10'000 Bändel verteilt: Jetzt rollen die SBB das Sunflower-Projekt schweizweit aus
Es ist ein kleines Hilfsmittel mit grosser Wirkung: Der sogenannte Sunflower Lanyard – ein Umhängeband, das auf unsichtbare Behinderungen wie Autismus, Höreinschränkungen, Multiple Sklerose oder Demenz hinweist. Vergangenen Sommer gaben die SBB bekannt, dass sie die Gratis-Abgabe solcher Bänder testen werden.
Lanciert wurden die Sunflower Lanyards von der britischen Organisation Hidden Disabilities Sunflower. Wer sie trägt, kann damit signalisieren, dass man möglicherweise etwas mehr Zeit und Geduld oder Unterstützung benötigt. Im Ausland haben sich die Umhängebänder vielerorts bereits etabliert.
In einem ersten Schritt bestellten die SBB rund 10'000 Lanyards und gaben sie an Bahnhöfen in den Kantonen Zürich, Genf, St.Gallen, Zug und Waadt ab. Danach habe man die Erfahrungen der Betroffenen analysieren, sagt Esther Buchmüller, Leiterin des SBB-Kompetenzzentrums Barrierefreiheit und Inklusion, gegenüber CH Media.
Die Bilanz fällt positiv aus. «Das Interesse ist gross und die Resonanz sehr positiv», sagt Buchmüller. «Wir haben bereits über 10'000 Bändel verteilt.» Ab sofort werde der Sunflower Lanyard in allen 115 SBB-Reisezentren in der Schweiz erhältlich sein. «Bei Bedarf werden neue Lanyards nachbestellt.» Buchmüller verweist darauf, dass ein Fünftel der Schweizer Bevölkerung laut Statistik eine Behinderung hat und 80 Prozent dieser Behinderungen unsichtbar sind.
«Man sollte empathisch bleiben»
Positiv stimmt Buchmüller, dass laufend weitere Unternehmen ebenfalls bei der Initiative an Bord sind. Tatsächlich gibt es die Umhängebänder auch beim Flughafen Zürich, bei der Swiss, den Basler Verkehrs-Betrieben, der Matterhorn Gotthard Bahn, bei «Aargau Verkehr» oder im Technorama in Winterthur ZH. «Je mehr Unternehmen mitmachen, desto wirkungsvoller ist die Unterstützung für Reisende», sagt Buchmüller.
Nach der Einführung haben die SBB eine Umfrage bei Reisenden durchgeführt, in Zusammenarbeit mit 15 Partner-Organisationen wie Autismus Schweiz oder Alzheimer Schweiz. Knapp die Hälfte der Umfrage-Teilnehmenden hatten bereits einen Lanyard bezogen.
Die Umfrage hat laut Buchmüller gezeigt, dass 98 Prozent der Befragten das Tragen des Bandes weiterempfehlen würden. Viele Menschen würden ihn auch ausserhalb des öffentlichen Verkehrs tragen.
Wichtig sei, so Buchmüller, dass der Sinn des Lanyards möglichst vielen Menschen bekannt sei. «Nur wenn Mitreisende und Mitarbeitende wissen, wofür die Sonnenblume steht und wie sie Menschen mit einer unsichtbaren Behinderung situativ unterstützen können, erfüllt die Initiative ihren Zweck.»
Und wie sollen Passanten auf Menschen mit dem Lanyard reagieren? Buchmüller rät, dass man den Tragenden Aufmerksamkeit, Raum und Zeit schenkt. «Man sollte empathisch bleiben und situativ fragen, ob Hilfe benötigt wird.» (aargauerzeitung.ch)

