Als Reaktion auf Maisano-Skandal: Politiker fordern Spital-Ranking
Patienten und Patientinnen sollen die Möglichkeit erhalten, die Qualität von Schweizer Spitälern vergleichen zu können. Das fordert der Appenzeller Mitte-Nationalrat Thomas Rechsteiner in einer Motion. Gegenüber der NZZ sagt er:
Die Debatte um mehr Transparenz in der Behandlungsqualität von Schweizer Spitälern wird seit Jahren geführt und nimmt jetzt nach dem Skandal um den italienischen Herzchirurgen Francesco Maisano neue Fahrt auf.
Unter dessen Leitung war es an der Herzklinik des Unispitals Zürich zu einer statistischen Übersterblichkeit gekommen. Ein vom Unispital in Auftrag gegebenes Gutachten kam zum Schluss, dass 68 bis 74 Menschen zu viel gestorben waren, als das statistisch erwartbar gewesen wäre.
Bloss: Patienten und Patientinnen hatten keine Chance, sich selbst ein Bild von den teils katastrophalen Zuständen am USZ zu machen. Denn die Schweiz kennt im Gegensatz zu anderen Ländern weder Ranking noch Ampelsystem, mit dem Krankenhäuser unabhängig voneinander verglichen werden können.
Das, obwohl der Bund eigentlich den Auftrag dazu hätte, landesweit Kosten und Qualität der Spitäler zu eruieren und zu veröffentlichen. Er tut das punktuell zwar, aber: Die Tabellen sind voller Fachbegriffe und bieten für Laien kaum Orientierung.
Eine Studie der Fachhochschule Bern hat über 100 Spitäler analysiert – unter anderem hinsichtlich Operationen bei Leistenbrüchen und des Einsatzes künstlicher Hüftgelenke.
Resultat: In den schlechtesten Spitälern liegt die Wahrscheinlichkeit, nach der Operation Komplikationen zu haben, 230 Prozent höher als in einem durchschnittlichen Spital.
Die Forscherinnen und Forscher der Fachhochschule Bern haben ein Sterneranking für Spitäler entwickelt – so wie man das von Hotels kennt. Allerdings ist auch dieses System nur bedingt aussagekräftig: Die Forschenden haben für die Studie nur anonymisierte Daten erhalten, sodass sie die Unterschiede in der Behandlungsqualität nicht konkreten Spitälern zuordnen können.
Lobbying der Spitalverbände?
Der Gesundheitsökonom Tobias Müller, der die Studie geleitet hat, sagt gegenüber der NZZ: Diese Intransparenz ist gewollt. «Transparenz zur Behandlungsqualität würde echten Wettbewerb zwischen den Spitälern auslösen – aber eben auch einen enormen Druck auf schlechte und ineffiziente Spitäler aufbauen», sagt Müller.
Die Behörden, die eigentlich den Auftrag hätten, Transparenz herzustellen, würden dem Lobbying der Spitalverbände nachgeben, sagt Müller.
Der Spitalverband H+ wehrt sich gegen diesen Vorwurf. Man sei nicht gegen Transparenz, wohl aber gegen «Scheingenauigkeit»: «Ein Zentrumsspital behandelt schwerere, risikoreichere Fälle als ein Regionalspital.»
Eine reine Auflistung der Mortalitätsrate sei deshalb nicht aussagekräftig, sondern führe zu falschen Schlüssen.
(her)
