Eine andere komplettiert das instabile Dreieck – so war «Zivadiliring» ohne Gülsha
Als Maja Zivadinovic, Yvonne Eisenring und Gülsha Adilji Ende März das Ende ihres Podcasts «Zivadiliring» in einem Communiqué verkündeten, klang das so, als informiere ein börsennotiertes Unternehmen über einschneidende Personalwechsel und Umstrukturierungspläne. «Man habe unterschiedliche Vorstellungen von der Weiterentwicklung des Podcasts» gehabt und sich gemeinsam entschieden das «erfolgreiche Projekt abzuschliessen», hiess es da. Die fünf geplanten Live-Shows im Frühling würden noch durchgeführt, aber ohne Gülsha Adilji. Die werde leider aus «persönlichen Gründen» fehlen.
Von heute auf morgen lag das jahrelang in sorgfältiger Communityarbeit gepflegte Image von der unverbrüchlichen Frauenfreundschaft in Scherben. Fans reagierten enttäuscht, verkauften ihre Tickets auf Zweitverkaufsplattformen und begannen Fragen zu stellen. Wie konnte es sein, dass die drei Hosts, die ihre aktuellen Live-Shows mit Attributen wie «tabulos» versehen und ihrer Community «radikale Ehrlichkeit» versprechen, in diesem einen Punkt nicht Klartext redeten?
Gerüchte um interne Streitereien
Gülsha und Eisenring, so legen es auch Recherchen von CH Media nah, sollen hoffnungslos zerstritten sein. Die letzte Folge von «Zivadiliring» erschien am 16. Februar. Gemäss Recherchen der «NZZ» soll Gülsha mit Maja Zivadinovic, die momentan noch mit Yvonne Eisenring die letzten Live-Shows hostet, bereits ein neues Podcast-Format planen. Bestätigt haben die beiden das bisher nicht.
Das mögliche Zerwürfnis beschäftigt auch die vielen jungen und mittelalten Frauen, die am Dienstagabend in Scharen ins Stadtcasino Basel kommen und die Fragen bei einem Aperol Spritz vertiefen. Sie habe, so eine junge Frau, ihre Karte für die Show nicht verkauft, weil sie neugierig sei, wie das nun funktioniere ohne Gülsha. Sie ist mit ihrer Neugier nicht allein. Der Konzertsaal, der Platz für 1500 Personen bietet, ist gut besucht. Allen Befürchtungen zum Trotz: Die Fans bleiben ihren Podcasterinnen treu.
Als das Saallicht heruntergedimmt wird und Maja Zivadinovic und Yvonne Eisenring von ihrer Community mit warmem Applaus begrüsst werden, vergeht nicht viel Zeit, da schleudert jemand aus den vorderen Reihen den Frauen ein «Da fehlt doch eine!» entgegen. Das sei alles schon ein bisschen traurig, sagt Eisenring. Und Maja Zivadinovic ergänzt: Man werde aus Respekt vor Gülsha nichts mehr weiter dazu sagen.
Die serbisch-österreichische Autorin Barbi Markovic hat die Beziehungsdynamik, die die Hosts des erfolgreichsten Podcasts der Schweiz über fast fünf Jahre durch alle Stürme getragen hat, in einem ihrer Bühnenstücke unfreiwillig ganz gut beschrieben: «Wenn zwei von drei Schwestern lange genug miteinander gestritten haben, kippt das Dreieck und sie wenden sich plötzlich und ohne nachvollziehbare Gründe gegen die dritte.»
16 Live-Shows, 28'187 Besucher
Das instabile Beziehungs-Dreieck, bestehend aus drei so unterschiedlichen Persönlichkeiten wie Zivadinovic, Adilji und Eisenring, gab auf der Bühne oder im Podcast nie Grund zur Langeweile. Die Gespräche über Sex, Datingverhalten, Feminismus und Mutterschaft mögen nicht tiefschürfend gewesen sein. Die Art, wie man sich in diesem Dreieck miteinander solidarisierte oder in Opposition trat, hatte aber hohes Suchtpotenzial.
28'187 Menschen vorwiegend weiblichen Geschlechts haben bis heute eine der 16 Live-Shows besucht, allein 10'000 wohnten im Oktober dem Mega-Event im Hallenstadion bei. Als das SRF den ursprünglich hausinternen Podcast Ende 2024 wegen nicht Reglement konformer Werbeverträge aus seinem Programm warf, machte man nach dem Prinzip «The show must go on» einfach weiter damit.
So auch an diesem Dienstagabend. Maja Zivadinovic hält einen Foto-Vortrag über Znüni-Boxen von Vorschulkindern. Die Mutter eines kleinen Sohnes zeigt KI generierte Schachteln mit gut sortierten Gemüsescheiben, die zu lachenden Gesichtern arrangiert wurden. Dann lässt sie uns tief in die Znüni-Box ihres Sohnes blicken. Ein paar vertrockneten Brotscheiben, kein Gemüse. Dem Sohn schmeckts.
Maja Zivadinovic ist angekommen in ihrer Paraderolle. Es ist die der Mutter, welche die überzogenen Ansprüche ans Muttersein einem «Reality»-Check unterzieht. Gegen das fürs weibliche Selbstwertgefühl toxische Outfit der Instagram-Mütter wirkt als Gegengift ein Foto von ihrem Bein – mit Schürfwunde und aufgerissener Strumpfhose. Viele Frauen im Publikum brechen spontan in Gelächter aus. Gegen die durchgestylten grau-beigen-Instagram-Kinderzimmer zeigt Zivadinovic das Teppich-Gekritzel ihres Sohnes. «Du Yvonne», so Zivadinovic, «stehst da vor ganz anderen Herausforderungen». Davor hat die gelernte Coiffeuse ihrer Kollegin Eisenring versprochen, ihr in der letzten Show die Haare zu schneiden.
Sie berede solche Sachen normalerweise nicht in der Öffentlichkeit», erklärt darauf Yvonne Eisenring und erzählt von ihren Dating-Erfahrungen mit Männern, die wie der junge Lenny Kravitz oder der Comedian Trevor Noah aussehen. Ein KI generiertes Babybild, hypothetisches Produkt einer möglichen Paarung mit erwähntem Trevor Noah, löst allgemeine Erheiterung aus. Ebenso die Erzählung von einem Italiener namens Gigante, zwei Meter gross, Gastroenterologe. Der habe ihr viel über den Stuhlgang beigebracht und wie man eine anständige Spaghetti Carbonara kocht.
Ihr Beziehungsleben, so Eisenring, sei ein Bild aus Filzstiftlinien. Ein Startpunkt, ein grosses Chaos und am Ende komme manchmal eine Freundschaft dabei heraus. Man könne das als Bindungsangst abtun. Sie habe aber noch eine andere Erklärung dafür: Wenn man so viele gute und loyale Freunde habe wie sie, sei die Messlatte für neue Bekanntschaften einfach zu hoch.
Es fehlt die Dritte im Bund
Es ist einer jener Sätze, die an diesem Abend unfreiwillig seltsam klingen. Genauso wie die Videorückblicke auf fast fünf Jahre «Zivadiliring». Der Kuss zwischen Gülsha und Eisenring im Hallenstadion von letztem Oktober muss an diesem Abend notgedrungen unkommentiert bleiben. Das Versprechen eines Rückblicks, zu dem man gemeinsam in Nostalgie schwelgt, er erfüllt sich nicht.
Das sehen die Fans in der Pause ähnlich. «Ohne Gülsha sei das nicht mehr dasselbe», findet eine junge Frau. Für die zweite Hälfte des Abends hat sich ein Gast angekündigt. Manche sprechen das aus, was viele hoffen: Dass es doch bitte die Gülsha sei.
Am Ende ist es eine andere Frau, die das instabile Dreieck wieder komplettiert: Karin Bearpark, der schlagfertige Co-Host von «Die Thronfolge». In dem Podcast, den Bearpark mit Dara Masi hostet, wird ähnlich tabulos über weibliche Orgasmen diskutiert wie bei «Zivadiliring».
Am Dienstagabend hat man sich auf der Sofagruppe sitzend schnell verschwestert. Bearpark und Eisenring kommen aus einem Lehrerhaushalt, Bearpark und Zivadinovic haben beide Wurzeln im Balkan. Und plötzlich läuft die Show rund, sind da wieder Höhepunkte im Programm, während Zivadinovic in einem eingespielten Videobeitrag in Zürich Männer und Frauen Fragen zu ihrem Sexleben stellt.
Erheitert verlassen die Fans den Saal. Davor gibt es noch Standing Ovations. Sie werde sicher auch mal in neue Formate der drei reinhören», sagt eine Frau. Die extra fürs Hallenstadion Zürich entworfenen Merch-Produkte hingegen, T-Shirts mit den Frisuren der drei Heldinnen, sie bleiben bereits jetzt unangetastet auf den Tischen liegen. (bzbasel.ch)

