Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Flüchtlingshilfe kritisiert Asylwesen

«Die unterirdische Unterbringung ist nicht menschengerecht. Wir sind keine Maulwürfe»



Der neue Generalsekretaer der Schweizerischen Fluechtlingshilfe, Beat Meiner, setzt sich am Dienstag, 19. August 2003, an einer Medienkonferenz in Bern fuer eine nachhaltige Bildungsarbeit sowie fuer Friedensfoerderung und gegen Fremdenhass ein.
(KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Beat Meiner von der Schweizerischen Flüchtlingshilfe. Bild: KEYSTONE

Asylsuchende unterirdisch unterzubringen sei nicht menschengerecht: Dieser Meinung ist Beat Meiner, Generalsekretär der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH). Und er kritisiert die Schweizer Asylpolitik grundlegend.

«Das Grundproblem ist, dass das Flüchtlingswesen in der Schweiz generell nicht mit derselben Voraussicht betrieben wird wie andere Dinge», sagte Meiner in einem Interview mit den Zeitungen «Tages-Anzeiger» und «Bund» vom Dienstag. Mit seriöser Asylpolitik könne man sich als Verantwortlicher hierzulande eben nicht profilieren.

Dazu komme die weit verbreitete falsche Grundannahme, wenn man möglichst wenig tue, sinke die angebliche Attraktivität der Schweiz als Asylland. «Die Abschreckung funktioniert aber nicht», sagte der SFH-Generalsekretär. «Sonst würden spätestens seit Blochers Asylgesetzrevision von 2006 keine Flüchtlinge mehr in die Schweiz kommen.»

«Strategischer Fehler» von Christoph Blocher

Der gesamtschweizerische Mangel an Asylunterkünften von heute ist laut Meiner politisch gewollt. Er beruhe auf einem «strategischen Fehlentscheid von Christoph Blocher», der als Bundesrat 2007 Asylstrukturen «ohne Not um die Hälfte» zusammengestrichen habe.

Geplante Notunterkünfte wie im Kanton Bern seien nun zwar kostengünstig. Doch: «Die unterirdische Unterbringung ist nicht menschengerecht. Wir sind keine Maulwürfe», sagte Meiner. Es sei «das Dümmste», wenn man Flüchtlinge nicht anständig aufnehme. Besonders im aktuellen Fall, in dem davon auszugehen sei, dass viele Asylsuchende langfristig hier bleiben werden. (sda)

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Interview

1 Jahr Haft für 234 Menschenleben: An diesem Mann soll ein Exempel statuiert werden

Claus-Peter Reisch, früher konservativer Bayer und CSU-Wähler, heute Seenotretter im Mittelmeer. Für sein Engagement soll er nun in Malta verurteilt werden. Im Interview mit watson rechnet er mit Horst Seehofer, Matteo Salvini und der europäischen Flüchtlingspolitik ab. 

Eigentlich könnte Claus-Peter Reisch ein ruhiges, geordnetes Leben haben. Als selbstständig Erwerbender steht er finanziell auf sicherem Boden, mit seinem eigenen Segelboot zieht es ihn immer wieder in die Ferne. Doch jetzt ist Reisch zwischen die Fronten geraten. In Deutschland prangte sein Antlitz auf jeder Tageszeitung. 

Es ist 2015 als Reisch mit seiner Lebenspartnerin im Sommer nach Griechenland segelt. Die Flüchtlingskrise ist bereits in Gang. Er stellt sich die Frage: «Was tun wir, …

Artikel lesen
Link zum Artikel