SBB lassen Halt in Aarau sausen – Passagiere müssen bis Brugg weiterfahren
Es ist sicher nicht der Start in die Woche, den sich viele Passagiere im Interregio von Olten nach Zürich am Montagmorgen erhofft haben. Um 8:13 Uhr hätte dieser in Aarau halten sollen, doch daraus wurde nichts, wie ein Augenzeuge berichtet. Verwundert und auch etwas verwirrt mussten die bereits an den Ausgängen wartenden Fahrgäste – ebenso wie die Leute auf dem Perron – feststellen, dass der Zug einfach weiterfährt.
«Wo Menschen arbeiten, können auch Fehler passieren», erklärt SBB-Mediensprecherin Fabienne Thommen später auf Nachfrage. Davor seien auch Lokführerinnen und Lokführer nicht gefeit. «So auch heute Morgen, wo der Lokführer leider vergessen hat, in Aarau zu halten.»
Was bedeutet das für die Leute im betroffenen Zug? Eine erste Durchsage kann diese Frage nur zu Teilen klären. «Aufgrund eines betrieblichen Fehlers haben wir den Halt in Aarau leider überfahren», heisst es. Und: Der Zug fahre nun weiter bis nach Brugg. «Wie kann man nur Aarau verpassen?», fragten sich die Fahrgäste. Und natürlich auch, wie man jetzt nach Aarau kommen würde. Kurz: Reisende nach Aarau mussten einfach in Brugg die nächste Verbindung zurück nehmen. Immerhin heisst es in einer weiteren Durchsage, dass dafür kein zusätzliches Billett gekauft werden muss.
«Für die betroffenen Reisenden entstehen keine zusätzlichen Kosten», bestätigt Thommen. «Das Personal auf den anderen Zügen wird informiert, sodass die Reisenden ohne zusätzliches Billett zurück oder weiterreisen können.» Zudem erläutert sie, dass in solchen Fällen beim nächstgelegenen geeigneten Bahnhof gehalten wird. Also dort, wo gute Anschlüsse für eine Weiter- oder Rückfahrt bestehen.
Der nächste Zug in Brugg fuhr um 8:32 Uhr. Um 8:45 Uhr kam dieser dann effektiv in Aarau an und die Passagiere durften diesmal auch aussteigen. Die kleine «Extrafahrt» hat am Ende also für eine Verspätung von 32 Minuten gesorgt. Für den Anspruch auf eine Entschädigung reicht das nicht, wie die SBB auf ihrer Website informieren. Erst ab 60 Minuten Verspätung und Fahrtkosten von mehr als fünf Franken kann 25 Prozent des Billettpreises zurückverlangt werden.
Für diejenigen, welche in Aarau den Zug an sich vorbeibrausen sahen, gab es zeitnah Alternativen. Brugg und Baden erreichte man so mit einer Verspätung von etwas mehr als einer Viertelstunde, Zürich mit einer späteren (schnelleren) Verbindung gar wenige Minuten früher.
Verpasster Halt in Aarau – da war doch was
Doch wie oft passiert es, dass ein Halt am Bahnhof verpasst wird? «Statistisch gesehen geht nur einer von 170'000 Halten vergessen – es kommt also sehr selten vor», so Thommen von den SBB. Komme es aber doch vor, sei es nicht nur für die Passagiere ärgerlich, sondern auch für die Lokführer sehr unangenehm.
Am 8. November 2024 war der Bahnhof Aarau letztmals von einer Panne betroffen. Zwar konnte der Interregio aus Richtung Zürich am Bahnhof Aarau noch bremsen, aber zu spät. «Unser Lokführer hat leider ein bisschen zu spät abgebremst», erfolgte die Durchsage im Zug. Die beiden vordersten Wagen standen bereits nicht mehr am Perron. Wer von dort aussteigen wollte, musste dies über Waggons weiter hinten tun. Und wer einsteigen wollte, musste zunächst ein Stück nach vorne laufen. Der Zug hatte daraufhin einige Minuten Verspätung.
Weitere Pannen am Bahnhof Aarau
Etwas weiter zurück, im September 2009, ist in Aarau gleich zweimal innert nur einer Woche ein Schnellzug ungeplant durchgefahren. Einem Lokführer unterlaufe so ein Patzer im Schnitt einmal in der gesamten beruflichen Laufbahn – entsprechend peinlich sei es diesem in der Regel, erklärte der SBB-Mediensprecher damals auf Nachfrage. Und wieso gleich mehrmals in Aarau? Dafür hat Mediensprecherin Thommen eine mögliche Erklärung: «Meist kommt es an Fernverkehrshaltepunkten vor, an denen Schnellzüge einmal anhalten und das andere Mal nicht – beispielsweise in Lenzburg, Flüelen oder eben in Aarau.»
Eine weitere kleine Panne am Bahnhof Aarau hat sich vor wenigen Monaten ereignet. Auf einem Perron waren Anfang November die Zugverbindungen auf der Anzeigetafel auf dem Kopf zu lesen. Die Ursache war ein defekter Sensor. Dieser ist für die korrekte Ausrichtung der Anzeige verantwortlich, erklärte SBB-Mediensprecherin Mara Zenhäusern. Fällt der Sensor aus, kann die Schrift spiegelverkehrt oder eben kopfstehend erscheinen. (aargauerzeitung.ch)
