folgend entwickelt werden können, hinterfragt werden. Wie in der Verkehrspolitik allgemein sind nachfrageorientierte Ansätze längst überholt. Im Interesse der Reduktion von Fluglärm, Treibhausgasemissionen und Energie ist ein Rahmen für das Flugverkehrsangebot zu setzen, der Notwendiges vom Luxus trennt.


    • Chili5000 26.07.2018 07:57
      Highlight Highlight Wenn ich einen Flug buche um in den Urlaub zu fliegen dann ist das immer Luxus. Sollen alle Menschen auf Flüge in den Urlaub verzichten?? Was für eine Idee ist das denn? Demnach dürfen nur Geschäftsleute fliegen?!
    • Donald 26.07.2018 08:40
      Highlight Highlight Wo hört notwendig auf und wo fängt Luxus an?
    • Blitzmagnet 26.07.2018 09:13
      Highlight Highlight Halte ich für kritisch, natürlich erzeugt mehr Kapazität / Angebot auch wieder mehr Nachfrage, aber wer ausser ein paar wenigen verreist denn wirklich gar nie unnötig, egal ob mit Flugzeug, Auto oder Zug?
      Transport ist ein grosses Bedürfnis der globalen Welt, wir haben Freunde in ganz Europa und möchten Ferien am anderen Ende der Welt machen.
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