Nach Rückkehr der ersten Bewohner: So steht es um die Hangrutschgefahr in Brienz GR
Im Dorf Brienz GR zeigen einige Messpunkte seit März keine Bewegung mehr. Dies erklärten die Geologen heute am Rande einer Besichtigung des Entwässerungsstollens. Die positive Situation hat neue Einwohner angezogen, sagte der Gemeindepräsident von Albula/Alvra, Daniel Albertin.
Seit fast vier Monaten leben wieder 49 Personen in dem kleinen Bergdorf Brienz. Die Rutschung des Dorfes hat historische Tiefstwerte erreicht: Heute bewegt es sich um weniger als fünf Zentimeter pro Jahr. Im Herbst vor zwei Jahren hatte die Geschwindigkeit noch 2,5 Meter pro Jahr betragen.
Eine Verbesserung, die es der Bevölkerung ermöglichte, im Januar dieses Jahres nach einer 62 Wochen dauernden Evakuierung nach Hause zurückzukehren. Es handelt sich hauptsächlich um Einheimische. Unter ihnen befinden sich aber auch Neuzuzüger.
«Einige haben eine Wohnung von denjenigen gemietet, die beschlossen haben, das Dorf zu verlassen. Bis zum Zeitpunkt des Abbruchs haben die Eigentümer ihre Häuser vermietet», erklärte der Gemeindepräsident von Albula/Alvra, Daniel Albertin, mit Verweis auf die präventive Umsiedlung des Dorfes. Diese sieht vor, dass diejenigen, die nicht in die Fraktion Brienz/Brinzauls zurückkehren und somit Beiträge für die Umsiedlung erhalten wollen, ihr Haus abbrechen müssen.
Hoffnung für die Zukunft
Unter den Neuankömmlingen gibt es auch Rückkehrer. Laut Albertin haben einige Personen, die während der Evakuierung weggezogen waren, wieder Wohnungen gemietet, die sich im Besitz der Gemeinde befinden. Der Gemeindepräsident konnte nicht genau sagen, um wie viele Personen es sich handelt.
Die aktuelle Entwicklung bringt die Hoffnung für die Zukunft des Dorfes zurück, das vor der Evakuierung im November 2024 noch 92 Einwohner zählte. Erst Ende November letzten Jahres befürchteten Geologen den Einsturz der Bergsturzmasse oberhalb der Siedlung.
Heute zeigten sich die Geologen, die die Situation seit 2018 verfolgen, zuversichtlich. «Die Daten zeigen uns, dass wir gute Chancen haben, das Rutschen des Berges auch langfristig signifikant zu reduzieren. Infolgedessen ist es auch möglich, den Sturz grosser Felsmassen zu verhindern, wahrscheinlich sogar endgültig», sagte der Geologe Daniel Figi.
Der Grund für die Verlangsamung des Berges und des Dorfes ist unter der Erde zu finden, im Entwässerungsstollen. Seit April 2024 läuft der Bau des Stollens, der das Wasser aus dem Untergrund entziehen und es in den Fluss Albula leiten soll. Bisher wurden etwa ein Drittel der Drainagebohrungen durchgeführt. Der Tunnel, der rund 40 Millionen Franken kostet, soll Mitte 2027 fertiggestellt sein. (sda)
