Kanye West geht es besser – und das dank der Schweiz
In den letzten zehn Jahren hat uns Kanye West, auch unter «Ye» bekannt, regelmässig sprachlos zurückgelassen. Jeder Skandal schien schlimmer als der vorherige. Nur einige Beispiele: selbst entworfene T‑Shirts mit Hakenkreuzen, die online verkauft wurden; die Veröffentlichung eines Songs mit dem Titel «Heil Hitler»; endlose rassistische und antisemitische Äusserungen; das Tragen eines schwarzen Klu-Klux-Klan-Kostüms bei einem Interview; oder die Behauptung, er würde seine Frau Bianca Censori «dominieren».
Es ist also eine Untertreibung zu sagen, dass sein am Montag auf eigene Kosten im «Wall Street Journal» veröffentlichtes Schreiben zumindest ... unerwartet kam.
In einem Entschuldigungsbrief, der «an alle gerichtet ist, die er möglicherweise verletzt hat», erklärt Ye sein unberechenbares Verhalten mit seiner bipolaren Störung, der Folge einer Kopfverletzung nach einem schweren Autounfall Anfang der 2000er Jahre.
Übersetzung
Dieser Text wurde von unseren Kolleginnen und Kollegen aus der Romandie geschrieben, wir haben ihn für euch übersetzt.
Er behauptet, insbesondere im Jahr 2025 eine viermonatige manische Episode durchlebt zu haben, die seiner Aussage nach durch «psychotisches, paranoides und impulsives Verhalten gekennzeichnet war, das mein Leben zerstört hat». «Die Situation wurde immer unerträglicher und es gab Momente, in denen ich nicht mehr da sein wollte.»
Ye spricht in seiner Erklärung von «Momenten der Entfremdung», die er als «ausserkörperliche Erfahrung» empfand. «Ich fühlte mich von dem zerstörerischsten Symbol angezogen, das ich finden konnte, dem Hakenkreuz, und verkaufte sogar T-Shirts, auf denen es abgebildet war», schreibt er.
Nach dieser Episode habe er auf Anraten seiner Partnerin, der australischen Architektin Bianca Censori, eine Behandlung wegen einer bipolaren Störung vom Typ I begonnen. Er nimmt inzwischen Medikamente, macht eine Therapie und «widmet seine ganze Energie einer positiven und sinnvollen Kunst».
Angesichts dieses Mea Culpa hat das Magazin «Vanity Fair» dem Rapper per E-Mail eine Reihe von Fragen gestellt. Auch wenn er sich weigerte, auf einige davon zu antworten, hat Ye zumindest überhaupt geantwortet. Dabei weist er insbesondere jede Absicht zurück, seine kommerzielle Karriere «neu anzukurbeln».
Trotz seiner wiederholten Ausrutscher blieb sein Erfolg in den Charts ungebrochen: «Ich war 2025 unter den Top 10 der meistgehörten Künstler in den USA auf Spotify, und das noch letzte Woche und fast jeden Tag», erinnert er «Vanity Fair».
Er habe sich zu Wort gemeldet, «weil mich diese Gewissensbisse enorm belastet haben», erklärt er dem Magazin weiter. «Ich muss mich noch einmal aufrichtig für alles entschuldigen, was ich gesagt habe und was insbesondere die jüdische und die schwarze Gemeinschaft verletzt hat. Ich bin zu weit gegangen. Ich sehe die Folgen dieser Episode und mir ist klar, dass das nicht zu mir passt.»
Eine Lösung in der Schweiz
Nach seiner «manischen Phase» und seinem «Kontrollverlust» habe er eine «tiefe depressive Episode» durchgemacht. Das Ergebnis?
Er nennt die konkrete Privatklinik nicht, und die Möglichkeiten in der Schweiz sind zahlreich: von der berühmten Clinique des Alpes oberhalb des Genfersees, wo Prinzessin Charlène von Monaco einige Wochen lang wohnte, über die Zürcher Privatklinik Paracelsus bis hin zum sehr exklusiven Behandlungszentrum The Kusnacht, das ebenfalls am Zürichsee liegt.
Daher scheint es wenig überraschend, dass der temperamentvolle 48-jährige Rapper im vergangenen September mehrfach im pulsierenden Herzen der Schweizer Finanzwelt gesichtet wurde.
Einige Monate zuvor, im März 2025, teilte der Rapper auch die Website einer Klinik namens «Privé-Swiss». «Dorthin wollen sie mich schicken», empörte sich der Rapper damals in einem inzwischen gelöschten Beitrag auf X.
Die Einrichtung garantiert zwar absolute Diskretion für eine elitäre Kundschaft, die am Rande der psychischen Erschöpfung steht (unter anderem haben Selena Gomez und der Schauspieler Kit Harington dort verweilt), aber entgegen dem, was der Name vermuten lässt, befindet sich «Privé-Swiss» nicht in der Schweiz, sondern in Connecticut in den Vereinigten Staaten.
Wo auch immer der Rapper Hilfe gefunden hat, das Ergebnis spricht für sich: Noch nie zuvor hat Ye sich so öffentlich und reumütig entschuldigt. Es bleibt abzuwarten, wie (und ob) er diese Veränderungen in Zukunft umsetzen wird. Wer weiss? Vielleicht wachen einige versierte Schweizer Klinikerinnen und Kliniker darüber, dass ihr ehemaliger Patient ihre Ratschläge auch wirklich befolgt.
