Schweiz
Migration

Nationalrat debattiert Umgang mit Asylgesuchen von Afghaninnen

Nationalrat debattiert Umgang mit Asylgesuchen von Afghaninnen

Der Nationalrat befasst sich am Montag mit der Aufnahme geflüchteter Frauen aus Afghanistan. Eine Motion aus den Reihen der SVP fordert, der Bund solle eine im Sommer 2023 vorgenommene Praxisänderung rückgängig machen.
27.05.2024, 07:1327.05.2024, 07:13

Das Staatssekretariat für Migration (SEM) hatte im Juli 2023 entschieden, Frauen aus Afghanistan in der Regel Asyl zu gewähren. Die Lage für Frauen und Mädchen habe sich in Afghanistan seit der Machtübernahme der Taliban kontinuierlich verschlechtert, begründete es den Schritt. Die Grundrechte der Frauen seien stark eingeschränkt.

Ein Bildschirm zeigt die Ergebnisse des Ordnungsantrags der SVP-Fraktion (23.9004) zur Videoansprache von Praesident Wolodymyr Selenski in Schweizer Parlament naechste 15 Juni, waehrend der Sommersess ...
Die SVP-Fraktion im Nationalrat.Bild: keystone

Der SVP und der FDP wollten das SEM daraufhin zurückpfeifen, National- und Ständerat schickten allerdings im Dezember die Vorstösse zum Thema zunächst zur Vorberatung an ihre Staatspolitischen Kommissionen. Am ersten Tag der Sommersession berät der Nationalrat nun die entsprechende Motion des Zürcher SVP-Nationalrats Gregor Rutz.

Rutz fordert konkret, entscheidend müsse sein, von wo jemand in die Schweiz komme – und nicht die Nationalität. Ansonsten drohe eine Sogwirkung auf Personen, die bereits heute ausserhalb Afghanistans in sicheren Drittstaaten lebten.

Der Bundesrat hält dem entgegen, Afghaninnen, die in den Drittstaat zurückkehren könnten, in dem sie sich zuvor aufgehalten hätten, erhielten schon heute kein Asyl.

Die Staatspolitische Kommission des Nationalrats (SPK-N) beantragt mit 13 zu 12 Stimmen die Ablehnung der Motion. Frauen in Afghanistan hätten quasi keine Zukunftsperspektive, argumentiert die Kommissionsmehrheit. Die Kommissionsminderheit aus den Reihen von SVP und FDP wendet dagegen unter anderem ein, die Praxisänderung führe zu mehr illegaler Sekundärmigration in die Schweiz.

Zur Debatte steht am Montag im Nationalrat ausserdem eine abgeschwächte Motion. Diese hat die vorberatende Kommission erarbeitet. Demnach soll das SEM die neue Praxis mit verschiedenen flankierenden Massnahmen und Vorkehrungen ergänzen, etwa mit einer verpflichtenden Sicherheitsprüfung für nachziehende Ehepartner. (sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
32 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Luna Merlin
27.05.2024 07:48registriert Dezember 2021
Absolut einverstanden, wenn Mädchen und Frauen von einem „Ehrenmord“ bedroht sind oder Mütter ihre Tochter davor bewahren wollen. In Afghanistan ist das leider keine Seltenheit! ABER dann bitte auf gar keinen Fall ein Nachzug männlicher Familienangehöriger, denn dies würde dem Missbrauch tatsächlich Tür und Tor öffnen - und zwar gewaltig!
12110
Melden
Zum Kommentar
avatar
FACTS
27.05.2024 07:37registriert April 2020
Es nag gute Gründe geben, weshalb man afghanischen Frauen Asyl gewähren sollte, aber in der Regel kommen sie nicht allein in die Schweiz und teilen auch nicht unbedingt hiesige Wertvorstwllungen, gerade auch was die Stellung der Frau angeht. Ihre Integration ist regelmässig sehr herausfordern und bleibt oft (wenn auch nicht imner) unvollständig.
7719
Melden
Zum Kommentar
avatar
Aschenmadlen
27.05.2024 11:05registriert Juli 2017
Afghanistan ist ein gutes Beispiel, dass die teuren westlichen Bemühungen zu gar nichts führen. Einem sehr kleinen Teil der afghanischen Frauen hier zu helfen ist völlig unfair, auch gegenüber Frauen aus anderen Krisenregionen. Zudem muss einem bewusst sein, jeder erwachsene Einwanderer ohne Bildung ist eine Hypothek, da fehlen min 9 Jahre teure Schulbildung. Die werden kaum nachgeholt, d.h. Sozialhilfe, kein Einkommen, keine Steuern, keine KK wird entrichtet, in vielen Fällen ein Leben lang.
279
Melden
Zum Kommentar
32
Das Bein amputieren wegen eines Kreuzbandrisses? So radikal ist die Zuwanderungsinitiative
Die Initiative der SVP gegen eine 10-Millionen-Schweiz gaukelt eine simple Lösung für die Nebenwirkungen der Zuwanderung vor. Tatsächlich verschärft sie mehr Probleme, als sie entschärft.
Wenn Sie auf der Wanderung einen Kieselstein im Schuh haben, brechen Sie dann den Ausflug ab? Wenn das Velo einen Platten hat, schmeissen Sie es weg? Und würden Sie sich wegen eines Kreuzbandrisses das Bein amputieren lassen?
Zur Story