Schweiz
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Offen gesagt

Lieber Herr Rösti, was wollen Sie eigentlich?

Nach der Zürcher Wahlschlappe verliert die SVP-Führung die Fassung und teilt aus gegen alles und jeden und das SRF. Das ist nicht sehr gescheit.



Lieber Herr Rösti

Das letzte Mal, als ich Sie glücklich gesehen habe, ist fünf Jahre her. Das war nach der Annahme der Masseneinwanderungs-lnitiative, als Sie weinselig im Kreise Ihrer Getreuen das Sääli der «Krone» in Aarberg mit Jauchzern und Jodel erfreuten.

Damals waren Sie Kampagnenleiter und der Sieg hat Sie für den Posten des Parteipräsidiums prädestiniert. Nun läuft es ja nicht mehr so rund.

Die Wahlen im Kanton Zürich sind schlecht ausgegangen für die bürgerlichen Parteien und ihre SVP ist da natürlich keine Ausnahme. Dafür gibt es verschiedene Gründe.

Einerseits nimmt man studiert-geschalten Leuten wie Ihnen, Herr Aeschi und Herr Köppel den Einsatz für den kleinen Mann nicht ab. Andererseits lahmen die Steckenpferde des Populismus', arme Ausländer und Kriminalität, aktuell ziemlich.

Und Greta und die Klimakinder spielen Ihnen auch nicht grad in die Hände. Wenn noch ein weiterer Hitzesommer dazu kommt, dann wird Ihr Auftrag, die SVP bei den nationalen Wahlen zu 29,4 Prozent zu führen, ein Ding der Unmöglichkeit. Dann sind Sie der Präsident, der es nicht geschafft hat, die Partei nach der Ära Toni Brunner auf Flughöhe zu halten.

Nun kommen Sie ja aus dieser Nummer nicht mehr einfach so raus, weshalb ich mir an Ihrer Stelle nur eine einzige Sache überlegen würde: Wie erreiche ich, dass der drohende Schaden bei den Wahlen im Herbst möglichst abgewendet werden kann?

Denn das überlegen Sie sich derzeit offensichtlich genau so wenig, wie Ihre kantonale Führungsriege.

Ihr Zürcher Wahlkampfleiter Alfred Heer gibt den Medien die Schuld, wenn sein Kandidat zur Wahlfälschung rät. Ihre Regierungsrätin Natalie Rickli bezeichnet die eigenen Wähler als zu dumm, einen Wahlzettel richtig auszufüllen. Und Sie selbst drohen dem SRF mit einer Halbierungsinitiative. Weil dieses zusammen mit den anderen Medien zu oft über die Klimaproblematik berichtet habe. Damit, so insinuieren Sie, hätten die Medien die SVP-Niederlage zu verantworten. Und das im grossen Interview mit dem «Tages-Anzeiger» und nach einer 30-Prozent-Klatsche bei NoBillag...

Alles in allem entsteht so der Eindruck einer kopflos-trumpesk agierenden Organisation, die bei allen anderen und den Medien die Schuld sucht, statt die Niederlage zu analysieren, daraus zu lernen und sich geschlossen auf die nächste Aufgabe zu konzentrieren.

Ich bin kein Hellseher, aber ich glaube, mit dieser Wähler- und Medienbashing-Strategie, sofern es denn eine ist, erreichen Sie das Gegenteil von dem, was Sie erreichen wollen. Ich schlage vor, Sie machen sich jetzt an Ihre Arbeit, kriegen Ihre Leute in den Griff und legen ein bisschen mehr Würde und Demut an den Tag.

Dann können Sie am Wahl-Apéro im Herbst vielleicht wieder einen Jodel anstimmen. Ansonsten ziemlich sicher nicht.

Mit freundlichen Grüssen

Maurice Thiriet

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86 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
Gurgelhals
26.03.2019 16:35registriert May 2015
Im Gegenteil, Herr Thiriet: Ich schlage vor, die SVP soll konsequent auf dieser Mimimimi-Schiene weiterfahren.
Diese Nummer nervt zwar unmittelbar noch mehr als das ewige Gepoltere, an das wir uns in den letzten 25 Jahren leider Gottes gewöhnen mussten, aber die Wahlsonntage werden dann umso erfreulicher ausfallen 😇
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Sophia
26.03.2019 16:30registriert July 2015
Wie, die Tageschau ist an der SVP Niederlage Schuld? Ja, hat denn dieser Knabe noch alle Tassen im Schrank, so würde sein Kumpel, der kleine Ueli, fragen? Nein, die SVP ist ganz einfach vorbei, sie hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt und nun beleidigt sie alle die Kinder, die sich ersnthaft Sorgen um Ihre zukünftige Lebensqualität machen. Eltern sollten ihren Kindern das nun aber ganz klar kommunizieren: SVP ist kinderfeindlich!
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Walter Sahli
26.03.2019 17:23registriert March 2014
SVP 2018: Es braucht keine Billag, es schaut sowieso niemand SRF!
SVP 2019: Wir verlieren Wahlen, weil alle SRF schauen!
Wahrlich, Herr Rösti, was wollen Sie eigentlich?
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86

Offen gesagt

«Liebe Frau Amherd, wir müssen reden ...»

Sollte die Schweizer Stimmbevölkerung die Beschaffung neuer Kampfjets Ende September auch im zweiten Anlauf ablehnen, wäre das gut für die Schweiz. Sie könnte dann die längst überfällige sicherheitspolitische General-Debatte führen.

Liebe Frau Amherd

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